Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

Antikörper gegen den Rezeptor des Fibroblastenwachstumsfaktors-21 verringert Übergewicht und Blutzuckerspiegel


Ian Foltz und Mitarbeiter (1) vom der Firma Amgen erzielten bei übergewichtigen Java-Affen 5–6 Wochen nach einmaliger Injektion eines Antikörpers eine zehnprozentige Reduktion des Körpergewichts. Blutzucker-, Insulin- und Fettspiegel sanken ebenfalls. Die Wirkung hielt 7–9 Wochen nach der Injektion an. Da die Affen nicht viel weniger frassen als vorher, nimmt man einen erhöhten Energieverbrauch und eine gesteigerte Fettverbrennung an. Von den 20 Affen hatte die Hälfte als Kontrollgruppe nur Kochsalz injiziert bekommen.

Der Antikörper mimAb1, der an die Rezeptoren für den Fibroblast Growth Factor-21 (FGF-21) bindet, vornehmlich in Leber, Pankreas und Fettgewebe, beeinflusst dadurch die Regulation der Stoffwechselvorgänge. FGF-21 selbst könnte als Medikament nicht eingesetzt werden, da es im Blut zu schnell zerfällt. Bei der Suche nach anderen Molekülen, die an gleicher Stelle ansetzen, fand man den Antikörper mimAb1, der eine genügend stabile Struktur aufweist.

Kommentar:

Der Ansatz ist bestechend. Vorangegangene Experimente hatten genmanipulierte Mäuse verwendet, die FGF-21 vermehrt bildeten und trotz fettreicher Ernährung normalgewichtig blieben und keinen Diabetes entwickelten. Es bleibt abzuwarten, ob sich die an Affen erzielten Resultate auch beim Menschen erzielen lassen. Eine wichtige Frage ist natürlich die nach Verträglichkeit und möglichen Nebenwirkungen, vor allem beim Langzeiteinsatz.

Literatur:

(1) Ian Foltz, Sylvia Hu, Chadwick King:
Science Translational Medicine, November 29, 201
doi:10.1126/scitranslmed.3004690
http://www.scinexx.de/inc/artikel_drucken.php?id=15361&a_flag=1

Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
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