Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

Asprosin, ein neues Hormon aus dem Fettgewebe


Bochum, 1. Juni 2016:

Die Arbeitsgruppe um Atul R. Chopra aus Houston beschrieb in der Zeitschrift „Cell“ (1) ein neues Hormon aus dem weissen Fettgewebe. Die Autoren nannten es „Asprosin“, nach dem griechischen Wort für „weiss“ (aspro).

Asprosin ist ein C-terminales Spaltprodukt von Profibrillin. Bei Mäusen führte es zu einem Anstieg der Blutspiegel von Glukose und Insulin, also zu einer Konstellation wie bei Übergewicht und Typ-2-Diabetes bzw. Metabolischem Syndrom  („Insulinresistenz“). Das Hormon wurde bei Analyse des Erbguts von Patienten mit dem extrem seltenen Wiedemann-Rautenstrauch-Syndroms entdeckt. Diese Kinder haben schon bei Geburt ein  greisenhaftes Aussehen. Das Krankheitsbild zählt zu einem der über 75 „Progeroid-Syndromen“ (2). Es wurde vor  mehr als drei Jahrzehnten von Pädiatern des Städtischen Krankenhauses München-Harlaching beschrieben (3). Unter den vielen anderen Störungen (siehe 2) fehlt das Subkutangewebe. Die Betroffenen weisen niedriges Insulin auf, weil kein Asprosin vorhanden ist.

An diabetischen Mäusen gelang es jetzt, durch Asprosin-bindende Antikörper deren Glukose- und Insulinspiegel zu normalisieren. Die Abbildung aus der Publikation der Autoren um Chopra (1) zeigt, wie Asprosin über die Leber und die Betazellen auf Glukose und Insulin fördernd wirkt und  den gegenteiligen Effekt durch immunologischen Asprosin-Hemmung.

asprosin

Abbildung aus Literatur (2)

Kommentar

Es ist zu hoffen, dass Asprosin-Hemmung einen neuen Therapieansatz bei Adipösen und bei Menschen mit Typ-2-Diabetes darstellen könnte. Nach der Entdeckung des Leptins hegte man ähnliche Erwartungen, die aber nicht erfüllt wurden.

Darüber hinaus dürfte aber Asprosin neue Einblicke in die (Patho-)Physiologie des Intermediärstoffwechsels bringen. Ob es diagnostisch als früher Indikator einer Insulinresistenz geeignet ist, ist, wird sich zeigen müssen.

Helmut Schatz

Literatur

(1) Chase Romere – Atul R. Chopra: Asprosin, a fasting-induced gluconeogenetic protein hormone.
Cell 2016. 165(3):566-576

(2) Gregor Hirschfeld et al.: Progeroid-Syndrome. Klinik und Molekularbiologie der vorzeitigen Alterung.
Dtsch. Aerztebl. 2007. 104(6): A-346 / B-305 / C-292.
http://www.aerzteblatt.de/archiv/54392

(3) Pädiatrie in Bildern: Neonatales progeroides Syndrom.
http://www.paediatrie-in-bildern.de/modules.php?op=modload&n…

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Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
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