Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

Bariatrische Chirurgie im Vergleich zu medikamentöser Therapie bei übergewichtigen Typ-2-Diabetespatienten


Am 26. März 2012 erschienen im New England Journal of Medicine zwei Studien online, die randomisiert durchgeführt wurden und die nach 1 bzw. 2 Jahren zeigten, dass verschiedene bariatrischen Verfahren eine viel bessere Glukosekontrolle, insbesondere Diabetesremissionsrate und – erwartungsgemäß – eine viel größere Gewichtsabnahme bewirkten als die rein medikamentöse Diabetesbehandlung. Die Glukoseverbesserung setzte viel früher ein als durch den Gewichtsverlauf erklärbar gewesen wäre. Es erfolgt offenbar ein pathophysiologisch wichtiger Eingriff in das Inkretinsystem.

Mingrone et al. (1) verglichen an 60 Patienten die konventionelle medikamentöse Diabetesbehandlung mit einer Magenbypass-Operation oder einer Biliopankreatischen Diversion (welche eine viel stärkere Malabsorption bewirkt). Der Ausgangs-BMI der Diabetespatienten musste über 35 kg/m² betragen haben. Die Nachkontrolle erfolgte nach 2 Jahren. Schauer et al. (2) berichten über die Ein-Jahresresultate an 150 Patienten nach rein medikamentöser Diabetestherapie im Vergleich zu einem zusätzlichen Roux-Y-Magenbypass oder Schlauchmagen. Hier wurden Diabetespatienten mit einem BMI zwischen 27 und maximal 43 kg/m² eingeschlossen.

Die Ergebnisse der operativen Verfahren waren, wie vorherzusehen war, eindeutig, zum Teil dramatisch besser als die rein medikamentöse Therapie. Wie die amerikanische Endocrine Society in ihrem Kommentar vom 29. März 2012 (3) betont, wurden in den Studien allerdings die kurz- und langfristigen Risiken der chirurgischen Verfahren sowie der Ernährungs- und Stoffwechselkomplikationen nur ungenügend angesprochen. Betont werden muss auch, dass die Operationen an entsprechend erfahrenen Zentren mit spezialisiertem Personal durchgeführt wurden.

Beim Typ-2-Diabetes nimmt die Betazellfunktion über die Jahre immer weiter ab. Man wird daher die Langzeit-Resultate der bariatrischen Chirurgie abwarten müssen, um ein abschließendes Bild gewinnen zu können. Wichtig ist hier die Dauer der wahrscheinlich nur temporären Diabetesremission. Es ist zu hoffen, dass es zu einer Verminderung der Diabetes-Folgeerkrankungen und einer Senkung der Mortalität kommen wird.

Literatur:
1. G. Mingrone et al., New Engl J Med, 26.März 2012 online (10.1056/NEJMoa1200111)
2. P.R.Schauer et al., New Engl J Med, 26. März 2012 online (10.1056/NEJMoa1200225)
3. The Endocrine Society, Stefanie Kutler: Evaluating the Benefits of Treating Type-2-Diabetes with Bariatric Surgery. www.endo-society.org;

Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
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