Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

Hinter die Kulissen geblickt: „Edler Wettstreit“ um die PCSK9-Hemmer


Bochum, 10.1.2017:

Im DGE-Blog wurde schon vielfach über die PCSK9-Hemmer, neue Medikamente zur Cholesterinsenkung berichtet, so am 16.10.2015 mit einer anschaulichen Vergleichstabelle der Substanzen und laufenden Studien (1). Zwei der Monoklonalen ANtikörper, Evolocumab (Repatha®, Amgen) und Alirocumab, (Praluent®, Regeneron/Sanofi) sind bereits von der Europäischen (EMA) und Amerikanischen (FDA) Arzneibehörde zugelassen und auf dem Markt. Die Weiterentwicklung des weit in Phase III vorangeschrittenen dritten PCSK9-Hemmers  Bococizumab (Pfizer) wurde hingegen wegen seiner im Vergleich zu den bereits verfügbaren Substanzen unbefriedigender Wirkung und Nebenwirkungen erst kürzlich eingestellt. Gemäss Reuters Health Information (2) wurde nun vor wenigen Tagen, am  3. Januar 2017 von einem übergeordneten Gerichtshof in den USA ein Urteil gefällt, welches eine vorangegangene gerichtliche Entscheidung von März 2016 bestätigte. Regeneron/Sanofi waren der Verletzung eines Patentes von Amgen für schuldig befunden worden. Regeneron/Sanofi hatten dagegen Einspruch erhoben, dem jetzt nicht stattgegeben wurde. Die Firmenkooperation beantragte sofort ein neues Verfahren, welches jedoch nicht genehmigt wurde.

Kommentar

Die PCSK9-Hemmer stellen eine zur LDL-Cholesterinsenkung äussert wirksame Substanzgruppe dar. Die Outcome-Studien sind zwar noch nicht abgeschlossen, man erwartet jedoch ein hoch positives Resultat für die Effektivität – und auch günstige Ergebnisse zur  Sicherheit. Der derzeitig sehr hohe Preis steht einer breiten Anwendung allerdings entgegen. Dennoch versprechen sich die Firmen, damit einen „Blockbuster“ zu bekommen, also ein  Medikament mit einem Jahresumsatz von  >1 Milliarde US Dollar. Unter den 10 umsatzstärksten Blockbuster-Produkten fand sich an 6. Stelle einer weltweiten Statistik von 2012  der Cholesterinsenker Rosuvastatin (Crestor®) von AstraZeneca mit 6,8 Milliarden Dollar. Das Urteil vom 3. Januar 2017 liess die Aktien von Regeneron sofort um 2,6% fallen und die von Amgen um 1,6% steigen (2).

Ausser Antikörpern zur  PCSK9-Hemmung werden für dessen Inhibierung  weitere Wirkprinzipien entwickelt. Im 1. Heft des NEJM vom 5. Januar 2017 erschien vor wenigen Tagen die Publikation einer Phase I –Studie mit Inclisiran (3),  einem Oligonukleotid-Therapeutikum, das sogar nur alle halben Jahre zu injizieren sein könnte (4).

Helmut Schatz

Literatur

(1) Ulrike Schatz: Neues zu PCSK9-Hemmern und zu Glukagon – Präsentationen auf dem 51. Europäischen Diabeteskongress 2015 in Stockholm.
DGE-Blogbeitrag vom 16. Oktober 2015

(2) Reuters Health Information: Brendan Pierson: Sanofi, Regenon lose bid to overturn Amgen win in patent case.
http://www.medscape.com/viewarticle/873979_print

(3) K.Fitzgerald et al.: A highly durable RNAi therapeutic inhibitor of PCSK9.
New Eng. J. Med. January 2017. 376:41-51

(4) A. Khvorova: Oligonucleotide therapeutics – a new class of cholesterol-lowering drugs (Perspective).
New Engl. J. Med. January 2017. 376: 4-7

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Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
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