Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

Eiweißarme Kost bei Menschen von 50-65 Jahren mit verminderter Krebs- und Gesamtmortalität assoziiert, nicht aber bei Älteren. Berthold-Preisvorlesung und -Medaille 2014 für Prof. Andreas Pfeiffer, Berlin


Bochum, 23. März 2014:

Levine et al. (1) kombinierten die Daten von 6381 amerikanischen Männern und Frauen ab dem 50. Lebensjahr aus der repräsentativen US-Querschnittsuntersuchung zur Ernährung NHANES III mit Studienergebnissen an Mäusen und Zellsystemen, um den Ernährungseinfluss auf Altern, Erkrankungen und Mortalität sowie dessen mögliche Ursachen zu studieren. Die Mortalitätsangaben wurde durch Kombination der NHANES III-Daten mit denen aus dem National Death Index bis 2006 ermittelt.

Levine et al. (1) fanden, dass bei 50 bis 65-Jährigen mit hoher Proteinaufnahme die Gesamtmortalität um 75% gesteigert war, die an Krebs um das vierfache. Diese Assoziationen waren abgeschwächt oder nicht vorhanden, wenn diese pflanzliche Eiweißprodukte verzehrt hatten. Umgekehrt war bei über 65-Jährigen eine eiweißreiche Kost mit einer verminderten Gesamt- und die Krebsmortalität assoziiert. Diesbezüglich bestand also eine Umkehr bei 65 Lebensjahren.

Mäusestudien hatten schon früher Effekte der Ernährung auf die Lebensdauer und auch einen Mechanismus über Wachstumshormon, den Wachstumshormonrezeptor und IGF-I aufgezeigt (2). In der jetzigen Arbeit wurden bei den 50-65-Jährigen unter eiweißarmer Kost signifikant niedrigere IGF-I-Spiegel als unter proteinreicher Kost gemessen, während ab dem 66. Jahr kein Einfluss auf IGF-I-Serumspiegel gefunden wurde.

Kommentar

Die Studie zeigt schön die Wechselwirkungen der Ernährung mit dem Hormonsystem. Diese waren am 21. März 2014 beim 57. Symposium der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie in Dresden die Thematik der Berthold-Vorlesung von Prof. Andreas Pfeiffer, Berlin (Abb.). Die Berthold-Vorlesung mit Verleihung der Berthold-Medaille ist die höchste Auszeichnung der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie für das Lebenswerk eines Klinikers und Forschers. Der Referent gratuliert dem Berthold-Preisträger 2014 herzlich zur verdienten Ehrung.

Aus den hier besprochenen Untersuchungen könnte man die Schlussfolgerung ziehen:
Ernähre dich bis zum 65. Lebensjahr eiweißarm, möglichst mit pflanzlichem Protein, nach dem 65. Geburtstag aber solltest Du eiweißreich essen. Dann kannst Du wohl ein hohes Lebensalter erreichen.
Die Daten sind allerdings, wie Andreas Pfeiffer ausführte, mit Skepsis zu betrachten. Große andere Studien wie die Nurses Health Study hätten die Sicherheit eiweißreicher Kost gezeigt (3) und diese Studie, ebenso wie die EPIC Studie mit 530.000 Teilnehmern in Europa sollten die Beobachtung erst bestätigen, ehe irgendwelche Empfehlungen ausgesprochen werden. Pflanzliches Protein bleibt aber nach Pfeiffer sicher eine gute Wahl, auch aus ökologischer Sicht – also: mehr Erbsen, Bohnen und Linsen essen!

Helmut Schatz

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berthold-preis-pfeiffer

Abb.: Prof. Andreas Pfeiffer (links) mit dem Tagungspräsidenten Prof. Stefan Bornstein bei der Verleihung der Berthold-Medaille in Dresden am 19. März 2014

Literatur

(1) M.E. Levine et al.: Low protein intake is associated with major reduction in IGF-1, cancer, and overall mortality in the 65 and younger but not in older population
Cell Metabolism 2014. 19:407-417 (4. März 2014)

(2) L. Fontana et al.: Extending healthy lifespan – from yeast to humans.
Science 2010. 328: 321-326

(3) T.L. Halton et al.: Low-carbohydrate-diet score and the risk of coronary heart disease in women.
N. Engl. J. Med. 2006. 355:1991-2002

Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
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2 Antworten auf Eiweißarme Kost bei Menschen von 50-65 Jahren mit verminderter Krebs- und Gesamtmortalität assoziiert, nicht aber bei Älteren. Berthold-Preisvorlesung und -Medaille 2014 für Prof. Andreas Pfeiffer, Berlin

  1. Austriacus sagt:

    Nach dem 2. Weltkrieg gab es in Österreich also „healthy food“: 1.) Kalorisch sehr wenig, und 2.) dann meist Hülsenfrüchte. Als Resultat mag man bei uns bereits die longevity erkennen…
    Als Parodie auf den Text der Bundeshymne nach Paula von Preradovic „Land der Berge, Land am Strome, Land der Äcker, Land der Dome….“ sangen wir als Schüler „Land der Erbsen, Land der Bohnen, Land der viergeteilten Zonen….“.

  2. isabelsunshine sagt:

    Ja schöööön… tolle neue NEWS uns soooo tolle Märchen, an die man glauben kann ….oder vielleicht doch nicht??? Ist ja fast wie mit Religion! AHA! Tierisches Eiweiß erst ab 65 ….oder vielleicht doch nicht? Hat man denn die Studienteilnehmer eigentlich viele Jahre vorher schon genau untersucht?? Vielleicht gibt es ja auch so etwas wie Veranlagungen? Vor- Krankheiten?
    Hat man die Menschen tatsächlich bei dieser Studie VIELE JAHRE LANG bis 65 eiweißarm gefüttert?Und dann ? Sind die gestorben? Und wenn zufällig nicht -bekamen sie plötzlich Fleisch und Eier und wurden fröhliche Hundert??? Und wie soll dann feststehen, dass AB 65 eiweißreiches Essen plötzlich alle gesund gemacht hat bis zudiesem fröhlichen Hunderter? Oder untersucht man dann ganz andere Leute, die vorher soweiso NUR pflanzliches Eiweiß aßen und aus Studiengründen zu Fleischessern werden MUSSTEN? Oh und vielleicht waren doch auch welche dabei, die immer schon tierisch aßen…. wurde das denn glaubhaft ÜBERPRÜFT???Also wirklich…
    Wie soll denn DAS bewiesen werden?Ehrlich, diese Studien sind zum Teil ein unsägliches Gedöns.Hauptsache die Subventionen fließen….

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