Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

Häufigkeit von Ejakulationen mit verringertem Risiko für Prostatakrebs assoziiert


Bochum, 16. April 2016:

Auf dem Amerikanischen Urologenkongress 2015 wurden die Resultate einer neuerlichen Auswertung der Health Professional Follow-Up Study (1) zehn Jahre nach der ersten Publikation darüber im JAMA 2004 (2)  präsentiert. Diese Resultate werden seither lebhaft diskutiert (3).

Man fand eine inverse Assoziation der Ejakulationsfrequenz mit dem Alter und eine positive mit dem Body Mass Index, der körperlichen Aktivität, einer Scheidung, anamnestischen Geschlechtskrankheiten, dem Kalorien- und dem Alkoholkonsum. Nach Ausschluss möglicher Mitursachen ergab sich eine signifikante Assoziation der Anzahl monatlicher Ejakulationen mit einem verminderten Prostatakarzinom-Risiko.

Im Jahre 1992 wurden ~32.000 Männer der Health Professionals Follow-up Study nach der Anzahl ihrer monatlichen Ejakulationen im Alter von 20-29 und 40-49 Jahren sowie im vorangegangenen Jahr 1991 befragt. In den nachfolgenden 437.000 Personenjahren wurde bei ~ 3.800 Männern ein Prostatakarzinom diagnostiziert,  384 davon mit tödlichem Ausgang.

Bei Vergleich der Männer mit mindestens 21 zu denen mit nur 4-7 Ejakulationen pro Monat errechnete sich eine Hazard Ratio für das Prostatakarzinom von 0.81 im Alter von 20-29 Jahren und von 0.66 für die gesamte Lebensspanne. Auch für die Alterstufen dazwischen waren die negativen Assoziationen signifikant. Diese ergaben sich insbesondere durch organbezogene und niedrig-maligne Grade von Prostatakarzinomen. Kein Zusammenhang bestand mit einer erektilen Dysfunktion, Vasektomie oder dem Prostata-Screening.

Kommentar

Die erste Untersuchung sollte zwei gegensätzliche Hypothesen überprüfen:  1.) Sexuell aktivere Männer weisen eine höhere androgene Aktivität auf und stellen deshalb eine Hochrisikopopulation für ein Prostatakarzinom dar. 2.) Die verminderte Ejakulationsfrequenz sonst gesunder Männer ist ein ätiologischer Risikofaktor, da möglicherweise kanzerogene Sekrete in den Acini der Prostata zurückgehalten werden. Die Schlussfolgerung der ersten Studienauswertung war, dass die Ejakulationsfrequenz nicht mit einem erhöhten Risiko für das Prostatakarzinom verbunden war  (1).  Die jetzige Auswertung der Daten 10 Jahre später zeigte eine negative Assoziation zwischen der Zahl von Ejakulationen und dem Risiko für ein Prostatakarzinom.

Der Befund wurde unterschiedlich kommentiert. So meinte die Erstautorin der Nachfolgestudie, Frau Jennifer Rider,  Krebsepidemiologin aus Boston, dass Ejakulationen eine günstige Rolle zur Prävention von Prostatakrebs hätten, während Janet Stanford vom Krebsforschungszentrum in Seattle darauf hinwies, dass Assoziationen keine Kausalität bedeuteten (4). Männer mit hoher Ejakulationsfrequenz könnten sich in vielerlei Hinsicht auch gesundheitsbezogen anders verhalten. Laienzeitungen und auch die (Para-)Medizinische Presse titeln dennoch flott wie etwa: „Bestverfügbare Evidenz: Ejakulieren vermindert das Prostatakarzinom-Risiko“ (4).

Helmut Schatz

Literatur

(1) Michael F. Leitzmann et al.: Ejaculation frequency and subsequent risk of prostate cancer.
JAMA 2004. 291(13):1578-1586

(2) Jennifer Rider et al.: PD6-07: Ejaculation frequency and risk of prostate cancer: updated results from the Health Professionals Follow-up Study.
J. Urol. April 2015. Vol. 193, Issue 4, Supplement, P e148

(3) Jody A. Charnow: Prostate cancer risk lower in men who ejaculate more.
Renal & Urology News, March 30, 2016.
http://www.renalandurologynews.com/prostate-cancer/prostate-cancer-risk-lower-in-men-who-ejaculate-more/article/486240/

(4) Nick Mulcahy: Study: Ejaculate more, have less prostate cancer risk. Are frequent ejaculators bacchanalian?
http://www.medscape.com/viewarticle/861284


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Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
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