Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

Zu geringe ärztliche Information eine häufige Ursache für nicht korrekte Glukokortikoid-Einnahme von Patienten mit Nebennierenrinden-Insuffizienz


Bochum, 11. Juli 2016:

Chapman et a. (1) untersuchten 81 Patienten mit Nebennierenrindeninsuffizienz (AI) aus 5 Ländern Europas über ihre Medikamenteneinnahme. 85% berichteten über ungenügende Compliance der Glukokortikoid-Einnahme unterschiedlichen Ausmasses und verschiedener Ursache.

Die online-Befragung umfasste folgende Parameter: Medication Adherence Report Scale (MARS), Beliefs about Medicines Questionnaire (BMQ , spezifisch adaptiert für die AI) und Satisfaction with Information about Medicines Scale (SIMS). Am häufigsten (37%) wurde über unregelmässige Zeiten der Medikamenteneinnahme im Tagesverlauf berichtet. Einige Patienten bezweifelten die Notwendigkeit, täglich Glukokortikoide einnehmen zu müssen, die meisten berichteten über Bedenken und Vorbehalte wegen Gewichtszunahme (50%) und Osteoporose (53%) sowie das ständige Risiko einer Nebennierenrinden-Krise (50%). Viele Patienten waren mit den Informationen unzufrieden, insbesondere über nicht ausreichende Aufklärung über mögliche Probleme bei der Therapie. Diese Patienten berichteten auch besonders häufig über fehlende Therapietreue/Compliance (p<0.05%).

Kommentar

Im Kommentar zum DGE-Blogbeitrag vom 16. August 2015 (2) wurde auf die Wichtigkeit der eingehenden und bei weiteren Arztbesuchen stets zu wiederholenden Aufklärung der Patienten mit Nebennierenrindeninsuffizienz hingewiesen, dies nach einem Bericht aus Australien, in welchem eine Zunahme der Zahl von AI-Krisen mit den heute geringeren Hydrokortisondosen beobachtet wurde (3). Die Firma Viropharma, welche das Zweiphasen-Hydrokortisonpräparat Plenadren® zur nur 1x täglichen Einnahme vertreibt und bewirbt, hat diese sehr sorgfältige Untersuchung finanziell unterstützt. Gewiss wird die nur 1x tägliche Einnahme die Compliance verbessern. Darauf, dass man dann auch noch ein in der Wirkung rasch einsetzendes Hydrokortisonpräparat für Notfallsituationen mit sich führen sollte, wurde schon in einem früheren DGE-Blogbeitrag hingewiesen (4).

Helmut Schatz

Literatur

(1) Chapman SCE et al.: Glucocorticoid therapy for adrenal insufficiency: Nonadherence, concerns and dissatisfaction with information.
Clin Endocrinol 2016. 84(5):664-672

(2) Schatz H: Mehr Nebennieren-Krisen unter der heute niedriger dosierten Substitutionstherapie?
DGE-Blogbeitrag vom 16. August 2015

(3) Rushworth RL, Torpy DJ: Modern hydrocortisone replacement regimens in adrenal insufficiency patients and the risk of adrenal crisis.
Horm. Metab. Res. 2015. 47:637-642

(4) Schatz H: Hydrocortison-Präparat mit zweiphasischer Hormonfreisetzung nur 1x täglich bei Nebennierenschwäche.
DGE-Blogbeitrag vom 29. Oktober 2012

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Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
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