Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

Hydrocortison-Präparat mit zweiphasischer Hormonfreisetzung nur 1x täglich zur Substitution bei Nebennierenschwäche


Ab Oktober 2012 ist in Deutschland Plenadren® der Firma ViroPharma Inc. erhältlich. Die verfügbaren Tabletten mit 20 oder 5 mg setzen bei 1x morgendlicher Gabe Hydrocortison in zwei Phasen frei, so dass die Tagesspiegel sogar besser an die physiologische Tagesrhythmik angeglichen seien als bei dreimal täglicher Gabe (Abbildung). Aus der äußeren Überzugsschicht wird rasch verfügbares Hydrocortison freigesetzt, so dass die morgens nötigen hohen Cortisolspiegel erreicht werden. Das im Kern der Tablette enthaltene retardierte Hormon stellt die niedriger werdenden Spiegel am Nachmittag und Abend sicher, mit einem freien Nachtintervall. Die Vergleichsstudien dieses 1x täglich verabreichten Zwei-Phasen-Präparates mit dreimal täglich gegebenem Hydrocortison wurden von Johannsson und Mitarbeitern im JCEM publiziert (1), dem auch die Abbildung entnommen ist. Körpergewicht und Blutdruck waren geringer, der Glukosemetabolismus, beurteilt am HbA1c war insbesondere bei Diabetespatienten günstiger.

Kommentar:

Für die Patienten-Compliance ist zur Therapie einer kompletten Nebenniereninsuffizienz eine nur 1x morgens zu schluckende Tablette sicher vorteilhafter als dreimal täglich einzunehmende Hydrocortisontabletten, wie es früher in den Dosierungen 15-10-5 mg Standard war. Heute freilich wird, da meist ausreichend, Hydrocortison nur 2x täglich in der Verteilung morgens etwa 15 und nachmittags 5 mg, manchmal auch etwas mehr verordnet. Man wird sehen müssen, wie sich Patienten unter Plenadren® bei akutem Stress wie etwa nach Unfällen, aber auch bei länger erhöhtem Cortisolbedarf wie Infekten oder schweren Operationen am besten verhalten sollen. Ist in akuten Situationen eine intravenöse Hydrocortisonzufuhr nicht sofort möglich, so wäre wohl zusätzlich zum Zweiphasenpräparat eine Notfallmedikation mit rasch verfügbaren Hydrocortison-Tabletten sinnvoll. Bleibt neben der Akzeptanz durch oft lange Jahre an ihr bisheriges Einnahmeschema gewöhnten Patienten und die Ärzteschaft die damit verbundene Frage nach dem Preis des neuen Präparates und die der Kostenübernahme durch die Krankenkassen. Dies wird die Zukunft zeigen müssen.

Literatur:

(1) G. Johannsson et al.: Improved cortisol exposure-time profile and outcome in patients with adrenal insufficiency: A prospective randomized trial of a novel hydrocortisone dual-release formulation.
J. Clin. Endocrinol. Metab. 2012. 97:473-481


Abb. 1

Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
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