Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

Verringerung von Insulinresistenz und Lebersteatose durch Atglistatin, einen Hemmer der Fettgewebslipolyse


Bochum, 24. April 2017:

Am 22. März 2017 erschien in Nature Communications online (1) ein Bericht von Forschern der Universität Graz und der Technischen Universität Graz über den Einsatz eines Moleküls (Atglistatin genannt) im Tierexperiment. Es senkte die zirkulierenden freien Fettsäuren durch Hemmung der Fettgewebslipolyse. Blockade der Adipose Triglyceride Lipase (Atgl) reduzierte Gewichtszunahme, Insulinresistenz und NAFDL (non-alcoholoc fatty liver disease) bei fettreich ernährten Mäusen.

Wie die Forscher betonen, sollte bei längerem Einsatz Atglistatin aber nur gezielt dosiert eingesetzt werden, damit es – bei gleich günstiger Wirkung auf Insulinresistenz und NAFDL – zu keiner ektopen Fetteinlagerung in das Herz kommt, zu keiner kardialen Steatose mit einer letalen Kardiomyopathie, wie man sie bei genetischem Atgl-Mangel sieht.

Bei der Lipolyse, der enzymatischen Aufspaltung von Triglyceriden in freie Fettsäuren und Glycerol wirken drei spezielle Hydrolasen zusammen: die Adipose Triglyceride Lipase (Atgl, offiziell Pnpla2), eine hormonsensitive Lipase (Hsl) und eine Monoglycerid-Lipase. Unerwarteterweise führt beim Menschen und auch bei Mäusen das Fehlen von Atgl, Hsl, oder Monoglycerid-Lipase zu keiner oder nur zu einer mässigen Adipositas. Somit bleibt unklar, ob bzw. welche Rolle der Stoffwechsel des weissen Fettgewebes bei der Fettsucht spielt.

Kommentar

Es ist wichtig, dass über die Grundlagen von Übergewicht, Insulinresistenz und Typ-2-Diabetes intensiv geforscht wird. Ärzte und Kliniker werden auf den Fachkongressen und in den Ärzte-Journalen zumeist über neue Medikamente informiert, bzw. wie man der „Pest des 21. Jahrhunderts“ begegnen kann: So wird im Lancet vom 8. bis 14. April 2017 über die Dreijahresergebnisse mit Liraglutid bei Menschen mit Prädiabetes berichtet (2). Im dazugehörigen Editorial wird dann die Frage gestellt: „Treating prediabetes in the obese: are GLP-1 analogues the answer?“ Die Autoren des Editorials betonen, dass schon seit vielen Jahren in die gleiche Richtung gehende Studien mit ähnlichem Resultat durchgeführt wurden, etwa Lebensstilmodifikationen und Metformin in den Diabetespräventionsstudien in den USA und in Finnland. Sie schreiben: „Although liraglutide was effective…..this might not bet he most cost-effective pathway” (3).

Dieser kleine Exkurs in die klinische Medizin über das eigentliche Thema des Blogbeitrags hinaus möge dem Referenten nachgesehen werden. Er deutet an, dass die Grazer Ergebnisse zwar Nature-würdig sein mögen, der Kliniker aber vor neuen, gesundheitsökonomischen Herausforderungen stehen könnte.

Helmut Schatz

Literatur

(1) M. Schweiger et al.: Pharmacologic inhibition of adipose triglyceride lipase corrects high-fat diet-induced insulin resistance and hepatosteatosis in mice.
Nature Communications published online 22 March 2017. DOI: 10.1038/ncomms14858

(2) C.W. leRoux et al.: 3 years of liraglutide versus placebo for type 2 diabetes risk reduction and weight management in individuals with prediabetes: a randomized, double-blind trial.
Lancet April 8-14, 2017. Vol. 389: 1399-1409

(3) O.M. Farr, C.S. Mantzoror: Treating prediabetes in the obese: are GLP-1 analogues the answer?
Lancet April 8-14, 2017. Vol. 389:1371-1372

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Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
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