Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

Neues vom 75. Kongress der Amerikanischen Diabetes-Assoziation (ADA), Boston, Juni 2015


Bochum, 10. Juni 2015:

Auf dem 75. Jubiläumskongress der Amerikanischen Diabetesgesellschaft wurde eine Fülle  neuer Resultate vorgestellt, von denen einige angesprochen werden sollen, welche für  Therapieentscheidungen wichtig sind:

Vorgestern wurden die Resultate der TECOS-Studie mit Sitagliptin (Januvia) präsentiert (1), worüber schon vorab berichtet wurde, siehe Kommentar zum DGE-Blog vom 25.4.2015 (2): Bei etwa 14.500 Typ-2-Diabetespatienten, rekrutiert seit 2008, bestand zwischen Sitaglitptin und Placebo, zusätzlich zur bisherigen Therapie gegeben, kein Unterschied im kardiovaskulären Outcome und auch nicht in der Hospitalisationsrate wegen Herzinsuffizienz. Diese war bei Saxagliptin (Onglyza) erhöht gefunden worden, während sich bei Alogliptin (Nesina) in einer Analyse der  EXAMINE-Studie nur ein Trend abgezeichnet hatte. Numerisch wurde unter Sitagliptin eine etwa doppelt so hohe Zahl  bestätigter akuter Pankreatitiden beobachtet (23 Fälle gegenüber 12 im Plazebo-Arm). Der Unterschied war jedoch nicht signifikant. Pankreaskrebs wurde nur sehr selten registriert, im Verum-Arm numerisch seltener als unter Plazebo.

Eine Auswertung der SAVOR-TIMI53-Studie mit Saxagliptin ergab während 2 Jahren insgesamt keinen Unterschied in der Krebsrate zwischen der Verum- und Plazebo-Gruppe (3).

In der ELIXA-Studie wurden 6000 kardiale Hochrisiko-Diabetespatienten über 2 Jahre verfolgt. Es zeigte sich kein kardiovaskulärer Nutzen dieses GLP-1-Analogs, was mancher erhofft haben mag, umgekehrt aber auch kein Schaden. In der anschließenden Diskussion antwortete Dr. Inzucchi auf eine Frage zum Preis: „You can purchase 10 years of a generic sulphonylurea with 1 month of a top dose GLP-1-agonist. The real question is:  Is the extreme cost of these new compounds worth it?” (4).

Über Sulfonylharnstoffe wurde eine neue Metaanalyse von 47 randomisierten, Plazebo-kontrollierten Studien über mindestens 1 Jahr an 37.650 Patienten präsentiert (5). Diese ergab, dass die Gesamt- und die kardiovaskuläre Mortalität, Schlaganfälle und Myokardinfarkte unter Sulfonylharnstoffen nicht erhöht waren. In der Diskussion wies Stefan Jacob aus Deutschland auf die mit Thomas Forst vor 2 Jahren publizierte Metaanalyse hin, in der ein gesteigertes kardiovaskuläres Risiko unter Sulfonyharnstoffen gefunden wurde.  Diese Autoren hatten aber nicht plazebokontrollierte, randomisierte Studien  analysiert, sondern 19 Kohorten- und Observationsstudien. Die Frage einer vielfach postulierten „kardiotoxischen“ Wirkung von Sulfonylharnstoffen muß also weiterhin offen bleiben.

Helmut Schatz

Literatur

(1) Michael O´Riordan: TECOS: No CVD risks or heart failure with sitagliptuin in high-risk diabetic patients.
http://www.medscape.com/viewarticle/846075_print

(2) Helmut Schatz: Kommentar zum DGE-Blog vom 25. April 2015: FDA-Advisory Board: Warnhinweis für Herzinsuffizienz unter Saxagliptin und Alogliptin

(3) Marlene Busko: No signal with saxagliptin at 2 years in SAVOR-TIMI53.
http://www.medscape.com/viewarticle/846042_print

(4) Lisa Nainggolan: No CV benefit with lixisenatide in ELIXA, but results reassure.
http://www.medscape.com/viewarticle/846074_print

(5) Michael O´Riordan: No mortality risk with sulfonylureas, meta-analysis shows.
http://www.medscape.com/viewarticle/846041_print

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Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
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Eine Antwort auf Neues vom 75. Kongress der Amerikanischen Diabetes-Assoziation (ADA), Boston, Juni 2015

  1. Franz sagt:

    Zur TECOS-Studie soll noch erwähnt werden, dass unter Sitagliptin mehr akute Pankreatitiden gesehen wurden (23 vs. 12 unter Plazebo, p=0.07). Aus dem Supplement zur Publikation geht hervor, daß numerisch auch etwas häufiger Retinopathien ( 2.8% vs. 2.2%) und Neuropathien (4.1% vs. 3.8%) unter Sitagliptin im Vergleich zu Plazebo auftraten.

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