Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

Künstlicher Süßstoff verschlechtert den Zuckerstoffwechsel


Europäischer Diabeteskongress, Lissabon, 11.-15. September 2017, Teil III

Bochum, 25. September 2017:

Die künstlichen Süßstoffe Sucralose + Acesulfam K verschlechterten bei jungen gesunden Kontrollpersonen den Glukosestoffwechsel (1). Die 27 Personen nahmen doppelblind über zwei Wochen 3x täglich vor den Mahlzeiten entweder 1 Kapsel Plazebo oder Sucralose + Acesulfam K (entsprechend 1.5 Liter von „Diät-Getränken“ wie etwa Cola Zero oder Pepsi light) zu sich. Nach der 14 tägigen Periode wurde im Nüchternzustand endoskopisch Glukose in den Zwölfingerdarm infundiert und im Plasma während 120 min fortlaufend Glukose sowie die Hormone Insulin, GLP-1, GLP-2 und GIP gemessen. Der Blutzucker wurde durch die künstlichen Süßstoffe signifikant um 27% gesteigert (vgl. Abbildung vom Poster (Lit. 1), textlich modifiziert vom Referenten). Das Darmhormon GLP-1 wurde signifikant verringert. GLP-2, GIP und Insulin zeigten insgesamt keinen Unterschied zwischen den beiden Gruppen.

Die Autoren diskutieren, dass künstliche Süßstoffe die Glukoseexposition der mehr distal gelegenen L-Zellen vermindern und damit den GLP-1-Ausstoß verringern könnten. Bei Genuß nicht-kalorischer, künstliche gesüßter Getränke könnte durch die dann überhöhten Blutzuckerspitzen nach den Mahlzeiten ein Typ-II-Diabetes begünstigt werden.

Kommentar

Auf Grund von prospektiven epidemiologischen und anderen Studien war schon seit längerem vermutet worden, dass künstlich gesüßte Getränke das Entstehen eines Typ-2-Diabetes begünstigen. Bisher war der Mechanismus unklar und es wurden viele Spekulationen angestellt, unter anderem auch auf Grund tierexperimenteller Daten über einen intestinalen „Süßstoff-Rezeptor“. Die in Lissabon präsentierte Arbeit der australischen Autorengruppe zeigt erstmals beim Menschen einen Mechanismus auf, wie künstliche Süßstoffe den Glukosestoffwechsel ungünstig beeinflussen können.

Facit: Trinken Sie lieber Wasser (am besten Leitungswasser, wenn in Ihrer Region geschmacklich akzeptabel, im Kühlschrank immer eine Flasche bereithalten) oder auch ungesüßten Tee. Meiden Sie alle diese „Diät-Getränke“. Das ist gesünder – und billiger!

Helmut Schatz

Literatur

(1) R.L. Young et al.: Impact of artificial sweeteners on glycemic control in healthy humans.
EASD-Kongress Lissabon 2017, Abstract 193

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Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
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