Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

Zwei Medikamente zur Behandlung der Adipositas in der Europäischen Union (EU) neu zugelassen


Bochum, 29. März 2015:

Im März 2015 wurden in der EU das GLP-1-Analog Liraglutid 3 mg (Saxenda®, Novo Nordisk) (1,2) und das Kombinationspräparat Naltrexon/Bupropion (Mysimba®, Orexin Therapeutics) (2) zur Behandlung der Adipositas zugelassen. Die Indikation für Mysimba® lautet: „ Zusätzlich zu kalorienreduzierter Kost und gesteigerter körperlicher Aktivität bei Erwachsenen > 18 Jahre mit einem Body Mass Index (BMI, kg/m2) >30, oder 27 bis 30 mit einer oder mehreren Komorbiditäten wie Typ-2-Diabetes, Dyslipidämie oder kontrolliertem Bluthochdruck“.

Damit sind in der EU jetzt 3 Obesitas-Medikamente verfügbar, neben Orlistat (Xenical®) die beiden neuen Präparate Saxenda® und Mysimba®. Das Präparat Rimonabant (Accomplia®, Sanofi) war in Europa von 2006 – 2009 auf dem Markt, bis es wegen Nebenwirkungen zurückgezogen wurde. Die FDA hatte es 2007 nicht approbiert. Die EMA wiederum lehnte Lorcaserin (Belviq™) und Phenteramin/Topiramat (Qsymia™) ab, im Gegensatz zur FDA (3). Die FDA hatte Liraglutid 3 mg (Saxenda®) bereits Ende des letzten Jahres approbiert, ebenso das Kombinationspräparat Naltrexon/Bupropion (in den USA Contrave™, jetzt in der EU als Mysimba®).

Wie im DGE-Blogbeitrag vom 7. Juni 2014 diskutiert (3), besteht grundsätzlich ein großer Bedarf an Obesitas-Medikamenten. Man wird abwarten müssen, wie sich Mysimbia® auf dem Markt hinsichtlich Langzeiteffektivität und -sicherheit verhalten wird. Auch beim GLP-1-Analog Liraglutid in der hohen Dosierung (Saxenda®) wird erst eine breitere Anwendung in der „real world“ zeigen, ob die Vorteile die Nachteile überwiegen. Bei der Vorstellung der Studien mit Liraglutid 3 mg auf dem EASD-Kongress in Wien 2014 wurde aus dem Auditorium kritisch angemerkt, dass in den Studien nach Absetzen der Injektionsbehandlung das Körpergewicht wieder zugenommen habe, es also wohl bei einer Dauertherapie bleiben müsse, mit einer zur Zeit noch unbekannten Nebenwirkungsrate über längere Zeiträume. Im Blogbeitrag vom 7. Juni 2014 (3) wurde auch die Meinung der britischen Ökotrophologin Margaret Ashwell zitiert, dass manche der (damals) von der FDA zugelassenen Obesitas-Medikamente „ do seem to have some major side effects. So I have a horrible feeling they will go the same way that so many other obesity drugs have gone”. Wollen wir hoffen, dass dies bei den zwei jetzt in der EU neu zugelassenen Substanzen nicht der Fall sein wird.

Helmut Schatz

Literatur

(1) Helmut Schatz: Update März 2015: Neue injizierbare und orale Antidiabetika.
Kommentar vom 24. März 2015 zum DGE-Blogbeitrag vom 3. März 2015

(2) Lisa Nainggolan: Naltrexone/Bupropion approved as Mysimba for obesity in EU.
http://www.medscape.com/viewarticle/842166_print

(3) Helmut Schatz: Neue Anti-Obesitas-Medikamente zur Zulassung eingereicht.
DGE-Blogbeitrag vom 7. Juni 2014

Bitte kommentieren Sie diesen Beitrag!

Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit verschlagwortet. Permalink.

4 Antworten auf Zwei Medikamente zur Behandlung der Adipositas in der Europäischen Union (EU) neu zugelassen

  1. Max sagt:

    Liraglutid mit 3 mg zum Gewichtabnehmen? Nach Aussagen während des Vortrags am EASD 2014 in Wien verschwindet der Gewichtseffekt nach Absetzen wieder, es sei denn, der Mensch sei inzwischen in seinem Eßverhalten „umerzogen“. Wie oft das der Fall sein mag? Jetzt kommt eine Publikation über unter geringer dosiertem Liraglutid bei Diabetespatienten numerisch mehr akute (8 vs.1) und chronische Pankreatitiden (4 vs. 0) als unter den antidiabetischen Vergleichssubstanzen. Wie das mit der Langzeitsiocherheit bei der hohen Dosis von 3 mg Liraglutid wohl aussehen mag?
    (T.M.Jensen et al., Diabetes Care. 2015. 38:1058-1066)

  2. Matthias sagt:

    Ich habe mit Liraglutid nun nach 3 Monaten ziemlich genau 10 Kilo abgenommen.
    Und ich bin der Meinung, dass sich der Körper nun während der langen Zeit bestmöglich umgewöhnt hat.

    FRESSEN macht doch immer dick. Ich habe mich in der Vergangenheit FETT gefressen, wie alle anderen Leidensgenossen auch.

    Ich habe mich jetzt kontinuierlich lange an weniger FRESSEN gewöhnt und hoffe, das beizubehalten.
    Zum ersten Mal im Leben, zum ersten Mal nach Diäten fühle ich mich stark genug dafür,
    weil ich Erfolge hatte und über Monate täglich fortgesetzt weniger essen musste…
    >>> Ich hatte noch nie eine Chance, Leidensgenossen werden das bestätigen.

    Nun bin ich seid 3 Wochen aus der Behandlung raus. Ich habe maximal 500g zugenommen, das Gewicht pendelt. Ich habe auch seid dem Absetzen auf keinen Fall weiter Gewicht verloren.
    ICH bin immer noch 10 Kilo leichter, ich bin langbeinig geworden, der Kopf und der Hals sind immer noch dünn. Ich empfehle jedem das Liraglutid als Ausweg aus der Fettleibigkeit.

    Ich sehe nach 3 Wochen nach der Behandlung immer noch gut aus.

    Matthias

  3. Helmut Schatz sagt:

    Bravo! Waren das 3mg Liraglutid, also Saxenda?

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.