Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

Wer 1 Stunde und länger Mittagsschlaf hält, verdoppelt möglicherweise sein Diabetesrisiko


München, 16. September 2016:

Auf dem 52. Europäischen Diabeteskongress (EASD) in München stellten japanische Autoren eine Metaanalyse von 21 Untersuchungen an insgesamt 300 000 Menschen aus Asien und westlichen Ländern vor (1). Ein Mittagsschlaf ab 1 Stunde Dauer war mit einem fast auf das Doppelte erhöhten Diabetesrisiko verbunden (RR 1.45 , 95% CI 1.25 – 1.69, p=0.03). Es ergab sich eine J-förmige Kurve für die Assoziation zwischen Schlafdauer und dem Risiko, einen Diabetes oder ein Metabolisches Syndrom zu bekommen. Die Kurve zeigte erst ab etwa 40 min einen Risikoanstieg, der nach 1 Stunde ausgeprägt war, für die erste halbe Stunde hingegen die Tendenz zur einer Absenkung des Risikos.

Die Autoren werteten die in elektronischen Datenbanken bis 2016 gefundenen publizierten 21 Artikel aus. Es wurden das „Strobe Statement“ (2) und die Newcastle-Ottawa-Skala zur Qualitätsbeurteilung von Observationsstudien berücksichtigt. Neben dem adjustierten relativen Risiko (RR) wurden auch restricted cubic spline – Modelle verwendet (siehe Abbildung).

Kommentar

Wer sich selbst einmal für ein kurzes „Nickerchen“ hingelegt hat, wie es auch bei uns vor der Einführung der durchgehenden Arbeitszeit durchaus nicht ungewöhnlich war, und dann – ungewollt- in den 90-minütigen Schlafrhythmus geraten war, der weiss, dass man danach kaum mehr so richtig „in die Gänge“ kommt. Wenn dies regelmäßig geschieht, kann man sich vorstellen, dass der dadurch geänderte Lifestyle metabolischen Auswirkungen haben kann. Also, nichts gegen eine bis zu 40 min dauernde Siesta, wenn man sich das leisten kann, aber nicht über 1 Stunde! Betont muss allerdings werden, dass die Metaanalyse eine Assoziation und naturgemäß keine Kausalität aufgezeigt hat.

Helmut Schatz

mittagsschlaf-diabetes

Abbildung (aus Lit.1)

Literatur

(1) Yamada Tomohide et al. : Daytime napping and the risk of metabolic diseases: dose-response metaanalysis.
52. EASD-Kongress München, Poster 816

(2) Gerd Antes, Erik von Elm: Strobe-Statement: Wie berichtet man eine Beobachtungsstudie?
Dtsch Arztebl 2008. 105(1-2): A-18/B-16,/C-16

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Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
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Eine Antwort auf Wer 1 Stunde und länger Mittagsschlaf hält, verdoppelt möglicherweise sein Diabetesrisiko

  1. Stefan S. sagt:

    Keine Regel ohne Ausnahme. Arbeite vormittags ein paar Stunden und wenn ich keinen Mittagsschlaf halte, verfalle ich im laufe des nachmittags in eine Art Dämmerzustand. Halte ich Mittagsschlaf – und zwar genau so lange, bis ich von alleine wachwerde (das kann auch schon einmal 3 Stunden sein) -, dann kann ich abends noch einmal 1 bis 2 Stunden im Haushalt schaffen oder allfällige Besorgungen und Erledigungen leisten.

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