Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

Niedriger Vitamin D-Spiegel Folge und nicht Ursache von Depressionen


Eine prospektive, randomisiert-kontrollierte Studie des Universitätskrankenhauses der Universität von Nord-Norwegen in Tromsö an 334 Personen ergab, dass bei niedrigem Vitamin D-Spiegel (25(OH)D3<55 nmol/L) die Depression-Scores signifikant höher waren als bei Personen mit hohen Vitamin D-Werten (>70 nmol/L). Eine hochdosierte Vitamin D-Supplementierung mit wöchentlich 40 000 IU Vitamin D3 für 6 Monate zeigte jedoch im Vergleich mit Plazebo keine signifikante Verbesserung.

Marie Kjaergaard, die Erstautorin der Arbeit (1) gibt die „take-home message“, dass man Depressionen nicht mit Vitamin D behandeln solle. Diese Patientenpopulation weise jedoch offenbar ein besonderes Risiko für einen Vitamin D-Mangel auf. Sie betont, dass diese Untersuchung die erste randomisiert-kontrollierte Studie in einer Allgemeinbevölkerung sei und das Resultat eindeutig negativ ausgefallen sei. Dies zeige an, dass kein kausaler Zusammenhang zwischen Vitamin D-Mangel und Depressionen bestünde. Zur Evaluierung der Depressionssymptome wurden folgende vier Verfahren herangezogen: 1. Beck Depression Inventory, 2. Hospital Anxiety and Depression Scale, 3. Seasonal Pattern Assessment Scale und 4. Montgomery-Asberg Depression Rating Scale.

Kommentar: Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie hat in ihrer Pressemitteilungvom 25. Januar 2012 (2) die gesicherten Indikationen für Vitamin D aufgelistet. Sie betonte, dass es darüber hinaus eine Fülle von Hinweisen auf eine Wirksamkeit von Vitamin D bei anderen Erkrankungen gäbe, die meist aus Assoziations- bzw.epidemiologischen und Kohortenstudien stammten. Die Ergebnisse von Interventionsstudien stünden für die meisten der möglichen bzw. postulierten Indikationen noch aus. Die jetzt vorgestellte Interventionsstudie aus Norwegen ergab für den therapeutischen Vitamin D-Einsatz bei Depressionen ein negatives Resultat. Es bleibt abzuwarten, wie im Jahre 2016 die Ergebnisse der gerade angelaufenen VITAL- und VIDAL-Studie ausfallen werden, die eine mögliche kardiovaskuläre Protektion durch Vitamin D überprüfen.

Literatur:
(1) M Kjaergaard et al.: Low Vitamin D a Result, Not a Cause, of Depression.
British Journal of Psychiatry, published online July 12, 2012
(2) Helmut Schatz: Wirkung einer Vitamin D-Gabe nur bei bestimmten Personengruppen und Patienten gesichert.
DGE-Pressemitteilung vom 25. Januar 2012

Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
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