Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

Obesitas mit Krebs assoziiert, zeigt britische Studie bei >5 Millionen Patienten


Bochum, 24. Januar 2015:

K. Bashkaran et al. (1) analysierten die Daten von ~5 Millionen Patienten aus dem U.K.Clinical Practice Research Datalink auf Assoziationen zwischen den 22 häufigsten Krebsarten und dem Body Mass Index (BMI). Sie fanden bei übergewichtigen und fettsüchtigen Menschen unterschiedlich gesteigerte Assoziationen mit Krebs. Am stärksten war diese bei Gebärmutterkrebs: je 5 BMI-Punkteanstieg 41%, bei Gallenblasenkarzinom 31% und bei Nierenkrebs 17%. Bei Schilddrüsenkarzinom betrug die Hazard Ratio 1.09 pro 5 BMI-Punkteanstieg.

Ein erhöhter bis extrem hoher BMI prädisponiert für verschiedene Krebsarten, wie schon länger bekannt. Jetzt wird erstmals eine große, populationsbasierte Kohortenstudie unter Berücksichtigung potentieller Mitursachen (confounders) vorgelegt. Unter 5.24 Millionen Patienten wurden 167.000 Krebsfälle identifiziert. Insgesamt war ein erhöhtes Körpergewicht ein Risikofaktor für die Krebsentstehung bei 17 der 22 Karzinomformen. Es ergaben sich aber sehr unterschiedliche Assoziationen des BMI mit den verschiedenen Krebsarten. Man fand auch inverse Assoziationen, so mit dem Risiko für ein Prostata- oder prämenopausales Mammakarzinom, sowohl global als auch bei getrennter Betrachtung der Nie-Raucher. Andererseits bestand bei Nie-Rauchern keine Beziehung zwischen BMI und Krebs der Lunge oder der Mundhöhle.

Kommentar

Diese große Studie bestätigt die vielen Berichte über erhöhte Krebsfälle bei übergewichtigen und fettsüchtigen Patienten. Dies gilt auch für Menschen mit Diabetes mellitus. Bereits ab dem Stadium der gestörten Glukosetoleranz, beim (manifesten)Typ-2-Diabetes, weiter gesteigert unter Sulfonylharnstoff- und schließlich Insulintherapie beobachtete man eine ständige Zunahme der Karzinomraten. Die Erhöhung der anfangs endogenen, später exogenen Spiegel an zellwachstumförderndem Insulin wird als eine der Ursachen dafür angesehen. Besonders wurde das noch bis vor kurzem für das Insulinanalog Glargin postuliert. Dies erscheint aber heute widerlegt (2). Auch eine Überexpression mit erhöhter Sekretion verschiedener Zytokine wird als (Mit-) Ursache diskutiert. Aus der Heterogenität der Befunde in der britischen Studie kann man ableiten, dass bei erhöhtem BMI sehr differierende Mechanismen bei den verschiedenen Krebsarten und Patienten-Subpopulationen zu Tragen kommen. Wenn man einen kausalen Zusammenhang und nicht nur eine Assoziation des BMI mit Krebs annimmt, so würden in England jährlich 3790 zusätzliche Krebsfälle bei einem mittleren BMI-Anstieg um 1 Punkt auftreten (3).

Helmut Schatz

Literatur

(1) K. Bashkaran et al.: Body-mass index and risk of 22 specific cancers: a population-based cohort study of 5.24 million UK adults.
Lancet 2014. 384:755-765

(2) H. Schatz: Kein erhöhtes Krebsrisiko unter Glargin-Insulin laut Europäischer Arzneimittelagentur EMA.
DGE-Blogbeitrag vom 21. Juni 2013

(3) P.T.Campbell: Obesity: a certain and avoidable cause of cancer (Comment).
Lancet 2014. 384:727-728

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Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
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