Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

Befunde über Pankreasveränderungen unter Inkretin-Mimetika publiziert: Untersuchungen nun auch durch die Europäische Arzneibehörde (EMA)


Bochum, 27. März 2013:

Am 15. März 2013 wurde im DGE-Blog berichtet, dass die Amerikanische Arzneibehörde FDA eine Untersuchung zum Risiko für Pankreatitis und präkanzeröse Pankreasveränderungen eingeleitet hat, basierend auf noch unveröffentlichten Befunden (1). Inzwischen wurden diese publiziert (2). Nun teilt die EMA am 26.3.2013 mit, dass sie diese Problematikk ebenfalls untersuchen wird (3). In einer Fall-Kontroll-Studie wurde schon zuvor unter Inkretin-Mimetika ein verdoppeltes Pankreatitis-Risiko errechnet (4,5).

Die Pathologin Alexandra E. Butler und Mitarbeiter (2) arbeiteten die Bauchspeicheldrüsen von 8 Organspendern auf, die einen Typ 2-Diabetes hatten und Inkretin-Mimetika eingenommen hatten. Als Kontrollen dienten die Pankreata von 12 Typ-2-Diabetespatienten mit anderen Therapien und 14 Personen ohne Diabetes. Unter GLP-1-basierten Therapien war die Pankreasmasse um 40% grösser, mit vermehrter exokriner Zellproliferation (p<0.0001) und Dysplasien (erhöhte pankreatische intraepitheliale Neoplasien, p<0.01). Auch fand sich in 3 der 8 Pankreata eine Alphazell-Hyperplasie mit Glukagon-exprimierenden Mikroadenomen und in 1 Fall ein neuroendokriner Tumor. Die Betazell-Masse war bei den Diabetespatienten mit anderen Therapieformen um 60 % reduziert, unter Inkretinbehandlung jedoch sechsfach erhöht. Dennoch hatte der Diabetes bei diesen Patienten weiterbestanden. Kommentar

Die nun publizierten histologischen Befunde bei Menschen mit Diabetes unter GLP-1-basierten Therapien sind besorgniserregend. Wie schon im Kommentar zur angelaufenen Untersuchung der FDA geäussert (1) ist zu hoffen, dass der ganzen Gruppe der GLP-1-basierten Therapien, die sich in den letzten Jahren in steilem Höhenflug befand, nicht ein ähnliche Absturz droht wie den Thiazolidindionen.

Helmut Schatz

Bitte kommentieren Sie diesen Bericht (nach unten scrollen)

Literatur

(1) H.Schatz: Inkretin-Mimetika jetzt von der FDA auf Risiko für Pankreatitis und präkanzeröse Pankreasveränderungen überprüft.
DGE-Blog-Beitrag vom 15. März 2013

(2) A.E. Butler et al.: Marked expansion of exocrine und endocrine pancreas with incretin therapy in humans with increased exocrine pancreatic dysplasia and the potential for glucagon-producing neuroendocrine tumours
Diabetes online before print March 22, 2013, doi:10.2337/db12-1686

(3) European Medicines Agency investigates findings on pancreatric risks with GLP-1-based therapies for type-2 diabetes. 26.3.2013.
http://www.ema.europa.eu/docs/en_GB/document_library/Press_release/2013/03/WC500140866.pdf

(4) H.Schatz: GLP-1-Mimetika verdoppeln nach neuer Studie das Pankreatitis-Risiko bei Diabetespatienten.
DGE-Blog-Beitrag vom 26.2.2013

(5) S. Singh et al.: JAMA Internal Medicine online Februar 25, 2013.
doi: 10.1001/jamainternmed.2013.2720

Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit , verschlagwortet. Permalink.

Eine Antwort auf Befunde über Pankreasveränderungen unter Inkretin-Mimetika publiziert: Untersuchungen nun auch durch die Europäische Arzneibehörde (EMA)

  1. N. Meyer sagt:

    Danke an Prof. Schatz, für diese ausgewogene Darstellung, in der die Sorge um das wirkliche Wohl der Patienten zum Ausduck kommt im Gegensatz zur Stellungnahme der Deutschen Diabetesgesellschaft.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.