Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

Romosozumab, ein Sklerostin-Antikörper erhöht rasch die Knochendichte und senkte in der FRAME-Studie in Sequenztherapie mit Denusomab (Prolia®) bei postmenopausalen Frauen ausgeprägt die Wirbelbrüche


Bochum, 2. Oktober 2016:

Im Blog der DGE wurde bereits mehrfach über den Sklerostin-Antikörper Romosozumab (Amgen und UCB Pharma) berichtet, so am 5. November 2012 (1), vor Anlauf einer Phase III-Studie, und zuletzt am 11. März 2016 (2) über die vorab bekanntgegebenen Resultate der Phase III –Studie FRAME (FRActure study in postMenopausal women with ostEoporosis). Die genauen Ergebnisse wurden jetzt am 18. September 2016 auf der Tagung der American Society for Bone and Mineral Research in Atlanta mit unserem DGE-Mitglied Lorenz Hofbauer aus Dresden als Koautor vorgestellt und zeitgleich im New England Journal of Medicine online publiziert (3).

7180 postmenopausale Frauen (55-90 Jahre, T-Score -2.5 bis -3.5) wurden in 2 Gruppen randomisiert: 1. Jahr: 1x monatlich s.c. Romosozumab (210 mg) zur Förderung des Knochenanbaues, oder Plazebo. 2. Jahr: Hemmung des Abbaues in beiden Gruppen mit Denusomab, 2x jährlich 60 mg s.c.. Alle erhielten als Basistherapie Kalzium und Vitamin D. Nach 1 Jahr neue Wirbelkörperfrakturen in Romosozumab-Gruppe bei 16 (0.5%), in der Plazebogruppe bei 59 (1.8%) Patientinnen. Nach 2 Jahren – jetzt beide Gruppen unter Denusomab – in der ursprünglichen Verumgruppe zusätzlich 5 Wirbelkörperbrüche, in der Plazebogruppe 26. Somit hatte sich das Risiko für Wirbelkörperfrakturen signifikant um 75% verringert. Nicht signifikant war hingegen im Gesamtkollektiv die Abnahme von Schenkelhals-, Oberschenkel- und handgelenksnahen Unterarmbrüchen. Bei allen Patientinnen hatte die Knochendichte stark zugenommen. Als ernste Nebenwirkungen kam es in der Verumgruppe zu 2 Kiefernekrosen (eine davon im 2. Jahr in der Denusomab-Phase) und 1 atypischen Oberschenkelbruch.

Kommentar

Im Editorial zur Publikation der FRAME-Studie schrieben Clifford Rose und Julie Ingelfinger, dass diese ernsten Komplikationen unerwartet gewesen und Anlass zur Besorgnis seien und man sorgfältig beobachten müsse, ob bzw. wie häufig diese bei breiterer Anwendung aufträten (4). Der knochenanabole Effekt von Romosozumab setzt sehr schnell ein, auch bei Patientinnen, die bereits Frakturen erlitten hatten. Wie Lorenz Hofbauer dem Referenten persönlich mitteilte, gehöre nach seiner Auffassung diese Substanz in Zukunft insbesondere bei älteren Menschen und Patientinnen mit ausgeprägtem Frakturrisiko zur Therapie der 1. Wahl.

Helmut Schatz

Literatur

1) Helmut Schatz: Zwei neue Medikamente für die Postmenopausale Osteoporose: Romosozumab und Odanacatib.
DEG-Blogbeitrag vom 5. November 2012

(2) Helmut Schatz: Positive Resultate mit dem Sclerostin-Antikörper Romosozumab bei postmenopausaler Osteoporose.
DGE-Blogbeitrag vom 11. März 2016

(3) Felicia Cosman et al.: Romosozumab treatment in postmenopausal women with osteoporosis.
New Engl J Med, September 18, 2016. DOI: 10.1056/NEJMoa1607948

(4) Clifford J. Rosen, Julie R. Ingelfinger: Building Better Bones with Biologics – A New Approach to Osteoporosis? Editorial.
New Engl J Med, 18. September 2016. DOI: 10.1056/NEJMe1611863

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Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
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