Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

Singen Sie doch während der Weihnachtszeit regelmäßig mit Ihren Lieben, dann fühlen Sie sich besser und weniger gestresst. Aber das Gewicht steigt leider auch ein bisschen.


ZUM WEIHNACHTSFEST 2015

Bochum, 14. Dezember 2015:

Eine anspruchsvolle Pilotstudie an 35 Diabetespatienten aus Heidelberg ergab, dass Singen während 3 Tagen zusätzlich zu einer intensiven Diabetikerschulung die Stimmung bessert und die Stressparameter Cortisol und ACTH etwas vermindert. Leider stieg in der singenden Gruppe aber auch das Gewicht und die Stoffwechsellage wurde – vielleicht deshalb (?) – nicht besser (1).

Kommentar

Die Auswirkungen von Musik bei verschiedenen Erkrankungen wurden schon vielfach untersucht, wie die Heidelberger Autoren der Gruppe um Peter Nawroth schreiben (1). Auch im DGE-Blog wurde in einem Beitrag über die Musiktherapie berichtet, der lebhaft diskutiert wurde (2). Ob es in der jetzt publizierten Pilotstudie das Singen war, welches die bessere Stimmung hervorrief, mit etwas geringerem Stress, oder das Gruppenerlebnis an sich, müsste, wie die Autoren schreiben, weiter geprüft werden, indem die Kontrollpatienten auch als Gruppe tätig werden wie etwa in (Bastel-)Arbeiten an einem gemeinsamen Werkstück, im Lesen von Theaterstücken oder anderen Texten mit verteilten Rollen o.ä. Zur Weihnachtszeit bietet sich freilich das Singen der harmonischen, vertrauten und beruhigenden Weihnachtslieder an. Diese werden wie alle Jahre einen guten Einfluss auf unsere Stimmung haben, wenn dies auch, wie die Studie zeigt (1), das Gewicht etwas ansteigen lässt. Vielfach mag das aber bei den vielen guten Plätzchen und anderen Süssigkeiten gar nicht so sehr ins Gewicht fallen…

Der Einfluss unserer alten Weihnachtslieder wird gewiss in jeder Hinsicht positiv sein. Herbert von Karajan hat schon vor Jahrzehnten die Auswirkung verschiedener Musikstücke auf die Körperfunktionen seiner Orchestermusiker untersucht: Er hat diese verkabelt spielen lassen und die Effekte der unterschiedlichen Arten der Musik – von Bach bis Strawinski – auf Puls, Blutdruck, EKG und EEG studiert. Weihnachtsmusik hat er meines Wissens nicht getestet. Diese hätte bei seinen Studien sicherlich „günstig“ abgeschnitten.

Liebe DGE-Mitglieder, singen Sie mit Ihren Lieben „Oh du fröhliche, oh du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit“ – diese alte, aus Sizilien stammende Volksweise, und das alpenländische Lied „Stille Nacht, heilige Nacht“ : Ihre Spiegel von ACTH und Cortisol werden etwas sinken, Ihre Stimmung wird (noch) besser. Und wenn das Gewicht etwas hinaufgeht, was soll´s?

Ein schönes Weihnachtsfest wünscht Ihnen Ihr „Blogger“

Helmut Schatz

Literatur

(1) J.B. Groener et al.: Group singing as a therapy during diabetes training – a randomized controlled pilot study.
Exp. Clin. Endocrinol. Diabetes 2015. 123: 617-623

(2) Klaus Ehrenberger: Kunst als Therapie – “Creative Therapies“: Kunst verführt und diszipliniert.
DGE-Blogbeitrag vom 22. Oktober 2014

Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
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