Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

Testosteron, Atherosklerose und kardiovaskuläre Ereignisse, Teil II – FDA fordert gemeinsame Studie der Testosteron-Hersteller


Graz, 24. August 2015:

Am 20. August 2015, dem Tag der Abfassung des letzten Blog-Beitrages (1), wurde die Aufforderung der Amerikanischen Arzneibehörde FDA publik, dass die Testosteronhersteller jetzt endlich in einer gemeinsamen Studie mit einheitlichem Design wie gleichen Kollektiven, gleichen Testosteronpräparaten, lange verabfolgt usw. prüfen sollten, ob beziehungsweise wie eine Testosterongabe bei älteren Männern mit kardiovaskulären Ereignissen zusammenhängt (2). Dies erfolgte auch vor dem Hintergrund der in den USA, weniger bei uns in Deutschland häufigen Praxis einer Testosterongabe nur unter der (Verdachts-) Diagnose eines „Altershypogonadismus“ ohne vorherige Testosteronbestimmung im Blut. In den USA treten Firmen direkt an Menschen heran mit der Werbeaussage eines Benefits von Testosteron zur Behandlung von „low T“.

Ebenfalls kurz nach Niederschrift des Beitrags vom 20.8.2015 (1) erschien im British Medical Journal eine Arbeit aus Schweden, die unter 1100 Personen ab dem 40. Lebensjahr (mittleres Alter 62 Jahre) während 14-jähriger Beobachtungszeit bei den Männern mit Diabetes eine signifikant inverse Assoziation zwischen dem Testosteronspiegel und Myokardinfarkt fand. Ein niedriger Testosteronspiegel sei also ein guter Prädiktor für einen akuten Herzinfarkt (3). Diese Publikation würde die Ansicht bestätigen, die der Referent am Ende des Beitrags vom 20. August 2015 geäußert hat, dass die Normalisierung eines dokumentiert erniedrigten Testosteronspiegels generell von kardiovaskulärem Vorteil sein könnte.

Die von der FDA geforderte Studie (4) soll jetzt die Testosterongabe bei älteren Männern prüfen. Es ist zu hoffen, dass diese zustande kommt.

Helmut Schatz

Literatur

(1) Helmut Schatz: Testosteron, Atherosklerose und kardiovaskuläre Edreignisse – ein komplexes Thema.
DGE-Blogbeitrag vom 20. August 2015

(2) Christine P. Nguyen et al.: New Engl J Med 2015. 373:689-691

(3) Bledar Daka et al.: Low concentrations of serum testosterone predict acute myocardial infarction in men with type 2 diabetes mellitus.
Brit.Med.J. Endocr. Disord. 2015. 15(35)

(4) Marlene Busko: FDA to testosterone makers: ‚Work together on a single Trial‘.

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Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
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