Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

Vitamin-D-Gabe in prospektiver, plazebokontrollierter Interventionsstudie über 18 Monate ohne Effekt auf Ersterkrankungen an Pneumonie


Vitamin D wird von vielen auf Grund von experimentellen und Assoziationsstudien ein klinischer Effekt auf die Immunabwehr zugeschrieben. Pneumonien stellen eine führende Todesursache von Kindern dar. Im April 2012 erschien im Lancet eine Interventionsstudie, durchgeführt an Kleinkindern von 1-11 Monaten in Afghanistan, dem Land mit der weltweit dritthöchsten Mortalität von Kindern unter 5 Jahren. Je ~1500 Kindern wurden 100 000 IU Vitamin D3 oder Placebo über 18 Monate vierteljährlich oral gegeben. Es zeigte sich kein Effekt von Vitamin D auf das Erstauftreten von radiologisch gesicherten Pneumonien. In der Verum-Gruppe wurde allerdings eine erhöhte Inzidenz röntgenologisch verifizierter Pneumonien beobachtet (132 gegenüber 82 Rezidiven bei je ~2000 Personenjahren, p<0.0001). Die Studie wurde sehr akkurat durchgeführt, sie wurde vom Wellcome Trust und dem British Council unterstützt.

Literatur:

Semira Manaseki-Holland et al., Effect on the incidence of pneumonia of vitamin D supplementation by quarterly bolus dose to infants in Kabul: a randomized controlled superiority trial.
Lancet 379: 1419-27, 2012

Adrian R Martineau: Comment: Bolus-dose vitamin D and prevention of childhood pneumonia.
Lancet 379: 1373-75, 2012

Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
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