Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

Xenotransplantation boviner Nebennierenrindenzellen nach Alginat-Enkapsulierung in Kammern – Perspektiven bei Morbus Addison und kongenitaler adrenaler Hyperplasie


Bochum, 21. Februar 2015:

Die Gruppe von Stefan R. Bornstein in Dresden charakterisierte zusammen mit einem internationalen Autorenteam (1) zunächst Nebennierenrindenzellen von Rindern in Primärkultur und nach Enkapsulierung in Alginat unter Kulturbedingungen bis zu 70 Tagen. Die Xenotransplantation in thymusaplastische, adrenalektomierte Nacktratten ergab während der 25-tägigen Beobachtungsperiode bei Alginat-enkapsulierten Zellen im Vergleich zu freien Zellen bessere Resultate. Immunkompetente Wistar-Ratten starben 12 Tage nach Adrenalektomie, während nach intraperitonealer Gabe von bovinen Alginat-enkapsulierten Nebennierenrindenzellen nach dreiwöchiger Beobachtungszeit alle Ratten überlebt hatten und eine ACTH-stimulierbare Cortisolsekretion aufwiesen. Schließlich wurden zum noch sichereren immunologischen Schutz die Alginat-enkapsulierten Zellen in immunisolierenden, zu oxigenierenden Kammern in die Wistar-Ratten transplantiert. Diese Zellen zeigten in etwa gleicher Weise funktionstüchtige Nebennierenrindenzellen wie ohne die Kammern.

Kommentar

Prof. Bornstein und seinem Team ist zu diesen hochrangig publizierten (1), äußerst sorgfältigen, nach vielen Richtungen gut abgesicherten Ergebnissen zu gratulieren, die viele neue Erkenntnisse zur Funktion und zu den Interaktionen von Nebennierenrindenzellen aufzeigten. So fand man etwa, dass Kultur zusammen mit chromaffinen Zellen aus dem Nebennierenmark die Steroidogenese und das Überleben der bovinen Nebennierenrindenzellen erhöhte, oder nach Transplantation Alginat-enkapsulierter Zellen in immunisolierenden Kammern eine starke Penetration vieler neuer Gefäße durch eine dünne Bindegewebsmembran erfolgt war. Auch die Reaktivität der Zellen gegenüber Luteinisierungshormon-freisetzendem Hormon (LHRH) wurde aufgezeigt.

Über eine Xenotransplantation hormonproduzierenden Gewebes bei Typ-1-Diabetes wird schon lange geforscht, auch von Prof. Bornsteins Gruppe, da beim Typ-1-Diabetes eine rasche, feinregulierte Insulinversorgung des Körpers besonders wichtig ist und menschliches Inselgeweben nicht in ausreichenden Mengen zur Verfügung steht. Vor wenigen Jahren war nach meinem Kenntnisstand in Russland die Alginat-Enkapsulierung von Schweineinselgewebe zur Transplantation an Diabetespatienten vorübergehend sogar zugelassen. Mit Neuseeland bestand damals eine Kooperation, dort wurden auf einer bisher unbewohnten, von Menschenviren freien Insel Schweine als Inselspender gezüchtet. In letzter Zeit ist es darum still geworden.

Es ist zu wünschen, dass die Alginat-Enkapsulierung zur Xenotransplantation von bovinen Nebennierenrindengewebe auch beim Menschen möglich wird und gute Langzeiterfolge bringt. Ob die zusätzliche Verwendung von täglich zu oxigenierenden Kammern gegenüber der über den Tag verteilten Hydrocortison-Gabe oder dem neueren Zweiphasen-Präparat Plenadren®, zusammen mit Fludrocortison, gegebenenfalls auch mit DHEAS Vorteile bringt, bleibt abzuwarten. Dies gilt wohl vor allem für Addison-Patienten. Stefan Bornstein wies aber im Mailverkehr mit ihm darauf hin, dass die Transplantation beim adrenogenitalen Syndrom zumindest in der Pubertätsphase übergangsweise eingesetzt werden könnte, in der es mit der bisherigen Therapie oft schwierig sei, die beiden Extreme Virilisierung und Überdosierung von Hydrocortison zu vermeiden.

Helmut Schatz

Literatur

(1) Mariya Baluara et al.: Transplantation of bovine adrenocortical cells encapsulated in alginate.
Proc. Natl. Acad. Sci., PNAS Early Edition.
www.pnas.org/cgi/doi/pnas.1500242112

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Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
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2 Antworten auf Xenotransplantation boviner Nebennierenrindenzellen nach Alginat-Enkapsulierung in Kammern – Perspektiven bei Morbus Addison und kongenitaler adrenaler Hyperplasie

  1. Mades sagt:

    Hallo ,

    von meiner Freundin die Tochter hat Morbus Addison und Wohnt in der Nähe von Mainz .
    Meine frage,gibt es Spesialisten? Wenn ja wo ? Ist eine Transplantation von Nebennierenzellen möglich und wer macht das ? Wie sind die Prognose? Sie ist noch sehr Jung . Ich danke Ihnen für die auskunft . Glg.

    • Helmut Schatz sagt:

      In Mainz is Prof.Matthias Weber an der Uniklinik Spezialist. Transplantation von Nebennierenzellen ist weit davon entfernt, praktisch angewendet zu werden. Ist eigentlich auch nicht nötig, da.man einen Morbus Addison sehr gut mit Tabletten behandeln kann. Präsident Kennedy ist dafür ein gutes Beispiel

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