Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

Analoginsuline nicht besser als NPH-Humaninsulin bei Typ-2–Diabetes


Bochum, 26. Juni 2018:

Auf dem diesjährigen Kongress der Amerikanischen Diabetesgesellschaft  in Orlando präsentierten am 23. Juni 2018 Lipska et al. (1) ihre Resultate einer retrospektiven Vergleichsuntersuchung über Hypoglykämien und HbA1c-Veränderungen bei Typ-2-Diabetespatienten nach Beginn einer basalen Insulintherapie mit den Analogen Glargin und Detemir oder mit NPH- Humaninsulin (Neutrales Protamin Hagedorn – Insulin ). Es ergab sich kein Unterschied zwischen den beiden Arten von Basalinsulin. Tendenziell waren beide überprüften Outcomes mit NPH-Insulin  sogar günstiger.

In einer retrospektiven Observationsstudie  wurden die Daten von ~ 25.000 Typ-2-Diabetespatienten von Kaiser Permanente of North California für die Periode 2006-2015 ausgewertet, bei denen eine Therapie mit langwirkenden Insulinen begonnen worden war. Dies waren entweder Glargin und Detemir oder NPH-Insulin. Mittleres Alter ~60 J, Weisse bzw. Frauen je etwa zur Hälfte. Während der Verlaufsbeobachtung von im Mittel 1.7 Jahren wurden als primäres Outcome das Aufsuchen einer Notfallambulanz oder die stationäre Aufnahme wegen Hypoglykämien erfasst, als sekundäres Outcome die HbA1c-Veränderung 1 Jahr nach Beginn der Insulintherapie. Bei den ~1900 Patienten mit initialen Analoginsulinen traten 39 wegen Hypoglykämie verursachte Notfallambulanz-Besuche oder Krankenhausaufnahmen auf (11.9 Ereignisse pro 1000 Patientenjahre. Bei den ~23.500 Patienten unter NPH-Insulin waren dies 354 (8.8 Ereignisse pro 1000 Patientenjahre,  p=0.07). Unter  knapp 4.500 nach dem Prospensity Score gematchen Patienten betrug bei den  Analoginsulinen die adjustierte Hazard Ratio (HR) 1.16 (95% CI, 0.71 bis 1.78 ) für die hypoglykämiebezogenen Ereignisse. Während 1 Jahr fiel HbA1c unter Analoginsulinen von 9.4% auf 8.2%, unter NPH-Insulin von 9.4 auf 7.9%.

Kommentar

 In dieser Untersuchung in der „real world“ fand sich kein Vorteil der insbesondere in den USA vergleichweise viel teureren Analoginsuline gegenüber NPH-Humaninsulin,  im Unterschied zu den zahlreichen Resultaten unter Studienbedingungen, die etwa eine verminderte nächtliche Hypoglykämierate ergaben. Freilich wurden in der vorliegenden Studie weniger schwere Hypoglykämien nicht erfasst, die nicht zum Aufsuchen einer Institution Anlass gaben. Die Autoren schließen aus ihren Resultaten: „These findings suggest that the use of basal insulin analogues in usual clinical practice settings may not be associated with clinical advantages for these outcomes”.

Ein begleitendes Editorial stellt im Titel die Frage: „Revisiting NPH insulin for Type 2 Diabetes: Is a step back the path forward?“ (2). Das Editorial führt neben den Stärken allerdings auch die Limitationen dieser Untersuchung an. Bei Medscape titelt Lisa Nainggolan: “Human insulin could be front-line for many with type 2 diabetes (3).

Helmut Schatz

Literatur

(1) Kasia J. Lipska et al.: Association of initiation of basal insulin analogs vs neutral protamin Hagedorn insulin with hypoglycaemia-related emergency department visits or hospital admission and with glycemic control in patients with type 2 diabetes.
American Diabetes Congress 2018, Orlando. Abstract 1311-P.
JAMA published online June 23, 2018. doi:10.1001/jama.2018.7993

(2) Matthew J. Crowley, Matthew L. Maciejewski: Revisting NPH insulin for type 2 diabetes. Is a step back the path forward? (Editorial).
JAMA published online June 23, 2018. doi:10.1001/jama.2018.8033

(3) Lisa Nainggolan: Human insulin could be front-line for many with type 2 diabetes.
https://www.medscape.com/viewarticle/898485

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Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
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