Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

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Blutdrucksenkung für ein halbes Jahr durch eine einmalige Injektion: Die KARDIA-1-Studie


Bochum und München, 2. Januar 2024

Auf dem Kongress der Amerikanischen Herz-Gesellschaft (AHA) in Philadelphia stellte am 11. November 2023 George Bakris aus Chicago (1)  die Ergebnisse der KARDIA-1 Studie mit Zilebesiran vor. Zilebesiran ist ein RNA-Interferenz-Wirkstoff (RNAi). Durch eine einmalige subkutane Injektion von Zilebesiran (Fa. AInylam Pharmaceuticals) wurde der systolische Blutdruck über sechs Monate um etwa 10 mm Hg unter den  Ausgangswert gesenkt.

Zilebesiran bindet mit hoher Affinität an den Asialo-Glykoprotein-Rezeptor und reduziert die Synthese von Angiotensin, den einzigen Präkursor aller Angiotensin-Peptide.  Man hofft, dass zufolge einer Wirkung nur in der Leber die extrahepatische Expression von  Angiotensin erhalten bleibt, so dass unerwünschte Effekte  auf  Niere  und andere Gewebe einen therapeutischen  Einsatz nicht limitieren.

Methodik

Für die KARDIA-1 – Studie wurden 394 Patienten mit milder bis mäßiger Hypertonie rekrutiert (systolischer Blutdruck 135 – 160 mm Hg, mittlerer Ausgangswert 142 mm Hg) und randomisiert mit 4 verschiedenen Dosen von Zilebesiran (150, 300 oder 600 mg 1x in 6 Monaten und 300 mg alle 2 Monate) oder mit Plazebo  kontrolliert. Ausgewertet wurden 377 Patienten (56% männlich, 25 % Schwarze).

Ergebnisse

Zilebesiran bewirkte eine anhaltende Erniedrigung von Serum-Angiotensinogen um 88 bis 98 % während der 6 Monate.  Der über 24 ambulant gemessene systolische Blutdruck nahm unter allen Dosierungen von Zilebesiran ab, die mittlere Senkung betrug in den 3 höchsten Verum-Dosierungen  ~10 mm Hg,  und insgesamt gegenüber Plazebo 14 mm Hg. Die Zilebesiran-Patienten erreichten über 24 Stunden in einem höheren Prozentsatz systolische Werte  =/< 130 mm Hg nach 6 Monaten. Unerwünschte Nebenwirkungen, die zum Studienabbruch führten: Zweimal  orthostatische , 1x Blutdruckerhöhung und 1x Hautreaktionen an der Injektionsstelle. Sechs Prozent der Patienten erlitten Hyperkaliämien, die meist mild waren und keiner Intervention bedurften. Es wurden keine klinisch relevanten Veränderungen von Leber und Niere beobachtet. Einmal kam es zu einem Todesfall durch Herzkreislaufstillstand, der nicht auf Zilebesiran zurückgeführt wurde.

Kommentar

In der Diskussion wies Prof. Keith Ferdinand von der Tulane-Universität in New Orleans darauf hin, dass nur die Hälfte aller Hypertonie-Patienten nach 1 Jahr noch die verordneten blutdrucksenkenden Medikamente einnähmen. Deshalb könnte die nur 1x halbjährliche Injektion  zu einer besseren Compliance führen  und  möglicherweise  die Zielorgane besser schützen. Die KARDIA1-Studie rekrutierte Hypertonie-Patienten mit milder oder moderater Hypertonie bis systolisch 160 mm Hg. In der jetzt anlaufenden KARDIA-2 – Phase II – Studie soll die Wirkung von Zilebesiran  als add-on zur bisherigen Therapie mit Antihypertonika  geprüft werden.

Keith  Ferdinand  betonte, dass nun ein therapeutische Ansatz auf den ersten Schritt im Angiotensin-System, das Angiotensinogen möglich erscheint,  welcher zu einer 6-monatigen Blutdrucksenkung führen könnte.

Diese Studie belegt erneut, wie relevant das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS) für die Blutdruckregulation ist.  Zilebesiran reiht sich in weitere neue Antihypertensiva ein, wie Baxdrostat (Aldosteronsynthase-Hemmer) und Finerenon (Mineralokortikoidrezeptorantagonist).

Helmut Schatz, Bochum und Martin Reincke, München

Literatur

(1) George Bakris et al. (senior author ): The KARDIA-1 Trial, presented at the American Heart Association Scientific Session in Philadelphia on November 11, 2023

Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
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Eine Antwort auf Blutdrucksenkung für ein halbes Jahr durch eine einmalige Injektion: Die KARDIA-1-Studie

  1. M. Retterspitz sagt:

    „Im JAMA Network Open wurde am 14. Dezember 2022 das Ergebnis einer großen prospektiven Studie an 490.071 Personen ohne Schlaganfälle in der Vorgeschichte (54% weiblich, mittleres Alter 54 Jahre, 94% Weiße) aus der UK Biobank publiziert, welche unabhängige und gegensätzliche Assoziationen des Body Mass Index (BMI) und des Taillenumfangs mit verschiedenen Schlaganfalltypen fand.“
    Wo bitte lässt sich eine Zusammenfassung dieser Studie nachlesen?
    Mit freundlichen Grüßen M. Retterspitz

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