Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

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Zunehmend eine unentzifferbare „Buchstaben-Suppe“ in fachlichen Mitteilungen – ruiniert das die medizinische Kommunikation?


Bochum, 1. Januar 2026:

In Medscape Communications erschien am 17. Dezember 2025 ein Beitrag (1), der dem Referenten (H.S.) aus der Seele sprach, und wohl auch den meisten seiner Kolleginnen und Kollegen.  Carla Vorsatz, M.D. schrieb unter dem Titel:

Are Abbreviations Ruining Medical Communication?                                                          

Medicine seems to have a particular fetish for linguistic shortcuts.

Medical records are packed with indecipherable (=unentzifferbare) abbreviations; scientific papers read like alphabet soup; and on conference slides, half the audience ends up busy trying to decode a random mix of letters — sometimes uppercase, sometimes lowercase, sometimes featuring no vowels (=Vokale) at all. It’s as if an unspoken rule has taken hold: Writing terms out in full is a waste of time, a luxury, or needless fussiness — almost a squandering of ink or pixels. The problem is that no one ever formally agreed to this rule, least of all the people who matter most: the readers.

Wenn sich ein Arzt während einer Nachtschicht um 3 h morgens persönliche Notizen macht, sind Abkürzungen sinnvoll. Niemand als er muss das verstehen. In wissenschaftlichen Artikeln, offiziellen Protokollen, Bildungsmaterialien, Patientenakten, Peer-Review- Antworten gehören sie nicht hin …  Akronyme vermitteln kein Wissen, sie kodieren es und verlangen dann, dass der Leser den Code bereits kennt …  „Wenn Sie das nicht verstehen, ist das Ihr Problem“. Hermetische Sprache ist keine Raffinesse, sie ist intellektuelle Faulheit als Effizienz verkleidet … In der Medizin gibt es heutzutage so viele Akronyme, dass sich Buchstabenkombinationen bis zu 10x und noch öfter wiederholen Vollständiges Scheiben ist keine Zeitverschwendung. Es erleichtert ungemein das Verständnis und ist Respekt vor dem Leser. Die Medizin braucht keine Sprachbarrieren … Medizinisches Schreiben muss nicht kryptisch sein, um ernst genommen zu werden.

Medizinische Texte müssen einfach und verständlich sein.

Helmut Schatz

Literatur

(1) Carla Vorsatz: Are Abbreviations Ruining Medical Communication?
Medscape – 17 December 2025

Posted on by Prof. Helmut Schatz
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4 Responses to Zunehmend eine unentzifferbare „Buchstaben-Suppe“ in fachlichen Mitteilungen – ruiniert das die medizinische Kommunikation?

  1. Helmut Schatz says:

    In zahlreichen persönlichen Gesprächen, auch telefonisch, sowie in Mails bekam ich durchweg Zustimmung zum Blog, d.h. Ablehnung der „hermetischen Sprache“ durch vielfach unverständliche Abkürzungen, die nicht nur in der Medizin grassiert.

  2. Helmut Schatz says:

    Eine hermetische Sprache ist eine verschlüsselte, schwer zugängliche Ausdrucksweise, die oft durch komplexe Syntax, private Symbole und Metaphern gekennzeichnet ist, sodass der Leser eine anspruchsvolle „Dechiffrierungsleistung“ erbringen muss, um ihre Bedeutung zu erfassen.

  3. Lieber Herr Schatz,
    Sie sprechen mir aus dem Herzen! Hinzu kommt, dass wir ständig Anglizismen Abkürzen, deren Inhalt sich mir nochmals schwerer erschließt.
    Ich freue mich, wenn ihre Anmerkung auf fruchtbaren Boden fällt, habe aber Zweifel.
    Jochen Schmidt-Walczuch, Brühl

  4. Prof. Christian Koch says:

    Herr Schatz – Recht haben Sie ! Seit mehr als 2 Jahren ist es nun ueblich, dass der Patient die eigene Patientenakte mit Arztbriefen etc. einsehen kann, zumindest in the U.S.A., wo es seit JAAAhren die elektronische Patientenakte gibt. Fuer diejenigen Kollegen, die eher „Codes“ und verschluesselte medizinische Terminologie benutzt haben, wurde dies zum Problem, da dann vermehrt Rueckfragen vom jeweils betroffenen Patienten via elektronischem Patientenaktenportal als „message“an den Arzt adressiert kamen, die wiederum mehr Zeit in Anspruch nahmen mit der Formulierung einer passenden und vor allem auf den Patienten zugeschnitten zufriedenstellenden Antwort. Selbstverstaendlich trifft das Problem der idealen Kommunikation zwischen Arzt und Patient auch auf den Klinikalltag zu, da jeder Arztbesuch auf das Bildungs- und Verstaendnisniveau des jeweiligen Patienten massgeschneidert sein sollte. Chief complaint: Diarrhea ? oder „I got the shits“aus dem Mund des Patienten.

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