Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

Calcitonin erhöht das Krebsrisiko


Europäische Arzneimittelbehörde EMA empfiehlt die Rücknahme der Zulassung des Nasensprays und Beschränkung der i.v. Anwendungsdauer

Eine breit angelegte Zusammenstellung der verfügbaren Daten zu (Lachs-)Calcitonin durch das Beratergremium der EMA (CHMP) ergab, dass Calcitonin mit einem höheren Risiko für Krebs in verschiedenen Formen verbunden ist. Die Krebsraten lagen zwischen 0.7% und, für die nasale Applikationsform, 2.4%. Das Komitee kam zu dem Schluss, dass das Krebsrisiko des Nasensprays größer sei als dessen Nutzen bei Osteoporose. Da der Nasenspray nur für die Indikation „Osteoporose“ zugelassen ist, wurde von der EMA der Europäischen Kommission dessen Marktrücknahme empfohlen.

Die intravenöse Zufuhr von Calcitonin ist in der Europäischen Union (EU) indiziert für den Morbus Paget, einen akuten Knochenverlust zufolge plötzlicher Immobilisierung und eine Tumorhyperkalzämie. Laut EMA soll Calcitonin intravenös beim Morbus Paget nicht länger als 3 Monate, zur Verhinderung eines akuten Knochenverlustes bei plötzlicher Immobilisierung maximal 4 Wochen lang gegeben werden.

Kommentar: Calcitonin-Nasenspray ist in der EU nur für die gesicherte postmenopausale Osteoporose zur Risikoverminderung von Wirbelfrakturen zugelassen, mit dem Hinweis, dass eine Reduktion von Schenkelhalsbrüchen nicht nachgewiesen ist. Er wurde in den letzten Jahren in Deutschland praktisch nicht mehr angewendet. Heute werden wesentlich wirksamere Präparate wie etwa die Bisphosphonate oder Raloxifen gegeben. Daß für die Tumorhyperkalzämie, im Unterschied zu den beiden anderen Indikationen für intravenöses Calcitonin, keine Beschränkung der Anwendungsdauer empfohlen wird, versteht sich von selbst.

Literatur:
Robert Lowes: Calcitonin Linked to Cancer Risk, EMA Warns.
http://www.medscape.com/viewarticle/767814_print

Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
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