Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

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Clomiphen – eine Alternative zu Testosteron bei hypogonadalen Männern


Bochum, 4. September 2023:

Im DGE-Blog wurde am 28. Oktober 2015 ausführlich über Clomiphen und eine beabsichtigte  Zulassung für eine neue Indikation zusätzlich zu der bei Frauen mit Kinderwunsch berichtet: den sekundären Hypogonadismus bei Männern mit Übergewicht/Adipositas, die kein Testosteron wollten, da noch Kinderwunsch bestand und  somit eine Spermienproduktion erfolgen sollte (1).  In der Diskussion zu mehreren DGE-Blogbeiträgen zum Thema Testosteron wurde des Öfteren nach einer Einsatzmöglichkeit von Clomiphen bei männlichem Hypogonadismus gefragt.

Am 6. Mai 2023 erschien jetzt eine Arbeit von M. Huijben et al., in der retrospektiv an einem Zentrum 153 hypogonadale Männer untersucht wurden, die mit Clomiphencitrat (CC) behandelt wurden (2). Primäres Ziel waren unter den  Hormonanalysen insbesondere das Gesamttestosteron (TT), freie Testosteron (FT),  Luteinisierungshormon (LH) und das follikelstimulierende Hormon (FH.) Sekundäres Outcome: Hypogonadale Symptome, Stoffwechsel- und Lipidparameter, Hämoglobin (Hb), Hämatokrit (Ht), Prostata-spezifisches Antigen (PSA), Nebeneffekte, das Verhalgten bei unbehandelten Männern sowie potenzielle Prädiktoren für einen biochemischen und klinischen Erfolg.

Ergebnisse

Mittelwerte für TT, FT, LH und FSH stiegen während der CC-Behandlung an, so das Gesamttestosteron  von 9 auf 16 nmol/L.  Ein Anstieg erfolgte bei 89% der Patienten. Bei denen, welche die CC-Behandlung länger fortsetzten fand sich ein angestiegener  TT-Wert auch noch nach 8 Jahren. Bei 74% der Patienten beobachteten die Patienten unter CC eine Besserung der hypogonadalen Symptome. Ein vor Therapie im unteren Normalbereich liegendes LH war ein Prädiktor  für einen guten TT-Anstieg. Nebenwirkungen wurden unter CC nur wenige berichtet, und keine klinisch bedeutsamen Veränderungen des PSA, Hb und Ht.

Die Autoren schlussfolgern, dass die Gabe von Clomiphencitrat eine kurz- und auch langfristige effektive Therapie bei männlichem Hypogonadismus darstellt, welche sowohl die klinischen als auch die biochemischen Marker gut beeinflusst, mit wenigen Nebenwirkungen und gutem Sicherheitsprofil.

Helmut Schatz

Literatur

(1) Helmut Schatz: Clomiphen bei männlichem Hypogonadismus vor der Zulassung?
DGE-Blogbeitrag vom 28. Oktober 2015

(2) M.Huijben et al.: Clomiphene citrate: A potential alternative for testosterone therapy in hypogonadal males.
Endocrinol Diabetes Metab. 2023 May; 6(3):416. DOI:10.1002/edm2.41

Posted on by Prof. Helmut Schatz
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One Response to Clomiphen – eine Alternative zu Testosteron bei hypogonadalen Männern

  1. P. Houben says:

    Als jemand, der seit Jahren eine Testosteron-Ersatztherapie durchführt (Mit Testosteron-Enanthat, selbst applizierte Injektionen, zumeist 175mg /Woche) und auch bereits Clomiphencitrat phasenweise benutzt hat, kann ich sagen, dass das subjektive Wohlbefinden unter Testosteron nicht mit dem Wohlbefinden unter Clomiphen zu vergleichen ist.

    Während ich mich unter Testosterontherapie gut und leistungsfähig fühle, fühlte ich mich bei Clomiphengabe antriebsschwach und nahezu depressiv.

    Warum man statt ein körpoereigenes Hormon zu verwenden, einen SERM dauerhaft geben sollte, um hochnormale Testosteronwerte zu reproduzieren, erschließt sich mir auch von der Logik her nicht.

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