Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

Corona und Haydn – Zwei Duplizitäten an einem Tag – Teil II: Haydn-Hymne


Graz, 19. August 2021: Blick über den Tellerrand im Sommerloch

Am gestrigen Tag, dem 18. August 2021 besuchte ich auf der Rückfahrt von St. Corona am Wechsel (1) noch die Festenburg im steirischen Joglland (2). Diese alte Ritterburg auf einem an drei Seiten steil abfallenden Felssporn gehört heute zum Augustiner Chorherren-Stift Vorau. Dort lebte und wirkte der Dichter Ottokar Kernstock, ein  Vorauer Chorherr und Priester. Geboren wurde er 1848 im damals untersteirischen Marburg an der Drau, heute Maribor in Slowenien, und starb 1928 auf der Festenburg. Als Dichter und Lyriker trug er die Bezeichnung „Der Sänger von der Festenburg“. In Österreich ist heute weitestgehend unbekannt , –  auch der Referent (H.S.) wusste es nicht – dass Ottokar Kernstock den Text schrieb, der von 1929 bis1938 nach Joseph Haydns Melodie , der der altösterreichische „Kaiserhymne“,  als offizielle Bundeshymne Österreichs gesungen wurde; Haydns Melodie übernahm nach dem ersten Weltkrieg auch das Deutsche Reich für seine Hymne, sang aber den Text des Hoffmann von Fallersleben. Dessen dritte Strophe wird auch heute seit 1991 in Deutschland verwendet. Die Melodie von Österreichs Hymne nach dem zweiten Weltkrieg stammt von Wolfgang Amadeus Mozart, der Text von der Lyrikerin Paula von Preradovic. (vgl. 3)

Ottokar Kernstocks Text für die 3 Strophen der Österreichische Bundeshymne von 1929 bis 1938:

Sei gesegnet ohne Ende  – Heimaterde, wunderhold! – Freundlich schmücken dein Gelände –  Tannengrün und Ährengold.- Deutsche Arbeit, ernst und ehrlich, deutsche Liebe zart und weich – Vaterland, wie bist du herrlich, – Gott mit Dir, mein Österreich!

Keine Willkür, keine Knechte! – Off´ne Bahn für jede Kraft! – Gleiche Pflichen, gleiche Rechte! – Frei die Kunst und Wissenschaft! – Starken Mutes, festen Blickes, – Trotzend jedem Schicksalsstreich, – Steig empor den Pfad des Glückes, – Gott mit Dir mein Österreich.

Lasst, durch keinen Zwist geschieden, und nach e i n e m Ziele schau´n!-Lasst in Eintracht und in Frieden – Uns am Heil deer Zukunft bau´n! – Unsres Volkes Jugend werde – Ihren starken Ahnen gleich! – Sei gesegnet, Heimaterde, Gott mit Dir, m ein Österreich!

(Abzuhören in mehreren Ausführungen bei YouTube, „Kernstock-Hymne“)

Ottokar Kernstock, schon 1928 gestorben, wurde später von den Nationalsozialisten wegen seiner deutschösterreichischen Gesinnung „missbraucht“, wie es der jetzige Priester der Festenburg, der Augustiner Chorherr Sigbert gestern bei der Führung durch die Burg mit dem Kernstock-Museum  ausdrückte. Abb 1 zeigt den Chorherrn am Grabkreuz von Ottokar Kernstock auf dem Bergfriedhof der Festenburg, einem der schönsten Friedhöfe der Steiermark.

Helmut Schatz

Literatur

(1) Helmut Schatz: Corona und die Haydn-Hymne: Zwei Duplizitäten an einem Tag. Teil I: Corona.
DGE-Blogbeitrag vom 18. August 2021

(2) https://austria-forum.org

(3) Helmut Schatz: Zum Jahreswechsel
DGE-Blogbeitrag von Silvester/Neujahr 2020/21

Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
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2 Antworten auf Corona und Haydn – Zwei Duplizitäten an einem Tag – Teil II: Haydn-Hymne

  1. Hemmrich sagt:

    Ulfhem
    Kleine Anmerkung eines Mozartfans zur Musik der Bundeshymne Österreichs:
    Ob die Musik zur Bundeshymne tatsächlich von Mozart stammt, dürfte wohl immer noch umstritten sein Evtl. ist sie nur einer Freimaurermusik Mozarts von anderer Seite „angehängt“ worden. Stilistische ond andere kompositorische Gründe sprechen wohl eher für eine andere Urheberschaft der Musik (Logenbruder Johann Baptist Holzer ?)

  2. Helmut Schatz sagt:

    @Hemmrich: Danke für den wichtigen Kommentar. Schon vor der Annahme der neuen Hymne im Jahre 1946 durch den Österreichischen Ministerrat bestanden Zweifel an Mozart als Komponist. Gestützt auf musikwissenschaftliche Gutachten, unterstützt von der kathol. Wochenschrift „Die Furche“ und den „Salzburger Nachrichten“ setzte sich Minister Hurdes vehement für Mozart ein. Der von Beginn an als Komponist vermutete Johann Baptist Holzer aus Korneuburg, ein Freimaurerbruder von Mozart aus einer anderen Wiener Loge wurde später durch neue
    musikwissenschaftliche Analysen wie für Mozart untypische kompositionstechnische Phrasierungen als Urheber der Melodie benannt. Da das Text- und Notenblatt, das alle österreichischen Schüler erhielten und nach welchem sie die Hymne zu singen hatten, Mozart als Komponisten und Paula (von) Preradovic als Textdichterin anführen, sind diese beiden Namen im österr.Bewußtsein verankert. Wikipedia nennt diplomatisch als „Komponisten: W.A.Mozart und J.B…

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