Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

Das Coronavirus und die Impfungen


Bochum, 2. September 2021:

Im August 2021 bat mich eine Akademische Vereinigung, für ihre Verbandszeitschrift einen allgemeinverständlichen Übersichtsartikel zu Corona und den Impfungen zu schreiben. Da unser DGE-Blog frei zugänglich ist und von vielen Interessierten, insbesondere von Patienten gerne gelesen wird, soll dieser nicht streng wissenschaftliche Übersichtsartikel ohne Literaturangaben auch im DGE-Blog Abdruck finden.

Das Corona-Virus                

Ausgehend von der Ursprungsform sind derzeit fünf Varianten des Corona-Virus näher bekannt. Dieses wird auch als SARS-CoV-19 bezeichnet und eingeteilt in die Varianten Alpha (B 1.1.7), Beta (B 1.351), Gamma (B 1.1.248 od. P 1), Delta (B 1.617.2) und Kappa (B 1.617.1). Von einigen der Typen sind Untervarianten bekannt, so etwa von Delta die Unterform Delta AY.3., die sich gegenwärtig stark verbreitet. Corona-Viren besitzen einen runden Kern mit spikes (Stacheln) an der Oberfläche. Die Varianten unterscheiden sich durch Mutanten des Oberflächen-key spikes-Proteins. Die Virulenz von Beta und Gamma ist höher als die von Alpha, bei Gamma und Delta findet sich eine verminderte Neutralisierug, Kappa ist vermindert virulent.

Impfarten

Es werden zwei Arten von Impfstoff zur Injektion in den Oberarmmuskel angewendet: mRNA-  und Vektor-Vakzinen.

mRNA-Vakzinen

Die mRNA (=messenger RiboNucleid Acid, Boten-Ribonukleinsäure), eine einzelsträngige Nukleinsäure überträgt die Erbinformation, wodurch der Körper des Geimpften das spezifische Eiweiß (Protein) herstellt, welches gezielte die erwünschte Immunreaktion bewirkt. Zum erleichterten Eindringen in die Zellen der geimpften Person wird die mRNA in kleinste (=nano) Fettpartikel gepackt. In dieser Form in die menschlichen Körperzellen gelangt, wird die Erbinformation in das spezielle Protein umgesetzt, so dass die Zelle selbst die erwünschte Immunreaktion in Gang setzt. Mit anderen Worten: Die injizierte Substanz, die mRNA, bewirkt selbst keine Immunantwort und wird bald wieder vom Körper abgebaut.

Im Dezember 2020 wurde weltweit erstmals eine solche mRNA-Vakzine zugelassen. Die zuständige britische Behörde erteilte wegen der Dringlichkeit rasch eine Notzulassung für den SARS-CoV-2- Impfstoff Tozinameran, der von der deutschen Firma BioNTec unter Leitung eines deutschen Forscherpaares mit türkischen Wurzeln entwickelt wurde und zusammen mit der US-Firma Pfizer produziert und weltweit vertrieben wird. Zur Frage der Sicherheit: RNA-Impfstoffe wurden schon vor vielen Jahren und über eine lange Zeitperiode auf „efficacy and safety“ am Menschen für andere Infektionserkrankungen und auch bestimmte Krebsarten getestet und haben sich als sicher erwiesen.

Vektor-Impfungen

Das Genmaterial für das oder die gewünschten Erregerantigene wird zunächst in das Erbgut von sogenannten Vektor-Viren eingebracht. Dies sind nicht-pathogene (=nicht krankheitserregende )Viren, die in die menschlichen Zellen eindringen. Sie täuschen dann dem Körper eine Infektion vor und bewirken die erwünschte Antikörperproduktion durch die Zellen. So wurde z.B. vom Deutschen Zentrum für Infektionsforschung auch für eine Corona-Vakzine ein schon lange bekanntes, abgewandeltes Pocken-Virus verwendet, das man für einen Pocken-Impfstoff eingesetzt hat. Auch das Masernimpfvirus und weitere, für den Menschen nicht pathogene Viren , etwa Adenoviren wie von AstraZeneca/Oxford können als Vektor für Vakzinen eingesetzt werden. Die menschlichen Zellen produzieren dann das körperfremde Oberflächen-(Spike-) Protein, welches die Immunreaktion auslöst.

Zugelassene Impfstoffe

BioNTec/Pfizer und Moderna sind mRNA-Vakzinen.

AstraZeneca/Oxford und Johnson&Johnson/Janssen sind Vektor-Vakzinen.

Auf der Welt gibt es noch viele andere COVID-19-Vakzinen wie in Russland Sputnik V, ein zweistufiger Vektor-Impfstoff, der gegenwärtig für das Delta-Virus modifiziert wird, oder in mehreren Formen sowohl in China als auch in Indien, der heutigen „Apotheke der Welt“. Indien produziert übrigens heute etwa die Hälfte aller Impfstoffe der ganzen Welt.

Nebenwirkungen

So wie bei allen Impfungen können Nebenwirkungen wie allergische Reaktionen, Fieber, Schmerzen im Injektionsbereich und andere auftreten. Schwere Erkrankungen wurden äußerst selten beobachtet, so nach mRNA-Impfungen Herzmuskelentzündungen, nach Vektor-Impfungen Sinusvenenthrombosen, Thrombozytenabfälle, multiple kleine intrazerebrale Blutungen und weitere Erkrankungen Ob stets ein kausaler Zusammenhang besteht, ist nicht eindeutig geklärt. Das Nutzen-Risiko-Verhältnis spricht jedenfalls klar für die Durchführung einer Covid-19-Impfung.

Welcher Impfstoff für welche Altersgruppe? Wie oft: zweimal –  dreimal – nur einmal?

Wann Wiederholung? Erfolgsraten?

Die Empfehlungen zu diesen Themen ändern sich rasch. Daher sollen hier zu den ersten Fragen keine detaillierten Angaben gemacht werden.

Zu den Erfolgsraten: Von Seiten der Hersteller und Behörden werden die präzisen Zahlen aus den Testkollektiven genannt. Danach ist der Schutz ist mit mRNA-Vakzinen etwas höher als mit Vektor-Impfstoffen. Interessant sind die Ende August 2021 bekanntgegebenen Zahlen der britischen ZOE COVID-Study, basierend auf >1.2 Millionen Tests und Informationen, somit aus der „real world“. Mit ausgewertet wurden die Daten vom renommierten King´s College in London. Nach Impfung mit BioNTec/Pfizer, dessen maximale Erfolgsrate nach der 2. Vakzination mit 96.2% angegeben wurde, lag der Impfschutz nach 1 Monat noch bei 88%, nach 5-6 Monaten nur mehr bei 74%. Zahlen für AstraZeneca/Oxford: Nach 1 Monat 77%, nach 5-6 Monaten 67%. Der führende Autor der Studie meint, dass im Winter 2021 weniger als die Hälfte aller Älteren und im Gesundheitsdienst tätigen Personen keinen Impfschutz mehr haben könnte. In Deutschland sollen, wie bekanntgemacht, Personen, die bereits zweimal eine Vakzine wie etwa BioNTec erhalten haben, ein drittes Mal geimpft werden. Ein Kommentator der ZOE COVID-Studie betont dass die Daten zeigen, dass wir uns zum Schutz vor einem Ausbreiten des COVID-19 Virus nicht allein auf die Impfung verlassen dürfen.

Abschließend soll darauf hingewiesen werden, dass es nicht nur Impfversager gibt, also Personen, die auf eine Impfung nicht reagieren, sondern auch Impfdurchbrüche, d.h., dass erfolgreich Geimpfte (und auch Genesene) an COVID-19 (erneut) erkranken können.

Helmut Schatz

Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
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8 Antworten auf Das Coronavirus und die Impfungen

  1. I. Schröter sagt:

    Zur besseren Zuordnung sei noch die Herkunft der Varianten erwähnt, die oftmals als deren alleinige Bezeichnung gebraucht wird.

    „Variants of Concern“:
    Alpha: Großbritannien
    Beta: Südafrika
    Gamma: Brasilien
    Delta: Indien

    „Variant under Investigation“:
    Kappa: Indien

    Die Delta-Variante hat laut RKI in Deutschland mittlerweile einen Anteil von 99% Prozent der Neuinfektionen (August 2021).

    „Die unterschiedlichen Varianten des Coronavirus werden nun nach den Buchstaben des griechischen Alphabets benannt, um eine Stigmatisierung der Länder zu vermeiden, in denen sie erstmals entdeckt wurden.“
    Quelle: http://www.zusammengegencorona.de/informieren/basiswissen-zum-coronavirus/virusvarianten/

  2. Johannes W. Dietrich sagt:

    @I._SCHRÖTER: Das Wort „Herkunft“ sollte man vielleicht besser als „Land der Erstbeschreibung“ bezeichnen.

  3. Helmut Schatz sagt:

    Im September 2021 soll NOVAVAX von einer amerikanischen Firma zur Covid-19-Impfung zugelassen werden. Es ist eine Proteinvakzine, die man zu den Totimpfstoffen zählt. Das Protein des Sars-Virus, gegen das die Zellen der geimpften Person Antikörper bilden sollen, wird in vitro produziert und muss nicht wie bei mRNA- und Vektorvakzinen vom Körper gebildet werden. Die Phase III-Studien zeigten 90% Erfolgsrate. Grippeimpfstoffe und auch andere Vakzinen beruhen auf dieser Technik.

  4. Helmut Schatz sagt:

    Am 2. September 2021 konnte man in „Nature NEWS“ lesen, dass in Indien erstmals ein DNA-Impfstoff gegen Corona eine Notfallzulassung erhielt. Dieser muß nicht injiziert werden, sondern er wird auf die Haut aufgebracht. Dieser Impfstoff des indischen Pharmaunternehmens Zydus Cadila enthält Plasmid-DNA, die für das Spike-Protein des Corona-Virus kodiert. Die Plasmid-DNA kann sich nicht replizieren und wird auch nicht in die menschliche DNA eingebaut. Die Immunzellen unter der Haut nehmen sie auf und schreiben sie dort in mRNA um. Diese wird dann im Zytoplasma abgelesen, sodass an den Ribosomen das Spike-Protein synthetisiert werden kann, das als Antigen die Immunantwort bewirkt Die Endstrecke ist somit gleich wie bei mRNA- oder Vektor-Impfstoffen, sodass Vektor-bedingte Nebenwirkungen wegfallen.

  5. Triebel sagt:

    Ihr Artikel entspricht nicht dem Forschungsstand:
    1. 99 Prozent der Menschen sind gegen das Virus immun.
    2. Das Medianalter der Menschen, die mir dem Virus sterben, ist 84 Jahre.
    3.Die Impfungen haben zu hunderttausenden von Toten geführt.
    4.Es gibt schwerwiegende Wirkungen der Injektionen teilweise mit bleidenden Schäden.
    5.Die Langzeitwirkungen sind völlig unbekannt.

    Litertatur: Lancet und diverse Artikel neuesten Darums

  6. Karena Walter sagt:

    Lieber Herr Professor Schatz,

    ich hatte im Sommer einen heftigen Rückfall meiner rezidivierenden Hashimoto Enzephalopathie und traue mich jetzt nicht , mich impfen zu lassen. Nach Erhöhung meiner Medikamente ( Armour Thyroid auf 120 mg und Prednisolon auf 10 mg ) geht es mit nun endlich wieder besser.
    Da ich gelesen habe, dass die “ Enzephalopathie – Folge von Impfungen“ , Tisani Verlag / sein können, befürchte ich einen Rückfall durch eine Corona -Impfung. Was meinen Sie?

    Mit freundlichen Grüßen

    K.W.

  7. Helmut Schatz sagt:

    Liebe Frau Walter, nach den europ. Angaben zählt Hashimoto NICHT zu den Autoimmunerkrankungen, die sich nach Corona-Impfung verschlechtern. Dennoch kann man dies nicht völlig ausschließen. Das Ridiko, ungeprüft eine schwere Corona-Erkrs kung zu erleiden ist aber um ein Vielfaches höher als nach Impfung evtl.eine Hashimoto-Verschlechterung zu erleiden, die man, sollte sie aber tatsächlich erfolgen, was sehr unwahrscheinlich ist, man doch gut behandeln könnte.

  8. Helmut Schatz sagt:

    Am 9. April 2021 wurde in unserem DGE-Blog eingehend zum Thema Covid-19 und Hashimoto diskutiert.

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