Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

Das COVID-19-Virus kann – ebenso wie auch andere Viren – eine subaktute Thyreoiditis De Quervain verursachen


Bochum, 1. Juni 2020:

Im J.Clin.Endocrinol.Metab. (JCEM) erschien am 21. Mai 2020 „the first report“, wie es die Autoren aus Pisa nennen, über eine Subakute Thyreoiditis De Quervin (SAT) nach Coronainfektion (1). Eine 18-jährige Frau erholte sich in wenigen Tagen  von ihrer milden COVID-19 Infektion mit Rhinorrhoe und Husten. 15 Tage nach dem vorher positiven Corona-Test trat leichtes Fieber von 37.5 Grad Celsius auf, mit  den typischen Symptomen für eine SAT wie Müdigkeit, Abgeschlagenheit, schmerzhafter, vergrößerter Schilddrüse und eine Tachykardie als Folge einer initial hyperthyreoten Phase.  TSH lag unter der unteren Nachweisgrenze, fT4 und fT3 waren gering über dem oberen Referenz-Grenzwert. Thyreoglobulinantikörper waren höher positiv, TPO-AK und TRAK negativ. Mehrfach im Artikel schreiben die Autoren , dass die Entzündungszeichen Blutsenkung, CRP und Leukozyten „hoch“ waren. Im Ultraschall das typische an betroffener Stelle echoarme Muster. Es wurde sofort mit Prednisolon begonnen. Die klinischen Symptome bildeten sich nach 2 Tagen zurück und die Laborwerte normalisierten sich.

Kommentar

Mancher mag sich fragen, was das JCEM veranlasst hat, diese Arbeit zu publizieren, ausser dass in Verbindung mit dem Coromavirus auch eine Subakute Thyreoiditis aufgetreten ist. Sonst bringt nichts Neues und ist in ihrer Diktion auch nicht ganz sachgerecht. Es wird in der Arbeit mehrfach von „hohen Leukozyten“ bei hoher Blutsenkung und hohem CRP gesprochen. Sieht man sich die Zahlen in der Tabelle in der Publikation an, so lagen die Leukozyten bei 11 200 /l, bei einer oberen Normgrenze von 11.000 /l.

Die seit Jahrzehnten in der Thyreologie geltende Faustregel für die Diagnose einer SAT lautet: „Hohe Blutsenkung, (hohes CRP), normale Leukozyten“ bei einer schmerzhaften Schilddrüse typisch für die SAT. Der Referent hat 1975 in der Deutschen Medizinischen Wochenschrift seine Untersuchungsergebnisse bei 31 Patienten mit Thyreoiditis De Quervain publiziert, die er,  zum Teil in den 1960er Jahren an der II. Medizinischen Universitätsklinik in Wien gesehen und behandelt hatte (2). Davon waren damals 15 Fälle bioptisch durch den Befund von Riesenzellen gesichert worden. Die Leukozytenzahl lag 27x unter 9000, nur 4x bei 9000-12 000, nie höher.

 Tabelle  mit den eigenen Daten (aus Lit.2 ):

Die Autoren aus Pisa gaben sofort Prednisolon, was in wenigen Tagen Schmerzfreiheit bewirkte, mit Rückgang der pathologischen Parameter. In der Diskussion schreiben sie, dass die Gabe von Glukocorticoiden aber umstritten sei und zitieren dazu eine Arbeit von Fatourechi et al. (3). Der Referent hatte Corticoide nur bei 5 seiner 31 Fälle wegen heftiger, anhaltender Schmerzen geben müssen, ansonsten ist er mit Antiphlogistika und, wenn keine initial hyperthyreote Phase vorlag, zusätzlich Schilddrüsenhormon gut ausgekommen. Grund dafür war, dass nach Corticoiden manchmal chronische Verläufe über 1 Jahr lang vorkommen können (vgl. 3).

Warum im DGE-Blog über diese Publikation überhaupt berichtet wird? Weil dem Referenten der Befund von  „Hohen Leukozyten“ ohne jegliche Diskussion darüber auffiel, und wegen der mehrfach gebrauchten Passage „This is the first  report…“, die gemäß den Autorenrichtlinien führender Medizinjournale nicht gebraucht werden sollte:  „…..such statements are unwarranted“.  Weshalb dies vom JCEM nicht gestrichen wurde, entzieht sich der Kenntnis des Referenten.

Helmut Schatz

Literatur

(1) Alessandro Brancatella et al.: Subacute Thyroiditis After Sars-COV-2 Infection.
J. Clin. Endocrinol. Metabol. July 2020, dgaa276101, published 21 May 2020.
https://doi.org/10.1210/clinem/dgaa276

(2) Helmut Schatz; Zur Thyreoiditis de Quervain. Dtsch. Med. Wschr. 1975, 100(46): 3277

(3) V. Fatourechi et al.: Clinical features and outcome of subacute thyroidits in an incidence cohort: Olmsted County, Minnesota Study.
J.Clin. Andocrinol. Metabol. 2003. 88(5):2100-2005

Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
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3 Antworten auf Das COVID-19-Virus kann – ebenso wie auch andere Viren – eine subaktute Thyreoiditis De Quervain verursachen

  1. Fritz Hofmann sagt:

    Aus Pisa wäre zu Zeiten von Aldo Pinchera diese Publikation gewiss nicht so herausgegangen.

  2. Latrofa Francesco sagt:

    If you have comments or question about our paper, you can write to the JCEM. I will be glad to reply.

  3. Helmut Schatz sagt:

    Dear Dr. Latrofa, please feel free to post your comments to the JCEM publication and also to mý criticism directly.

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