Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

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Datenmanipulation in der ADVOCATE-Studie mit Avacopan (TAVNEOS®): Zulassungsentzug in der EU bevorstehend, von der FDA strenge Auflagen


Bochum, 21. Juli 2026:

Avacopan ist ein Komplement-Inhibitor, Handelsname Tavneos®, der von der FDA und auch in der EU im Januar 2022 in Kombination mit   Rituximab oder Cycophosphamid zur Therapie bei Erwachsenen mit schwerer aktiver Granulomatose mit Polyangiitis oder mikroskopischer Polyangiitis zugelassen wurde. Diese zählen zu den Autoimmunerkrankungen. Die Freigabe beruhte auf der ADVOCATE-Studie, in der die Patienten randomisiert und doppelblind nach 52 Wochen unter Avocapan im Vergleich zu Prednisolon, das ausgeschlichen wurde, signifikant häufiger in eine anhaltende Remission kamen. Dies war einer der primären Endpunkte der Studie. Dieser Unterschied war ursprünglich nicht signifikant, aber Mitarbeiter der Firma manipulierten die Daten so über die gezielte Auswahl von neun Patienten ohne anhaltende Remission, für die die Endpunkte erneut verblindet wurden, dass sich ein signifikanter Vorteil für den Komplement-Inhibitor ergab. Die Firma Amgen, die mittlerweile die Firma ChemoCentrys übernommen hatte, welche ursprünglich das Medikament entwickelt hatte, beantragte mit den neuen, manipulierten Daten bei der FDA   die Zulassung. Diese wurde aber wegen der falschen Daten zurückgewiesen (1,2).  Die geplante Publikation der ADVOCATE-Studie wurde zurückgezogen. Einem nicht dokumentierten positiven Effekt von Avocapan stehen schwere Nebenwirkungen entgegen, so Hepatotoxizität und ein Gallenverlust-Syndrom, von denen bis Oktober 2024 der FDA 74 schwerwiegende Fälle, darunter 8 tödliche bekannt wurden.

Kommentar:

In unserer DGE wird von mancher Seite immer wieder im Internet behauptet, die Ärzte, insbesondere Chefärzte, seien „Knechte der Pharmaindustrie und die Firmen wollten nur Geld verdienen; sie würden Studien, die nicht in ihrem Sinne seien, nicht zur Publikation bringen“. Dem wurde insofern schon vor schon längerer Zeit begegnet, dass geplante Studien vorab bei der WHO-Institution ClinicalTrials.gov. oder auch bei anderen nationalen Registern wie in Deutschland dem BfArM gemeldet werden müssen- Von den führenden, großen Medizinzeitschriften wurde festgelegt, dass Studien nicht publiziert werden, wenn sie nicht an den entsprechenden Stellen gemeldet wurden, mit Angabe des Designs, der Patientenzahl etc. und der Genehmigung durch die zuständige Ethikkommission.

Der Referent (H.S.) hat selbst an zahlreichen Multicenter-Studien teilgenommen und diese z.T. auch geplant. Es ging nach seiner Kenntnis immer korrekt zu und Manipulationen sind ihm nicht bekannt geworden. Das Manuskript für die Veröffentlichung wurde häufig von Ghostwritern der Sponsor-Firma verfasst und der Referent bekam es zur Durchsicht und ggf. Korrektur. Dafür wurden ihm bei Übernahme einer angebotenen Erstautorenschaft manchmal 4 bis 5-stellige Beträge (DM, Euro) offeriert, die er, wenn das Manuskript in seinem Sinne in Ordnung war oder gebracht wurde, auf das Forschungskonto seiner Klinik überweisen ließ.

Der Manuskriptentwurf des Ghostwriters enthielt fast immer alle Daten richtig und es fand sich nichts Falsches. Der Text war aber verbal so geschickt abgefasst und ungleich gewichtet, dass man beim Lesen ausführlich die Vorteile des Medikaments dargestellt fand, während die  Nachteile zwar auch angesprochen wurden, aber – gleichsam versteckt – nur in einem kurzen Nebensatz. Dann forderte er die Firma mit ihrem Ghostwriter auf, umzuformulieren und richtig zu gewichten.

Abgesehen von solchen Einzelfällen möchte der Referent aber betonen, dass ohne die forschende Pharmaindustrie der medizinische Fortschritt in keiner Weise so groß wäre wie er heute ist.

Helmut Schatz

Literatur

(1) Datenmanipulation – Polyangiitits-Mittel Avacopan (TAVNEOS) soll Zulassung entzogen werden.
arznei-telegramm 2026, Jg.57, Nr.7, Seite 58

(2) EMA: Pressemitteilung vom 26. Juni 2026.
https://a-turl.de/8uqv

Posted on by Prof. Helmut Schatz
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