Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

Bitte beachten Sie den Haftungsausschluss für medizinische Themen.

+ Unser Mitglied Dr. Frank Demtröder, Dortmund, im 68. Lebensjahr verstorben


Bochum und Dortmund, 16. Juni 2026:

Im Jahre 2019 richtete Dr. Frank Demtröder als Tagungspräsident in Dortmund die 24. Jahrestagung der Nordrhein-Westfälischen Gesellschaft für Endokrinologie und Diabetologie aus. Darüber berichtete die DGE in einem Blogbeitrag (1):

„Diese Tagung war hervorragend organisiert und mit 250 Teilnehmern für eine Regionaltagung außergewöhnlich gut besucht, von Endokrinologen, Diabetologen, Allgemeinmedizinern, medizinischem Fachpersonal und auch Angehörigen weiterer Berufsgruppen. Workshops für Diabetesberater*innen und Endokrinologieassistent*innen ergänzten das wissenschaftliche Programm.  Am 2. Tag wurde auch über „Menschen an der Grenze des Lebens“ diskutiert: Die Thematik „Hormonsubstitution bei sterbenden Menschen?“  behandelte unser DGE-Mitglied Matthias Böhme aus Dortmund (welcher den DGE- Nachruf verfasste).  Das Schlussreferat hielt der Tagungspräsident selbst. Er berichtete als seit seiner Kindheit Rheuma- Betroffener und in der Deutschen Rheuma-Liga aktiver Arzt, wie man mit einer chronischen Erkrankung umgehen müsse, um trotz der Beeinträchtigungen ein normales und sinnerfülltes Leben führen zu können. Dazu zitierte er den dänischen Philosophen, Theologen und Schriftsteller Soren Kierkegaard mit dem Ausspruch:

„Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit“.

Deswegen solle sich ein Betroffener nie mit Nicht-Betroffenen oder Anders-Betroffenen vergleichen. Vielmehr sei es entscheidend, jegliche Verzweiflung zu überwinden durch den festen Glauben, dass alles möglich sei, wenn man sein Selbst mit all seinen Stärken und Schwächen akzeptiere und verwirkliche. Durch solche SELBST-Hilfe könne man ein glückliches, zufriedenes und erfülltes Leben führen, wie er überzeugend mit Wort und eigener Biographie darlegte“.

Jetzt ist Frank Demtröder im 68. Lebensjahr verstorben. Sein oben genannter langjähriger Kollege und Freund Matthias Böhme verfasste unseren Nachruf.

Helmut Schatz, Bochum

***

Nachruf

In tiefer Trauer nehmen wir Abschied von Dr. med. Frank Demtröder, der am 26.05.2026 im Alter von 68 Jahren verstorben ist. Nach seinem Studium der Humanmedizin, anfangs auch der Theologie, in Münster absolvierte er seine Facharztausbildung am Klinikum Dortmund bei Prof. Dr. med. Torsten-Udo Hausamen. Nach dem Erwerb der Zusatzqualifikation Endokrinologie und Diabetologie am Allgemeinkrankenhaus in Hagen bei Prof. Dr. med. Johann Peter Nordmeyer etablierte Dr. Demtröder am Klinikum Dortmund den Schwerpunkt Endokrinologie und Diabetologie. Zur Ergänzung der stationären Patientenversorgung gründete er 2007 zusammen mit dem MVZ Dr. Eberhard & Partner (ÜBAG) das heutige Zentrum für Endokrinologie, Diabetologie, Osteologie und Rheumatologie im Hansakontor und Klinikum Dortmund. Bis zu seinem Tod leitete er das Zentrum mit dem modernen Ansatz einer umfassenden Patientenversorgung durch konsequente sektorübergreifende Kooperation zwischen Krankenhaus und niedergelassenem Bereich.

Neben seiner ärztlichen Tätigkeit am Klinikum und im MVZ nahm Dr. Demtröder seine Verantwortung für die nachfolgende Generation u.a. als Lehrbeauftragter der Medizinischen Universität Witten-Herdecke wahr, durch die Ausbildung von PJ-Studenten der medizinischen Fakultät Münster sowie bei der Weiterbildung und Zusatzqualifikation von Internistinnen und Internisten im Bereich Endokrinologie und Diabetologie. Außerdem engagierte er sich als Vorstand der Deutschen Rheumaliga NRW und in zahlreichen Fachgesellschaften/ Ausschüssen als Gutachter oder Fachbeirat.

In der täglichen Arbeit als Mediziner galt Dr. Demtröders besonderes Augenmerk der wirksamen Unterstützung von Patientinnen und Patienten. So setzte er sich beispielsweise ein für Selbsthilfegruppen im Bereich Rheumatologie und gründete seinerseits die Selbsthilfegruppe „SPHYNX“ für Patienten mit Erkrankungen der Nebenniere und Hypophyse in Dortmund. Aufgrund seiner doppelten Sichtweise als Arzt und zugleich als lebenslanger Patient konnte er die Perspektive der Betroffenen in Bezug auf die Behandlung in die Entwicklung von Therapieprogrammen und Leitlinien einbringen. Schon während seiner Klinikzeit zählte er zu den ersten Medizinern, die die Notwendigkeit der Schulung von Patienten als essentiell für das bessere Verständnis der Erkrankung und mithin die erfolgreiche Therapie erkannten. Er wollte Diabetes-, Rheuma- oder Osteoporose-Erkrankten Möglichkeiten aufzeigen, die eigene Krankheit besser zu verstehen, selbst zu managen und sich damit Freiräume für das Leben zurückzuerobern.

Neben den unverzichtbaren Aufgaben einer beständig wachsenden medizinischen Praxis ist das Zentrum von Dr. Demtröder mit den großzügigen Räumlichkeiten des MVZ zu einem Ort geworden, an dem Patientinnen und Patienten die Möglichkeit zum gegenseitigen Austausch und zum direkten Gespräch mit den Behandelnden auf Augenhöhe haben. Die persönlichen Erfahrungen der Patienten mit ihren Erkrankungen prägen so die tägliche Arbeit des gesamten Teams der Praxis bis heute.

Das von Dr. Demtröder gegründete Zentrum für Endokrinologie, Diabetologie, Osteologie und Rheumatologie hat durch die sektorübergreifende Kooperation zwischen dem MVZ Dr. Eberhard & Partner Dortmund (ÜBAG) und dem Klinikum Dortmund von Beginn an einen vorbildhaften Weg beschritten. Durch die intensive Zusammenarbeit des Zentrums mit Patienten und deren Selbsthilfegruppen sind zudem neue Maßstäbe in der Patientenversorgung gesetzt worden. Darüber hinaus hat sich das Zentrum durch medizinische Fortbildungsveranstaltungen zu einem Ort des kollegialen Austauschs entwickelt. Diese, nach allen Seiten hin kooperative Form der ärztlichen Tätigkeit ist in seiner Einzigartigkeit noch immer ein Leuchtturm der medizinischen Versorgungslandschaft Deutschlands.

Frank Demtröders Persönlichkeit war geprägt durch große Klugheit und weiten Horizont, durch außergewöhnliche Kraft, die selbst massive Grenzen überwinden konnte, durch ein weites Herz mit ausreichend Platz für Humor. Nur eines konnte er nicht tolerieren: Aus Trägheit oder Engstirnigkeit sich nicht dem Gegenüber zuzuwenden.

Er bleibt ein Vorbild an hoher fachlicher Kompetenz, persönlicher Zuwendung gegenüber Patienten, aber auch durch sein immenses Arbeitspensum und seinen unerschütterlichen Optimismus.
Er wird sehr fehlen.

Matthias Böhme, Dortmund

Literatur

(1) Helmut Schatz: Ein hochinteressantes Tagungsprogramm, wie es in seiner Breite besser kaum sein kann.
DGE-Blogbeitrag vom 4. Februar 2019

Posted on by Prof. Helmut Schatz
This entry was posted in Allgemein. Bookmark the permalink.

One Response to + Unser Mitglied Dr. Frank Demtröder, Dortmund, im 68. Lebensjahr verstorben

  1. Andreas Urbanek says:

    Betroffen sein in zweierlei Bedeutung: Als Patient der Praxis Dr. Demtröder, aber auch innerlich. Mein Endokrinologe war ein außergewöhnlicher Arzt: kompetent, warmherzig, humorvoll. Als ich erstmalig das Behandlungszimmer betrat, streckt er mir seine Hand entgegen und um genau zu beobachten, wie ich reagiere. Ich nehme, drücke, schüttle sie ganz selbstverständlich und ernte ein strahlendes Lächeln. Test bestanden.

    „Danke, dass ich einen Termin bei Ihnen bekommen habe“.
    „Mich interessieren ja vor allem die komplizierten Fälle… und Sie sind ein komplizierter Fall. Schauen wir, was ich für Sie machen kann.“

    Das geschah vor 10 Jahren… oder waren es 20?
    Heute musste ich lesen, dass Sie von uns gegangen sind.
    Ruhen Sie in Frieden, lieber Doktor.

Bitte kommentieren Sie diesen Beitrag!

- Kommentare sind auf 1000 Zeichen beschränkt. Bei Umgehen dieser Regelung durch mehrere aufeinanderfolgende Kommentare werden diese gelöscht.
- Wir schätzen eine wissenschaftlich-sachliche Diskussion.
- Bei erbetenen Fernberatungen hat der Leser zu entscheiden, inwieweit er seine persönlichen Daten öffentlich bekanntgeben möchte (Datenschutz!)

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

 Verbleibende Zeichenanzahl

Mit dem Absenden des Formulars erklären Sie sich mit der Verarbeitung der übermittelten Daten einverstanden. Details hierzu finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.