Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

Wie glücklich und zufrieden sind die Ehe-/Lebenspartner von Ärzten und Ärztinnen?


Bochum, 16. April 2013

Nach einem Bericht in den Proceedings der Mayo Clinic vom März 2013 über eine US-weite Erhebung sind 87% der Ehe- und Lebenspartner von Ärztinnen und Ärzten mit ihrer Beziehung zufrieden. Als wichtigster Faktor dafür ergab sich das Ausmaß der gemeinsam verbrachten Zeit pro Tag. Ungünstig war, je öfter pro Woche der Partner rufbereit sein musste (1).

Waren bisher die meisten Erhebungen über die Zufriedenheit bei den Ärzten/innen selbst vorgenommen worden, so befragten diesmal die Autoren (1) 1644 Gatten/innen und Lebenspartner/innen von Ärzten/innen. 54% antworteten, davon waren 73% Frauen und 27% Männer. 87% hatten Kinder, und 80% lebten schon länger als 10 Jahre mit ihren ärztlichen Partnern zusammen. 87% waren mit ihrer Beziehung „zufrieden“, 55% gaben an, „extrem zufrieden“ zu sein. Wichtigster Faktor waren die freien Minuten füreinander: Unter den Paaren mit höchstens 20 min gemeinsamer Zeit pro Tag waren nur etwas mehr als 20% „extrem zufrieden“. Dieser Prozentsatz stieg mit der Zeitdauer und erreichte bei >120 min/Tag mehr als 70% hochzufriedene Partner. Umgekehrt war der Grad der Zufriedenheit negativ korreliert mit der Anzahl der Tage mit Rufbereitschaft (Abbildung).

Kommentar

„Show me a doctor whose wife is happy, and I´ll show you a man who´s neglecting his practice” – so lautet ein amerikanischer Kalauer. Diese Meinung dürfte auch in Deutschland von manchen geteilt werden. Die Untersuchung von Shanafelt et al. (1) in den USA widerlegt diese gängige Auffassung. Die Zufriedenheit in Partnerschaften von Ärzten/innen unterscheidet sich danach nicht von der in der Durchschnittsbevölkerung. Und dies, obwohl die befragten Personen angaben, dass ihr nach Hause kommender ärztlicher Partner mindestens mehrmals pro Woche gereizt (34%), zu müde für eine häusliche Tätigkeit (43%) oder noch gedanklich bei den Patienten (46%) gewesen sei. In den letzten 12 Monaten hätte nur etwa jeder/jede Zehnte an eine Trennung gedacht. Und 81% gaben an, wieder einen ärztlichen Partner zu wählen (2). Noch zu untersuchen wäre allerdings, wie Frau Dr. M. Warner in einem Editorial dazu schreibt, ob ein Unterschied besteht zwischen Partnerschaften eines ärztlichen mit einem nichtärztlichen Teil und solchen, bei denen beide Teile Ärzte waren (10%), oder ein Teil einen anderweitigen medizinischen Beruf hatte (31%).

Wenn man davon ausgeht, dass eine Erhebung in Deutschland nicht viel anderes ergeben würde als in den USA, dann kann unser Berufsstand mit den zwischenmenschlichen Beziehungen trotz aller beruflichen Belastung doch zufrieden sein…

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Literatur

(1) T.D. Shanafelt et al.: The Medical Marriage: A National Survey of the Spouses/Partners of US Physicians. Mayo Clinic Proceedings 2013. 88(3): 216-225
http://www.mayoclinicproceedings.org/article/S0025-6196%2812%2901187-1/abstract

(2) R. Lowes: Most Physicians´Spouses, Partners Say They´re Happy
http://www.medscape.com/viewarticle/782418_print

Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
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Eine Antwort auf Wie glücklich und zufrieden sind die Ehe-/Lebenspartner von Ärzten und Ärztinnen?

  1. Jurek Arnolt sagt:

    Das ist sehr interessant und entspricht ja absolut dem Trend in der „normalen Bevölkerung“. Es gab da eine Umfrage im Partner-Portal Elite-Partner. Da kam heraus, dass 90% derjenigen, die in Partnerschaften leben, glücklich und zufrieden sind. Die Zahlen sind also ganz ähnlich. Was man auch erfuhr: Die Beziehungen werden glücklicher, aber halten nicht so lange. Ist das bei den Medizinern auch so?

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