Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

Bitte beachten Sie den Haftungsausschluss für medizinische Themen.

Empagliflozin nach akutem Myokardinfarkt ohne Nutzen für Herzinsuffizienz oder Tod


Bochum, 16. April 2024:

Im Zentrum des öffentlichen Interesses stehen zur Zeit  die beiden ursprünglich für den Typ-2-Diabetes entwickelten Medikamente aus den Gruppen der GLP-1-Agonisten und der SGLT-2-Hemmer. Während um die „Abnehmspritze“ Wegovy/Ozempic (Semaglutid, Firma Novo Nordisk), wohl bald auch um  das kürzlich in der EU  ebenfalls zur Gewichtsreduktion zugelassene Zepbound /Mounjaro (Tirzepatid, Firma Lilly) ein regelrechter Hype in den Medien wie  Presse und Fernsehen herrscht, werden die SGLT-2-Hemmer wie z.B. das Empagliflozin und das Dapagliflozin schon länger in großem Maße auf die  positiven Auswirkungen auf das Herz und Nieren untersucht.

Enttäuschend war daher die am 6. April 2024 publizierte Studie über einen fehlenden signifikanten Nutzen von Empagliflozin bei Patienten nach akutem Myokardinfarkt auf das primäre Endergebnis „Hospitalisation wegen Herzinsuffizienz oder  globaler Tod“ (1).

Methodik

Je ~3.200 Patienten wurden innerhalb von 14 Tagen nach Hospitalisation wegen eines Herzinfarktes in einer randomisierten,  plazebokontrollierten Doppelblind-Studie (RCT) für im Median  ~ 1 ½ Jahre kontrolliert. Empagliflozin und Plazebo wurden zusätzlich zur Standardmedikation verabfolgt.

Ergebnisse

Der primäre Endpunkt (s.o.) trat bei 267 Patienten (8.2%) unter Empagliflozin (10 mg tgl.) auf, unter Plazebo bei 298 Patienten (9.2%) , die Inzidenzraten betrugen 5.9 vs. 6.6 Ereignisse pro 100 Patientenjahre (HR, 0.90; 95% CI, 0.76 – 1.06; p= 0.21). Einzelne Komponenten des Komposit-Endpunktes: Erste Hospitalisation wegen Herzinsuffizienz : 118 Patienten (3.6%) unter Empagliflozin, 153 Patienten (4.7%) unter Plazebo. Tod jeglicher Ursache:  169 (5.2%) vs. 178 (5.5%). Die Rate unerwünschter Nebenwirkungen war in beiden Gruppen gleich.

Kommentar

Die Autoren kommentieren zusammenfassend (Conclusions):

Among patients at increased risk for heart failure after acute myocardial infarction, treatment with empagliflozin did not lead to a significantly lower risk of a first hospitalization for heart failure or death from any cause than placebo“. 

Helmut Schatz

Literatur

(1) Javed Butler et al.: Empagliflozin after Acute Myocardial Infarction (EMPACT-MI Trial).
NEJM April 6, 2024. DOI: 10.1056/NEJMoa2314051

Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein abgelegt und mit verschlagwortet. Permalink.

Bitte kommentieren Sie diesen Beitrag!

- Kommentare sind auf 1000 Zeichen beschränkt. Bei Umgehen dieser Regelung durch mehrere aufeinanderfolgende Kommentare werden diese gelöscht.
- Wir schätzen eine wissenschaftlich-sachliche Diskussion.
- Bei erbetenen 'Fernberatungen' hat der Leser zu entscheiden, inwieweit er seine persönlichen Daten öffentlich bekanntgeben möchte (Datenschutz!)

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

 Verbleibende Zeichenanzahl

Mit dem Absenden des Formulars erklären Sie sich mit der Verarbeitung der übermittelten Daten einverstanden. Details hierzu finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.