Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

Anhaltende Besserung einer Endokrinen Orbitopathie 1 Jahr nach Therapie-Ende mit dem IGF-1-Rezeptorantikörper Teprotumumab


Bochum, 12. Oktober 2018:

Auf dem 88. Jahrestreffen der Amerikanischen Schilddrüsengesellschaft (ATA) in Washington, DC berichtete am 10. Oktober George J. Kahaly aus Mainz über die Nachbeobachtungsergebnisse der Studie mit dem IGF-1-Rezeptorantikörper Teprotumumab bei  Patienten mit Endokriner Orbitopathie (1). Über die Ergebnisse am Ende der 24-wöchigen Behandlungsphase durch Infusionen des Antikörpers alle 3 Wochen bei 88 Patienten wurde bereits im DGE-Blog am 17. Mai 2017 berichtet (2): Bei 29 der 42 Verum-Patienten  (=69%) wurde ein positives Ergebnis beobachtet, im Vergleich zu 9 unter 45 in der Plazebo-Gruppe (=20%). Jetzt stellte Kahaly die Ergebnisse von zwei Nachbeobachtungsperioden vor:

Nach 4 Wochen zeigten 31 der 42 (=73.8%) Patienten der Verum-Gruppe einen anhaltenden primären Response, der sich aus mindestens 2 mm Rückgang der Proptosis und einer mindestens 2-Punkte-Reduktion im klinischen Aktivitätsscore (CAS) zusammensetzte. Zum Vergleich mit den Daten nach Plazebo: 6 von 45 (13.3%, p<0.001).

– Nach insgesamt 72 Wochen, also 48 Wochen nach Therapieende, hielt der positive Teprotumumab-Effekt bei etwa der Hälfte der Patienten (53.3%) an.

In der gesamten Zeit wurde in der Verumgruppe 3x bei 2 Patienten an der Orbita operiert, bei Plazebo 9x bei 5 Patienten.

Unterwünschte Nebenwirkungen seien meist mild oder moderat und transient gewesen. Am häufigsten traten Nausea, Muskelkrämpfe, Diarrhoen und Hyperglykämien auf.

Kahaly betonte, dass es nicht, wie oft nach immunsuppressiven Therapien, nach Beendigung von Teprotumumab  zu einem akuten Rebound der Endokrinen Orbitapathie gekommen sei.

Kommentar

Primär wird wohl ein Endokrinologe eine Endokrine Orbitopathie nach Möglichkeit mit Kortikoiden behandeln, ggf. gefolgt von einer Retrobulbärbestrahlung und später durch  Korrektur-Operationen. Wo dies aber  keinen Erfolg gebracht hat bzw. bringt oder nicht möglich erscheint, waren wir Ärzte oft am Rande unserer Möglichkeiten, wenn etwa auch eine Plasmapherese ohne Nutzen war. Für diese Patientengruppe  könnten Infusionen mit Teprotumumab, sollte es zugelassen werden, eine Therapieoption darstellen.  Wie ich in einem Kommentar zu meinem Blogbeitrag vom 14. Mai 2017 (2) geschrieben habe, wurden damals in die Studie nur Patienten aufgenommen, deren Endokrine Orbitopathie nicht länger als vor 6 Monaten aufgetreten war. Ich hatte nämlich in meiner Praxis eine Patientin, deren Augenveränderungen schon über 2 Jahre ohne Besserungstendenz unter mehreren Therapieregimes bestanden hatten, die ich an Prof. Kahaly verwiesen hatte. Wichtig wird es  sein, über noch längere Zeitspannen nachzubeobachten, sowohl ob der positive Effekt weiter anhaltend ist und nicht doch noch ein Rebound auftritt, und auch, ob es nach längerer Zeit nicht doch noch zu weiteren, unerwünschten Nebenwirkungen kommt.

Helmut Schatz

Literatur

(1) George J. Kahaly et al.: Vortrag auf dem 88. Kongress der Amerikanischen Schilddüsengesellschaft (ATA) am 10. Oktober 2018 in Washington, DC.
(siehe auch: https://dgnews.docguide.com/teprotiumumab-showwa-log-ter,-effic… )

(2) Helmut Schatz: Endokrine Orbitopathie bei Morbus Basedow: Besserung durch Teprotumumab, einen monoklonalen Antikörper zur Hemmung des Insulin-like Growth Factor-1 (IGF-1)-Rezeptors.
DGE_Blogbeitrag vom 14. Mai 2017

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Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
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2 Antworten auf Anhaltende Besserung einer Endokrinen Orbitopathie 1 Jahr nach Therapie-Ende mit dem IGF-1-Rezeptorantikörper Teprotumumab

  1. Margit Mauer sagt:

    Lieber Verfasser,
    für den Fall, dass Ihnen der Schreibfehler in der Überschrift noch nicht aufgefallen ist und Sie diesen aber beheben wollen *IGF-1-Rezemptorarntikörper*….

    Mit freundlichen Grüßen
    M.Mauer

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