Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

Eure Kinder sind nicht eure Kinder


Bochum, zum Weihnachtsfest 2012:
In diesen Tagen gedenkt die Christenheit der Geburt des Kindes zu Bethlehem. Aus diesem Anlass sei es gestattet, Gedanken des libanesisch-amerikanischen Dichters und Philosophen Khalil Gibran über die Kinder zu bringen. Der Text ist seinem Werk „Der Prophet“ entnommen, erstmals erschienen 1923 (1).

Eure Kinder sind nicht eure Kinder.
Sie sind Söhne und Töchter der Sehnsucht des Lebens nach sich selbst.
Sie kommen durch euch, doch nicht aus euch,
Und sind sie auch bei euch, gehören sie euch doch nicht.

Ihr dürft ihnen eure Liebe geben, doch nicht eure Gedanken,
Denn sie haben ihre eigenen Gedanken.
Ihren Körpern dürft ihr eine Wohnstatt bereiten, doch nicht ihren Seelen,
Denn ihre Seelen wohnen im Haus der Zukunft, und das bleibt euch verschlossen,
selbst in euren Träumen.
Ihr dürft danach streben, ihnen ähnlich zu werden, doch versucht nicht, sie euch ähnlich zu machen.
Denn das Leben schreitet nicht zurück, noch verweilt es beim Gestern.

Ihr seid die Bogen, von denen eure Kinder als lebendige Pfeile abgeschnellt werden.
Der Schütze sieht das Ziel auf dem Pfad des Unendlichen,
und Er beugt euch mit Macht, damit Seine Pfeile umso geschwinder und weiter fliegen.
Freut euch der Beugung, die euch die Hand des Bogenschützen aufzwingt;
Denn so wie Er den flüchtigen Pfeil liebt, liebt Er auch den verharrenden Bogen.

Khalil Gibran wurde 1883 auf dem Gebiet des heutigen Libanon geboren, damals ein Teil des Osmanischen Reichs. Als Enkelsohn eines Priesters gehörte er der christlichen Kirche der Maroniten an. Er studierte Kunst, Französisch, Arabisch, arabische und europäische Literatur. 1931 starb er in New York und wurde in seinem Geburtsort im Libanon beigesetzt. Sein Werk verbindet philosophische Richtungen des Orients wie etwa den Sufismus mit christlichen Philosophien.

Literatur:

(1) Khalil Gibran: Der Prophet. 10. Auflage. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2011

Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
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