Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

Weiterhin ungenügende Evidenz für ein Routine-Screening auf Vitamin D


Bochum, 17. Mai 2021

Am 1. Oktober 2020 wurde im DGE-Blog über die Veröffentlichung der US Preventive Services Tast Force (USPSTF) berichtet, die sich auf Grund eingehender Analysen der vorliegenden Literatur gegen ein routinemäßiges Screening auf Vitamin D bei symptomlosen Erwachsenen ausgesprochen hatte (1).  Auch in diesem Jahr vertritt sie, basierend auf einer neuen, systematischen Review die gleiche Meinung, publiziert im JAMA am 13. April 2021 (2).  Es wurden keine Studien gefunden, die einen Vorteil eines Screenings auf Vitamin D –  Mangel gezeigt hätten.

Nancy A. Meville und Charles P. Vega beschreiben die Situation (mit Originalzitaten, Lit.3):

No Studies Have Directly Evaluated Benefits of Screening
The latest USPSTF recommendation is based on a systematic review of the benefits and harms of screening and early treatment for vitamin D deficiency in asymptomatic, community-dwelling nonpregnant adults aged 18 years or older in the primary care setting with no signs or symptoms of deficiency.  The review found no studies that directly evaluated the benefits of screening for vitamin D deficiency. However, 26 randomized clinical trials and 1 nested case-control study evaluated the effectiveness of treatment of vitamin D deficiency with supplementation. And although observational studies have linked lower vitamin D levels to a multitude of conditions and risks, evidence of any benefit was inconsistent, with none identified for most major outcomes in asymptomatic adults, who were the focus of the task force recommendation.

„Among asymptomatic, community-dwelling populations with low vitamin D levels, the evidence suggests that treatment with vitamin D has no effect on mortality or the incidence of fractures, falls, depression, diabetes, cardiovascular disease, cancer, or adverse events. ….The evidence is inconclusive about the effect of treatment on physical functioning and infection” (2).

Schlussfolgerung der USPSTF:
“There is insufficient evidence to assess the balance of benefits and harms in screening for vitamin D deficiency among average-risk, asymptomatic adults”. Diese Conclusio hat sich auch durch die neuen Arbeiten des abgelaufenen Jahres nicht geändert.

Helmut Schatz

P.S.: Am heutigen Tage erscheint in der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ, siehe Lit. 4) ein Bericht aus dem deutschen Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), in dem, ebenso wie in der Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (5)  vor selbständiger Einnahme höherer Vitamin D – Dosierungen gewarnt wird. Das BfR trat  Empfehlungen entgegen, wie man sie zuhauf im Internet findet, aber auch in  Leserkommentaren zu den Berichten im DGE-Blog über Vitamin D lesen kann:  Man solle generell Vitamin D zur Prophylaxe einer COVID-19 – Erkrankung oder eines schweren Krankheitsverlaufes einnehmen. Dies sei auf Grund der Datenlage nicht begründbar, schreibt das BfR (6).

Literatur

(1) Helmut Schatz: Keine ausreichende Datenlage für eine Screening-Empfehlung auf Vitamin D-Mangel bei symptomlosen Erwachsenen.
DGE-Blogbeitrag vom 1. Oktober 2020

(2) Leila C . Kahwati et al.: Screening for Vitamin D Deficiency in Adults Updated Evidence Report and Systematic Review for the US Preventive Services Task Force.
JAMA April 13, 2021; 325(14):1443-1463. doi:10.1001/jama.2020.2649

(3) Nancy A. Melville, Charles P. Vega: Routine Screening for Vitamin D Levels: Insufficient Evidence.
https://www.medscape.org/viewarticle/950826?src=wnl_tpal_210515_mscpedu&impID=3376806

(4) Deutsche Presse-Agentur (dpa): Vitamin D nur in kleinen Dosen. Experten warnen vor Gesundheitsrisiken.
Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 17. Mai 2021

(5) Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie zur Rolle von Vitamin D in der Corona-Pandemie, 11. Februar 2021.
https://www.endokrinologie.net/aktuelles-details/stellungnahme-vitamin-d-corona-pandemie.php

(6) Bundesinstitut für Risikobewertung: Vitamin D, das Immunsystem und COVID-19.
Mitteilung Nr. 015/2021 des BfR vom 14. Mai 2021

Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
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