Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

Behandlung von gastrointestinalen und pankreatischen neuroendokrinen Tumoren (GEP-NETs) mit dem Somatostatinanalogon Lanreotid: Die CLARINET-Studie


Bochum, 10. Oktober 2013

Auf dem Europäischen Krebskongress in Amsterdam wurde im September 2013 die CLARINET-Studie vorgestellt (Controlled Study of Lanreotide Antiproliferative Response in Patients with GEP-NET). 204 Patienten mit gut oder mäßig differenzierten, nicht- funktionellen GEP-NETs (Antigen Ki67 3-10%) wurden randomisiert prospektiv doppel-blind mit Lanreotide (Somatuline Autogel 120, alle 4 Wochen) 96 Wochen lang oder bis zur Progression oder den Tod behandelt. Die Tumorprogression und der Tod wurden durch Lanreotid hinausgezögert (1).

Das progressionsfreie Überleben innerhalb von 2 Jahren betrug in der Verum-Gruppe 62% gegenüber 22% unter Placebo (p=0.0002). Das Gesamtüberleben war während einer Beobachtungszeit von >72 Monaten nicht signifikant unterschiedlich. Eine Subgruppenanalyse ergab ein besonders gutes Ansprechen bei Tumoren im mittleren Darmabschnitt, ein positiver Trend zeigte sich auch bei Pankreaslokalisation. Etwa gleich gute Effekte traten bei Tumoren G1 und G2, bei Leberbefall war die Wirkung bei geringerem Ausmaß besser als bei grösserer Tumorlast. Die für Lanreotid bekannten Nebenwirkungen wurden auch in dieser Studie beobachtet: 26% Diarrhoen, 14% abdominelle Schmerzen und 10% Gallensteine.

Kommentar

In der Diskussion schlug ein Diskutant, Kjell Öberg aus Uppsala vor, jetzt in den Leitlinien den Einsatz von Lanreotide auch bei nicht-funktionellen neuroendokrinen Tumoren zu empfehlen. Die bisherige Beschränkung auf hormonproduzierende bzw. –sezernierende Tumoren sei nicht mehr gerechtfertigt.

Helmut Schatz

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Literatur

(1) P. Ruszniewski et al.: A randomized, double-blind, placebo-controlled study of lanreotide antiproliferative response in patients with gastroenteropancreatic neuroendocrine tumors (CLARINET).
Abstract LB-3 beim European Cancer Congress 2013, Amsterdam, 27. Sept. – 1. Okt. 2013

Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
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