Die Zahlen von Trans-Bekenntnissen sinken
Bochum, 16. Februar 2026:
In der Zeitschrift “Junge Freiheit“, Nr. 7/26 vom 6. Februar 2026 findet sich ein ganzseitiger Artikel zu diesem Thema mit der o.g. Überschrift. In drei Graphiken wird dargestellt, dass mehrere US-Studien gezeigt haben, dass sich jetzt wieder weniger Studenten – nach einem Gipfel um 2022-2023 – als „trans“ oder „non-binär“ bekennen (Abbildung 1).

Abbildung 1 (Umfragen Andover, FIRE, Brown)

Abbildung 2 (Google Trends)
Die Google-Suchanfragen zu „Transgender“ aus Deutschland, Österreich und der Schweiz nehmen seit 2017, als sie nach einem Anstieg seit 2015 bis 2022 boomten, wieder ab (Abbildung 2).
Geschlechtsangleichende Operationen fanden in Deutschland im Jahre 2023 jedoch am häufigsten statt, 1.843 von Mann zu Frau und 1.241 von Frau zu Mann (Abbildung 3). Dies ist wohl deshalb der Fall, da dann erst viele non-binäre Personen die notwendige Wartezeit absolviert haben. In Deutschland gibt es zwar keine gesetzlich festgelegten Wartezeiten zwischen dem sozialen Outing und einer geschlechtsangleichenden Operation, die formalen und therapeutischen Voraussetzungen nehmen jedoch Zeit in Anspruch. In der Regel verlangen Krankenkassen den Nachweis einer psychotherapeutischen Begleitung und einen Befundbericht, der oft eine Hormonbehandlung von mindestens 12 Monaten Dauer umfasst. Bedingt durch die Krankenkassen vergehen dann oft 1.5 – 3 Jahre.

Abbildung 3: Geschlechtsangleichende Operationen (Statistisches Bundesamt Rostock)
Die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie befasst sich gegenwärtig eingehend mit diesem Thema. Auf den Tagungen finden umfangreiche Sitzungen mit Diskussionen zu diesem Thema statt, über die im DGE-Blog ausführlich berichtet wurde. Man darf gespannt abwarten, ob Geschlechtsumwandlungen nur ein vorübergehender „Hype“ waren, wie die Zeitung „Junge Freiheit“ vor einigen Tagen meinte (1), oder nicht.
Helmut Schatz
Literatur:
Mathias Pellak: Alles nur geklaut. Geschlechtsumwandlungen: Die Zahlen von Trans-Bekenntnissen sinken. Weniger junge Menschen erklären sich in den USA für nicht-binär. Umfragen deuten darauf hin, dass alles nur ein Hype war.
Junge Freiheit, Nr. 7, Seite 7, vom 6. Februar 2026
Schon seit langem, über 1 Jahrzehnt vor dem jetzigen Artikel in der rechtskonservativen Zeitschrift „Junge Freiheit“, befasst sich die DGE mit der Geschlechtsdysphorie. So wurde auf dem 68. DGE-Kongress in Baden Baden 2025 in mehreren Sitzungen darüber berichtet, was im DGE-Blog auch referiert wurde. Mit entscheidend für den Paradigmenwechsel zur Entpsychopathologisierung nonkonformer Geschlechtsidentitäten in der Medizin war das im Jahre 2015 in der Generalversammlung des Weltärztebundes in Moskau verabschiedete „Statement on Transgender People“, an dem die Deutsche Bundesärztekamer maßgeblich beteiligt war. Am 24 November 2023 wurde unter dem Dach der DGE eine interdisziplinäre „Arbeitsgemeinschaft Transgendermedizin“ gegründet. Sprecher der Arbeitsgemeinschaft ist Prof. Dr. med. Jörg Bojunga, Frankfurt am Main
Sehr geehrter Herr Schatz,
Es ist doch ohne weiteres nachvollziehbar, dass man in den USA derzeit weniger bereit ist sich diesbezüglich zuzuordnen. Ebenso leicht erklärbar, dass die Google Anfragen nach initialem Anstieg mit Reform des Personenstandsgesetzes und der Diskussion darüber wieder nachlassen.
Dass die ‚Junge Freiheit‘, wenn sie zu diesem Thema schreibt, kein Interesse an dem Thema jenseits ihrer eigenen Agenda hat dürfte ebenfalls jedem denkenden Menschen klar sein.
Immerhin lassen die Reproduktionen darauf schließen, dass dieses Medium nicht zu ihrer bevorzugten Lektüre gehört;-).
Mit bestem Gruß
Reimar Fritzen
Lieber Herr Schatz,
ich bin fassungslos. Eigentlich schätze ich diesen Newsletter. Aber hier einfach rechtspopulistische Propaganda im Wortlaut wiederzugeben. Und dann auch noch die propagandistische einseitige Interpretation der Daten unkommentiert in den Raum zu stellen – ohne die sehr viel naheliegendere Möglichkeit in Betracht zu ziehen, dass transgeschlechtliche Menschen in den USA erneut stark diskriminiert werden und ihnen wichtige medizinische Therapien vorenthalten werden. Man möchte nicht glauben, dass Sie beruflich schon mit Menschen mit Geschlechtsdysphorie zu tun hatten. Dann würden Sie sich hier anders äußern.
Ich empfehle ein ausführliches Interview, das ich vor einiger Zeit für RiffReporter mit dem Münsteraner Prof. Georg Romer geführt habe. Er kennt sich aus, und hat zB federführend die Leitlinie für die Behandlung von Kindern und Jugendlichen mitverfasst. Das Geld für den Einzelkauf wird Sie hoffentlich nicht stören, da das Thema Ihnen wichtig zu sein scheint.
Lieber Herr Spork, Sie haben offenbar meinen ergänzenden Kommentar zum Blog nicht gelesen. Die Endokrinologen befassen sich nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch seit über 1 Jahrzehnt mit der Geschlechtsdysphorie. Wir haben auch eine Arbeitsgemeinschaft „Transgender-Medizin“ gegründet. Ich selbst war schon in den 1990er Jahren damit befasst, als ein Krankenpfleger meiner Bochumer Klinik eine Krankenschwester werden wollte, nach Vorbereitung und Umoperation in Aachen, wo das damals nur möglich war, und 2 Jahren Arbeit wieder ein Mann werden wollte. Ein enger Verwandter in Österreich wartet mit 21 Jahren jetzt auf seine geschlechtsangleichende Operation. Warum kritisieren Sie, dass ich 3 Graphiken bringe, die aus seriösen Quellen, so auch aus dem Deutschen Bundesamt für Statistik in Rostock stammen? Lieber Herr Spork, ich meine, der Blog stammt aus der Praxis und nicht aus nur theoretischen Überlegungen und Betrachtungen.
Lieber Herr Schatz, es ist sicher richtig, dass Sie zu diesem Thema schon seit Langem einen intensiven Bezug haben. Trotzdem muss auch ich sagen, dass ich fürs Erste befremdet war, dass Sie auf der Plattform einer Fachgesellschaft für Ihren Beitrag ausgerechnet dieselbe hypothetische Frage ausgesucht haben wie die Überschrift des zitierten Artikels im rechtsnationalen Sprachrohr „Junge Freiheit“. Ich finde auch, dass Sie den politischen Tenor, der damit verbunden ist, zumindest hätten kurz erwähnen und einordnen müssen. So hat man als Leser den Eindruck, als wäre das ein ganz neutrales Medium und Sie teilten dessen Schlussfolgerung uneingeschränkt. Tatsache ist, dass man gerade unter Trump keine Rückschlüsse aus Entwicklungen in den USA ziehen sollte. Auch weiß niemand, ob der Rückgang der Nachfrage zum Wort „transgender“ nicht auch mit der Einführung von ChatGPT zu tun hat, wo sich immer mehr Menschen informieren. Diese Grafik taugt n.m.E. daher nicht für voreilige Schlüsse.
Liebe Frau Bianca Nuber, lieber Herr Peter Spork, es ist, meine ich, doch primäre Aufgabe von uns Ärztinnen und Ärzten, die medizinischen Probleme fachlich und sachlich neutral anzugehen, nicht aus dem Blickwinkel etwa von Journalistinnen und Journalisten, auch wenn diese wie Herr Spork naturwissenschaftliche und psychologische Kenntnisse haben. Dass man etwa Daten aus dem Deutschen Statistik-Bundesamt in Rostock nicht zitieren und besprechen darf, nur weil sie in einer rechtskonservativen Zeitung abgedruckt wurden, wofür man dann kritisiert wird, empfinde ich als unangemessen. Das ist doch nicht „befremdlich“ und muss doch nicht „fassungslos“ machen, oder?
Lieber Herr Schatz, es sind gerade Journalist*innen, deren berufsethische Pflicht es ist, Fakten unverfälscht wiederzugeben und neutral zu bewerten. (Außer z.B. in einem Kommentar.) Sie haben Werkzeuge der guten journalistischen Praxis, etwa Gegenrecherche, Einholen von Zweitmeinungen, keine Aneignung unreflektierter Einordnungen Dritter, Prüfen der Redlichkeit und Neutralität Dritter u.s.w.
Ich bezweifle, dass Sie diese Regeln im Blog-Beitrag befolgt haben. (Ist aber nicht schlimm, denn Sie sind Arzt, nicht Journalist.) Haben Sie z.B. überprüft, ob die zitierten Statistiken von der JF korrekt wiedergegeben wurden und auch nicht im Sinne eines Cherry Pickings aus einer Vielzahl von Statistiken gezielt ausgewählt wurden, um eine vorher gefasste These zu untermauern? Haben Sie eine eigene Google Trends Recherche mit verwandten Begriffen gemacht und zudem geprüft, ob die Zahlen der JF stimmen?
Journalist*innen würden das tun. Denn sie berichten gerade nicht „aus ihrem Blickwinkel“.