Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

Kein Unterschied zwischen ‚guten‘ und ’schlechten‘ Fetten für die koronare Herzkrankheit?


Bochum, 24. März 2014:

Im Auftrag der British Heart Association erstellten Chowdhury et al. eine Metaanalyse, die ergab, dass es keinen Nachweis für unterschiedliche Auswirkungen von verschiedenen Fettarten in der Nahrung oder auch in Form von Nahrungsergänzung für das Auftreten der koronaren Herzkrankheit gibt. Einzige Ausnahme: Leicht gesteigertes Risiko durch Trans-Fettsäuren (1).

Die Autoren analysierten 32 Beobachtungsstudien über Fettsäureverzehr an ~530 000 Personen, 17 Beobachtungsstudien über Fettsäuren-Biomarker bei ~25 000 Personen und 27 randomisierte kontrollierte Studien über Fettsäuresupplementation an ~100 000 Personen. Die Resultate sind auf den beiden Abbildungen der Originalpublikation (1) ersichtlich. Fig.1 zeigt nur für Trans-Fettsäuren ein gesteigertes relatives Risiko (RR) von 1.16, sonst keine signifikanten Unterschiede. Für Fettsäuresupplementation (Fig.3) fand sich keinerlei signifikante Wirkung auf das Koronarrisiko, wohl aber ein Trend für eine 11%ige Abnahme bei Einnahme von Omega-6- Fettsäuren.

Fig. 1
gute-schlechte-fette-1

Fig. 3
gute-schlechte-fette-2

Kommentar

Diese Resultate sind ernüchternd: Jahre- und jahrzehntelang wurde für das Koronarrisiko eine fettarme Kost für günstig erachtet, die einen möglichst geringen Anteil an gesättigten Fettsäuren zugunsten von einfach- und mehrfach ungesättigten Fettsäuren aufweist. Auch die Einnahme von ungesättigten Fettsäuren als Nahrungsergänzungsmittel wie Fischölkapseln war in der Studie ohne signifikante Wirkung (siehe auch den DGE-Blogbeitrag vom 12. Juni 2012 über den fehlenden kardiovaskulären Effekt von Omega-3-Fettsäuren in der ORIGIN-Studie (2)). Lediglich Trans-Fettsäuren erhöhten in der Metaanalyse das Risiko für eine koronare Herzerkrankung.

Sowohl die Britische als auch die Amerikanische Herzgesellschaft raten angesichts dieser Ergebnisse- diplomatisch – zur mediterranen Kost mit viel Gemüse und Obst, in welcher der Anteil an gesättigten Fettsäuren ohnedies gering ist. Professor Pearson, Associate Medical Director der British Heart Foundation, welche die Metaanalyse unterstützt hatte, sagte: “This analysis of existing data suggests there is not enough evidence to say that a diet rich in polyunsaturated fats but low in saturated fats reduces the risk of cardiovascular disease. But large-scale clinical studies are needed, as these researchers recommended, before making a conclusive judgement” (3).

Bei der zunehmenden Adipositas in unserer Bevölkerung darf die Ernährung auf keinen Fall aus den Augen verloren werden. Nur wäre es zweckmäßiger und wohl auch erfolgversprechender, sich nicht auf einzelne Bestandteile oder die detaillierte Zusammensetzung der Nahrung zu konzentrieren, sondern auf den Gesamtkaloriengehalt. Und für die Verminderung des Herzrisikos bleiben körperliche Aktivität und Verzicht auf das Rauchen weiter an vorderster Stelle.

Helmut Schatz

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Literatur

(1) Rajiv Chowdhury et al.: Association of dietary, circulating, and supplement fatty acids with coronary risk.
Ann. Intern. Med. 2014. 160:398-404

(2) Helmut Schatz: Neueste Resultate vom Amerikanischen Diabeteskongress am 11. Juni 2012: 1.) ORIGIN-Studie: Kein kardiovaskulärer Nutzen.
DGE-Blogbeitrag vom 12. Juni 2012

(3) University of Cambridge Public Release: New evidence raises questions about the link between fatty acids and heart disease.
http://www.eurekalert.org/pub_releases/2014-03/uoc-ner031414.php

Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
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3 Antworten auf Kein Unterschied zwischen ‚guten‘ und ’schlechten‘ Fetten für die koronare Herzkrankheit?

  1. Guten Tag Herr Schatz,
    herzlichen Dank für das Teilen dieser Erkenntnisse. Im Angesicht der heutigen Zeit, wo das gesamte Leben schnell und gleichzeitig unkompliziert funktionieren soll, ist der Stressfaktor sehr hoch. Allein durch die fehlende Zeit werden schnelle und dadurch meist ungesunde Nahrungsmittel eingenommen. Dies führt, wie Sie am Ende des Artikels beschrieben, zu einer zunehmenden Adipositas, die es zu bekämpfen gilt.
    Eine Wendung großer Ketten, die bei Hunger als primäre Anlaufstelle angsehen werden, wird in naher Zukunft wohl nicht geben. Meines Erachtens liegt das größte Potential in Start-Ups, die eine gesunde Ernährung als einen Art Lebenstil betrachten und gesundes Essen verkaufen.

    Es bleibt abzuwarten, wie sich die Gesellschaft und damit auch die koronare Herzkrankheit weiter entwickelt.

    • Helmut Schatz sagt:

      Sehr geehrte/r Herr/Frau Thomas, vielen Dank für Ihren Kommentar! Ja, der Faktor „Zeit“ ist sehr wichtig. In meinem lezten Blogbeitrag und auch schon früher habe ich geschrieben, dass „Fast Food“ eigentlich nicht „Junk Food“ bedeuten soll, sondern dass man es zu schnell ißt. Der Kommentator „Struppi“ zu meinem Blogbeitrag vom 20.7.2015 hat „Luxusfaktor Zeit“ verwiesen, den man sich gönnen sollte, gemäß dem alten Südtiroler Bergsteigergruß aus vergangenen Tagen: „Zeit lassen!“.

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