Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

„Hormongeflashed“ – Endokrinologie schlägt Kardiologie


Bochum, 30.11.2013

Von den vielen Vorschlägen für das „Jugendwort des Jahres 2013“ schaffte es die Endokrinologie mit dem Wort „hormongeflashed“, in die Endrunde der letzten dreißig und schließlich unter die letzten 15 zu kommen: Verliebte Jugendliche fühlen sich heute „hormongeflashed“ (1): So sagen sie zum Beispiel „Alter, ich bin so hormongeflashed in die Kleine“. Früher war man „verknallt“ oder hatte „Schmetterlinge im Bauch“. Die Kardiologie hingegen ging 2013 bei der Jugend leer aus. Das gute, alte Herz ist zur Zeit offenbar aus der Mode gekommen…

Sieger und damit Jugendwort des Jahres 2013 wurde vor wenigen Tagen „Babo“ (Boss, Anführer). Das Wort wird von Kurden und Türken in Ostanatolien gebraucht. Babo oder Baba bedeutet eigentlich Vater (2). Unser „Papa“ lässt grüßen! In Deutschland wurde Babo durch das Hip-Hop-Lied des Rappers „Haftbefehl“ bekannt, vor allem durch die Parodie darauf: „Chabos wissen wer der Babo ist“. An zweiter Stelle nach Babo landete „fame“ (toll, super, berühmt). Und zur Überraschung und Freude der älteren Generation schaffte es „gediegen“ auf Platz drei. „Gediegen“ sagt die Jugend heute vielfach anstelle von super, cool oder lässig.

Das „Jugendwort des Jahres“ wird seit 2008 vom Langenscheidt-Verlag in Kooperation mit der Jugendmesse YOU, der Jugendzeitung YAEZ und der Zeitschrift Mädchen ausgewählt. Jugendliche können ihre Lieblingswörter über das Internet (www.jugendwort.de) einreichen und diskutieren. Ab Mitte des Jahres werden davon 30 Wörter im Netz zur Auswahl gestellt und jeder kann bis 31. Oktober seinen Favoriten benennen. Die Wörter, die am Besten abschneiden, werden Anfang November einer Jury vorgelegt, die unter den Top-15 des Online Votings das „Jugendwort des Jahres“ sowie die Plätze 2 bis 5 auswählt. Der Jury gehören überwiegend junge Menschen an, in diesem Jahr zwischen 13 und 25 Jahren. Kriterien bei der Wahl sind sprachliche Kreativität, Originalität, Verbreitungsgrad des Wortes sowie gesellschaftliche und kulturelle Ereignisse.

Im Jahre 2012 gewann das Wort „Yolo“ (Abkürzung für „You only live once“ – „carpe diem!“ hieß das bei den alten Römern), 2011 „Swag“ (lässig-coole Ausstrahlung), 2010 „Niveaulimbo“ (ständiges Absinken des Niveaus, aus dem Ruder laufende Parties, sinnlose Gespräche), 2009 „hartzen“ (prekäre Untätigkeit, gammeln, sinnlos rumhängen) und 2008 „Gammelfleischparty“ (Ü-30-Parties, Feste von Älteren). Jährlich erscheint im Langenscheidt-Verlag das Buch „100% Jugendsprache“, in welches die besten Einreichungen aufgenommen werden.

Helmut Schatz

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Literatur

(1) http://jugendwort.de

(2) DIE WELT online, 26. November 2013

Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
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4 Antworten auf „Hormongeflashed“ – Endokrinologie schlägt Kardiologie

  1. hexe sagt:

    2von 3 Endokrinologen behandelten mich falsch. Über Jahre kalziumverzicht
    Falsche. Dosierung der Hormone. TSH 0,04 massive Muskelschwaeche. Herzprobleme vHexe obwohl total erniedrigter D-Spiegel.Erniedrigte Körpertemperatur 34,5 bis 35,9 unter der Achsel gemessen. Ich kann kaum
    noch gehen. Muskel im Oberschenkel fällt manchmal aus oder ist verhärtet.
    Ständige Starke Schmerzn. alles was dem Endokrinologen einfällt. Gehen sie zum RHeumatologen oder Orthopäden. ich habe das Vertrauen vrerloren.liebe gruesse hexe

  2. Observer sagt:

    So wie bei der Verliebtheit die Endokrinologie heute die Kardiologie schlägt, so jetzt auch im Fußball:
    In der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung vom 31. 1.2014 ist auf der ersten Seite des Sportteils zu lesen, was der Nationalspieler Thomas Müller von Bayern München nach dem 2:1-Zittersieg seines Vereins über Stuttgart empfand: „Das war von den Hormonen her schon ein anderes Erlebnis“. Also nicht Herzklopfen, sondern Adrenalin ist en vogue.

  3. Barfuß sagt:

    In den 1950er Jahren hatte „gediegen“ in Österreich bei Jugendlichen die Bedeutung „seltsam“ oder „überraschend“.

  4. Helmut Schatz sagt:

    Lieber Barfuß,
    Dein Kommentar hat mich im DUDEN online nachsehen lassen (www.Duden.de/rechtschreibungen/gediegen): Dort steht: 1.) ohne Beimischungen, rein, massiv.
    2:) a. sorgfältig gearbeitet, b. ordentlich, gut.
    3:) umgangssprachlich a. komisch, lustig, b. wunderlich seltsam. Als Beispiel für 3b wird angeführt: „Du bist aber gediegen!“

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