Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

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Hypophysentumore Teil 2


Bochum, 5. Januar 2022

Herbstsitzung 2021 der AG Hypophyse und Hypophysentumore der DGE

Rhinologische Nachsorge nach transsphenoidaler Hypophysenoperation

Ulrich Knappe (Minden) stellt die kürzlich publizierte Studie seines Zentrums vor, bei der prospektiv die rhinologischen Ergebnisse bei 68 Patient*innen nach mikrochirurgischer transnasaler Hypophysenoperation untersucht wurden (1). Nasale Synechien wurden bei 7% der Patienten postoperativ gefunden. Bei keinem Patienten zeigte sich eine Nasenseptum-Perforation und nur bei einem Patienten fand sich postoperativ relevantes Nasenbluten. Eine Beeinträchtigung des Geruchssinnes wurde nur in den ersten Tagen nach der Operation nachgewiesen. Bei den Kontrollterminen nach 3 und 9 Monaten wurden insgesamt sogar mehr Riechproben richtig erkannt als vor der Operation. Die Rhinomanometrie zeigte 3 und 9 Monate nach der Operation im Vergleich zu präoperativ keine Verschlechterung der nasalen Atmung. Herr Knappe empfiehlt in den ersten 3-4 Wochen nach der Operation eine regelmäßige endonasale HNO-ärztliche Nasenpflege mit Absaugen der Nasenhauptgänge und Applikation von Dexapanthenol-haltiger Nasensalbe.

Kraniopharyngeom-Register bei Erwachsenen – aktueller Stand

Zunächst werden durch Tobias Pantel (Hamburg) aktuelle Publikationen zu Kraniopharyngeomen vorgestellt. Eine Phase II Studie ergab ein Ansprechen einer medikamentösen Behandlung mit Peginterferon alpha-2b bei 14% der Patienten mit nicht resektablen oder rezidivierenden Kraniopharyngeomen (2). Eine Meta-Analyse ergab, dass mit der Protonen-Bestrahlung Temporallappen und Hippocampus geschont werden können, jedoch zeigte sich keine Überlegenheit gegenüber der traditionellen Bestrahlung hinsichtlich Überlebensrate und progressionsfreiem Überleben. In einer weiteren Arbeit wurde ein Diabetes insipidus als ungünstiger Prädiktor für Exekutivfunktionenen und Lebensqualität identifiziert.

Im Weiteren berichtet Herr Pantel über den aktuellen Stand im Kraniopharyngeom-Register für Erwachsene. Insgesamt sind 38 prospektive Patienten und 168 retrospektive Patienten ins Register eingeschlossen und 8 Zentren nehmen aktuell teil. In Kollaboration mit Prof. Müller (Oldenburg) sollen Erwachsene und pädiatrische Kraniopharyngeom-Patienten hinsichtlich Kognition, Hormonstörungen und Lebensqualität verglichen werden.

Ein Blick über den Tellerrand – Wachstumshormontherapie bei Guillain-Barré-Syndrom

Sylvère Störmann (München) stellt den Fall eines Patienten mit Guillain-Barré-Syndrom (GBS) vor, bei dem Wachstumshormon (GH) therapeutisch eingesetzt wurde. Einleitend gibt Herr Störmann einen Überblick über das GBS, bei dem es sich um eine akute inflammatorische demyelinisierende Polyneuropathie handelt. In Tierstudien konnte ein Effekt von Wachstumshormon und IGF-1 auf die Nervenregeneration nachgewiesen werden, während über Studien bei Menschen noch nicht berichtet wurde. Bei dem Fallbericht wurde rekombinantes hGH als individueller Heilversuch verabreicht. Unter GH-Behandlung wurde eine schnellere Kraftzunahme beobachtet, die mit dem IGF-1 Spiegel korrelierte. Unklar ist noch, ob es sich nur um „Muskeldoping“ handelt, oder auch ein Effekt auf die Nervenregeneration erzielt werden kann. Weitere Studien sind erforderlich für eine Beurteilung des Nutzens einer GH-Therapie bei GBS.

Lebensqualität und Kognition bei Hypophysentumoren

Sonja Siegel (Essen) referiert über bisherige Kenntnisse und neue Studien zu Lebensqualität (QoL) und Kognition bei Hypophysentumoren. Sowohl bei Patient*innen mit hormonaktiven als auch mit hormoninaktiven Hypophysenadenomen ist die QoL während der Erkrankungsphase reduziert. Nach der Behandlung kommt es zwar zu einer Besserung, nicht jedoch zu einer vollständigen Normalisierung der Lebensqualität. Eine aktuelle Studie mit 341 Patient*innen zeigt, dass vor allem beim Cushing-Syndrom die postoperative Erholungsphase schwierig und langwierig ist (3). Beim Cushing-Syndrom konnte auch körperliche Aktivität keine signifikante Besserung der QoL bewirken. Aktuelle Studien zeigen jedoch auch erfolgreiche Interventionen zur Verbesserung der QoL. So führte eine kognitiv-verhaltenstherapeutische Intervention bei der Akromegalie zu einer Verbesserung der QoL (4). Die holistische Betreuung führte bei Patienten mit Hypophysentumoren zu einer Reduktion von Angst und Depression. Bei Patienten mit Akromegalie war die Krankheitsakzeptanz ein Prädiktor für eine bessere QoL. Die Schlafqualität zeigte sich als Prädiktor für eine bessere QoL bei Akromegalie und Cushing-Syndrom. Abschließend berichtet Frau Siegel über neue Studien zu kognitiven Funktionen bei Akromegalie und Morbus Cushing.

Wahl Sprecher und Beirat AG Hypophyse

Die Pandemie-bedingt im Vorjahr ausgefallene Wahl des Sprechers und des Beirates der AG Hypophyse wird nun in diesem Jahr digital im Rahmen des Zoom-Symposiums nachgeholt. Sprecher und Beirat hatten bereits bei der Ankündigung der Herbstsitzung Vorschläge für die Wahl von Sprecher und Beirat an alle Mitglieder der AG Hypophyse per Email versandt. Weitere Vorschläge von den Mitgliedern sind nicht eingegangen. Jürgen Honegger kandidiert nicht mehr für das Amt des Sprechers. Timo Deutschbein (Oldenburg) wird zum neuen Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Hypophyse und Hypophysentumore gewählt. Katharina Schilbach (München) und Jörg Flitsch (Hamburg) werden erneut in den Beirat der AG gewählt. Sonja Siegel (Essen) wird zum neuen Mitglied der AG Hypophyse gewählt. Die Wahl aller Vorstandsmitglieder erfolgt mit großer Mehrheit und ohne Gegenstimmen. Der Sprecher wünscht dem neu gewählten Vorstand viel Erfolg für die zukünftigen Aktivitäten der AG Hypophyse. Timo Deutschbein bedankt sich bei Jürgen Honegger für seine 7-jährige Tätigkeit als Sprecher der AG Hypophyse.

Aus dem vom Referenten (H.S.) gekürzten Protokoll der Mitgliederversammlung, Teil II

Alter Vorstand: Jürgen Honegger (Sprecher), Katharina Schilbach, Timo Deutschbein, Jörg Flitsch
Neuer Vorstand: Timo Deutschbein (Sprecher), Katharina Schilbach, Sonja Siegel, Jörg Flitsch

Literatur

(1) Hondronikos N, Alomari A, Schrader M, Knappe UJ: Rhinological consequences of microsurgical endonasal-transsphenoidal surgery for pituitary tumors.
Exp Clin Endocrinol Diabetes 2021; 129:157-162

(2) Goldman S, Pollack IF, Jakacki RI, et al.: Phase II study of peginterferon alpha-2b for patients with unresectable or recurrent craniopharyngiomas: a Pediatric Brain Tumor Consortium report.
Neuro Oncol 2020; 22:1696-1704

(3) Acree R, Miller CM, Abel BS, et al.: Patient and provider perspectives on postsurgical recovery of Cushing syndrome.
J Endocr Soc 2021; 14:bvab109

(4) Kunzler LS, Naves LA, Casulari LA: The effect of cognitive-behavioral therapy on acromegalics after a 9-month follow-up.
Front Endocrinol (Lausanne) 2019; 10:380

Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
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