Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

Heftige Kritik zweier Nobelpreisträger an den Zeitschriften Cell, Nature und Science


Bochum, 11. Dezember 2013

„Auf dem Markt der Wissenschaft gehe es heute zu wie auf den Finanzmärkten, es gehe nur noch um Geschwindigkeit und Effekthascherei“ – so zitiert die Wiener PRESSE zwei diesjährige Nobelpreisträger für Physik und für Physiologie oder Medizin, Peter Higgs und Randy W. Schekman (1). Dies äußerten sie auf der Reise zur Nobelpreisverleihung in Stockholm gegenüber der britischen Zeitung „The Guardian“, welcher den Inhalt des Gesprächs abdruckte.

Schekman sagte, sein Laboratorium werde nie wieder Artikel an NATURE, CELL oder SCIENCE schicken. „These journals aggressively curate their brands, in ways more conductive to selling subscriptions than to stimulating the most important research. Like fashion designers who create limited-edition handbags or suits, they know scarcity stokes demand” (2). Akzeptierte Artikel sollten vor allem „sexy sein und Wellen schlagen“ (1). Diese „luxury journals“ limitierten künstlich die Anzahl der akzeptierten Artikel und die exklusiven Namen der Zeitschriften würden dann mit einem Trick („gimmick“) vermarktet, der „Impact Factor“ hieße. Diesen Faktor vergleicht Schekman mit den Boni bei Banken.

Kommentar

Die wachsende Zahl frei zugänglicher „open access“ Journale, die nicht teuer abonniert werden müssen, stellt eine zunehmende Konkurrenz zu den drei kritisierten „Luxury Journals“ dar. Schekman ist selbst Herausgeber von „eLife“, einem vor kurzem lancierten „open-access peer-reviewed“ Journal. Sponsoren von „eLife“ sind die Max-Planck-Gesellschaft, das Howard Hughes Medical Institute sowie der Wellcome-Trust (3). Die Chefherausgeber der attackierten Zeitschriften reagierten prompt in Stellungnahmen zu den Äußerungen der beiden Nobelpreisträger, waren aber offensichtlich recht überrascht darüber. Finanzielle Sorgen haben sie wegen der wachselnden Gegenmacht der neuen Publikationsart.

Helmut Schatz

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Literatur

(1) Nobelpreisträger: Kritik an Zeitmangel und “Luxusjournals“
DiePresse.com, 11.12.2013

(2) Mark Crane: Nobel Prize Winner Blasts Leading Science Journals.
http://www.medscape.com/viewarticle/817597_print

(3) eLife, a new open access journal.
http://www.wellcome.ac.uk/About-us/Policy/Spotlight-issues/Open-access/Journal/index.htm

Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
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2 Antworten auf Heftige Kritik zweier Nobelpreisträger an den Zeitschriften Cell, Nature und Science

  1. Kritikus sagt:

    Schekman gebrauchte folgenden plastischen Vergleich:
    „Just as Wall Street needs to break the hold of bonus cul­ture, so sci­ence must break the tyranny of the luxury journals“. Man beachte den Ausdruck „Tyrannei“ für das Verhalten von Sciene, Nature und Cell.

  2. Horst Mayer sagt:

    Die Meldung hat einen Schönheitsfehler: Die Liste der Akteure auf dem Wissenschaftsmarkt, welche nach dem obigen Prinzip verfahren, füllt mindestens eine DIN-A-4 Seite mit 6er Schrift. Aber das wissen wir Wissenschaftler doch schon lange. Neu ist, dass sich Top-Leute mit dieser Aussage identifizieren. Hut ab!

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