Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

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Ein neues, Lipoprotein(a)-senkendes Medikament, Kylo-11, in Phase 1 erfolgreich getestet


Bochum, 25. September 2026:

Lipoprotein(a) steht heute ganz im Vordergrund des Interesses, wenn auch die HORIZON-Studie (siehe DGE-Blogbeitrag vom 5. Sept. 2026) insofern enttäuschend war, dass trotz guter Reduktion von Lipoprotein(a) die Mortalität nicht gesenkt wurde. Im LANCET vom 5. September erscheint jetzt eine Publikation über die Ergebnisse einer Phase 1-Studie mit einer kleinen, sehr lang wirkenden interferierenden Ribonukleinsäure (RNA), welche gegen Lipoprotein(a) gerichtet ist.

Methodik:

In einem einzelnen Krankenhaus in China wurde eine doppelblinde, randomisierte Phase 1 – Studie an Menschen auf Sicherheit, Verträglichkeit und Pharmakodynamik mit der neuen Substanz Kylo-11 an 18-45 Jahre alten Menschen mit erhöhtem Lp(a) ohne Erkrankungen durchgeführt (registriert bei ClinicalTrials.gov (NCT06363851). Randomisiert erhielten sie eine einmalige Dosis von Kylo-11 versus Plazebo (8:2) subkutan injiziert. Es wurden 7 Kohorten mit verschiedenen Lp(a)-Spiegeln erstellt. Patienten unter Verum wurden bis zu Tag 337 verfolgt, unter Plazebo bis zu Tag169 (siehe auf der Abbildung, die Abszisse). Menschen mit Lp(a) zwischen 75 und 200 nmol/L erhielten in 6 Kohorten Dosen von 9, 30, 75, 225, 450 und 600 mg Kylo-11. Den Teilnehmern mit einem Lp(a) über 200 nmol/L wurden 225 mg injiziert. Primärer Endpunkt waren vom Studienpersonal festgestellte unerwünschte Nebenwirkungen. Alle randomisiert ausgewählten Teilnehmer unter Verum wurden in die Sicherheitsanalyse einbezogen.

Ergebnisse:

Unerwünschte Nebenwirkungen wurden in 24 Wochen bei 37 (53%) der Teilnehmer, überwiegend Schweregrad 1 und 2 registriert. Diese erschienen nicht im Zusammenhang mit der Medikation gestanden zu haben. Es gab keine Reaktionen an den Injektionsstellen. Ernste, schwere Nebenwirkungen und zwei Grad 3- Ereignisse wurden als nicht durch die Testsubstanz verursacht angesehen, eine Grad-3 Reaktion (Hypertriglizeridämie) trat in der Plazebogruppe auf. Es kam zu keinen Todesfällen.

Präspezifizierte sekundäre pharmakodynamischer Endpunkte: Mittlerer Lipoprotein(a)-Abfall in Prozent und absolut unter Kylo-11 in 24 Wochen in den Kohorten: Von –53% (IQR –71 bis –41) und –71 nmol/L (–79 bis –60) in der 9 mg Kohorte, –97% (–98 bis –97) und –129 nmol/L (–153 bis –99) in der 600 mg Kohorte (siehe Abb.). In der 7. Kohorte (unter 225 mg Kylo-11, bei Ausgangswerten von Lipoprotein(a) >200 nmol/L) betrug die mittlere Reduktion –96% (–98 bis–91) und –208 nmol/L (–222 bis –198).

Abbildung (aus Lit. 2):
Abszisse: Beobachtungszeit, Ordinate: Prozentualer Abfall vom Lp(a)-Ausgangswert.
Obere violette Kurve: Unter Plazebo
Untere 7 Kurven: Unter den verschiedenen Kylo-11-Dosen: grün 9 mg, violett-dünn: 30 mg, dann 75, 225, 450, 600 mg. Rote unterste Kurve: Unter 250 mg Kylo-11 in Kohorte 7

Schlussfolgerungen

Kylo-11 wurde nach der Injektion als Einzeldosis gut vertragen, und bei einer Dosis von 225 mg oder höher erzielte man eine anhaltende Absenkung von Lipoprotein(a). Die Ziele der Phase 1- Studie wurden somit positiv erreicht.

Helmut Schatz

Literatur

Ashish Sarraju et al.: Safety and lipoprotein(a)-lowering effects of Kylo-11, a non-canonical, long-duration small interfering RNA targeting lipoprotein(a): a first-in-human, randomised, double-blind, placebo-controlled, phase 1 trial.
Lancet 408, Issue 19558, pp 899-909, September 05, 2026.

Posted on by Prof. Helmut Schatz
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