Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

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Mein Laborwert liegt außerhalb des „Normbereichs“ – bin ich krank?


Eine in meiner Praxis immer wieder gestellte Frage

Bochum, 4.- Mai 2026:

Kürzlich wurde in einem Medizinischen Nachrichtendienst (1) darüber berichtet, dass „abnorme“ Laborwerte keine Krankheit bedeuten müssen. Wenn mir Patienten in der Praxis mitgebrachte Laborwerte zeigen, auswärts erhoben, fettgedruckt und mit einem Plus- oder Minuszeichen versehen, sind sie sehr meist besorgt. Ich erkläre ihnen dann immer, unter Zuhilfenahme der unten abgebildeten Graphik, was „Normalwerte“ bedeutet und dass dieser Ausdruck eigentlich nicht zutreffend ist: Dies sind, wie wir alle gelernt haben, die „Referenzwerte“ für die jeweilige im Labor angewendete Methode.  Bei einer Normalverteilung nach der Gaußschen Glockenkurve umfasst der Referenzbereich 95% der getesteten Normalpersonen und errechnet sich aus dem Mittelwert +/- 2 Standardabweichungen. Dann weise ich die Patienten immer darauf hin, dass 2.5% oberhalb und 2.5% darunter auch noch in den Normalbereich fallen.

Die Patienten sind damit zunächst meist zufrieden. Ich musste aber feststellen, dass sie in der Folgezeit des Öfteren unsicher werden, ob sie nun wirklich ganz gesund sind oder nicht.

Helmut Schatz

Literatur

(1) Uday S. Dadhwal: The Medicalization of Normal Lab Variations: When „Abnormal“ Isn“t Disease.
Medscape Diabetes & Endocrinology, April 28, 2026

Posted on by Prof. Helmut Schatz
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One Response to Mein Laborwert liegt außerhalb des „Normbereichs“ – bin ich krank?

  1. B.K. says:

    Es geht auch anders herum, man kann mit Werten in der Norm auch sehr krank sein.

    Mein Cortisolwert war immer in der Norm (oberes Drittel), ACTH knapp unter der Norm. Mir ging es sehr schlecht, ich hatte alle sichtbaren Zeichen eines Cushings Syndrom. Ich war bei 3 internistisch orientierten Fachärzten, aber keiner konnte etwas finden. Dann wurde ich in eine endokrinologische Praxis überwiesen. Es wurden einige Untersuchungen (kombinierter HVL-Test) und ein großes Labor gemacht. Auch da wurde das adrenale Cushing-Syndrom nicht entdeckt und mir wurde nur geraten weniger zu essen und in eine psychologisch orientierte Praxis zu gehen. 5 Jahre hat es bis zur Diagnose gedauert.

    Heute lebe ich ohne Nebennieren und bekomme immer gesagt, ich nehme zu wenig HC (5 bis 10 mg/d), aber damit fühle ich mich sehr gut und fit. Auf das NN-Labor gebe ich nicht viel, ich höre auf meinen Körper.

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