Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

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Longevity: Verhilft der „Schwedentrank“, ein Kräuterelixier des schwedischen Arztes Germes aus dem 18. Jhdt. zu Langlebigkeit? Und „Swedish Bitters“?


Bochum, 3. Februar 2026

Im Journal of Ethnobiology and Ethnomedicine des Springer-Verlags von Oktober 2025 (1) wird von Fabien Schultz et al. vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropische Medizin in Hamburg berichtet, dass man eine handschriftliche Notiz über ein geheimes Kräuter-Rezept des schwedischen Arztes Germes analysierten konnte, das in einem antiken Kräuterbuch (von ca.1770-1820) gefunden wurde. Dieses Geheimrezept wurde später ins Deutsche übersetzt und in Kurrentschrift niedergeschrieben (siehe Abbildung 1). Man fand es in einem Kräuterbuch auf einem Flohmarkt in Deutschland. Die Notiz beschreibt, dass man es in der Jackentasche vom Arzt  Germes gefunden habe, als er mit 104 Jahren bei einem Sturz vom Pferde ums Leben gekommen war. Auch die Mitglieder seiner Familie hätten außergewöhnlich lange gelebt. Dieses Kräuterelixier sollte auch zu deren langem Leben verholfen haben.

Abbildung 1: Das Geheimrezept von Germes, nach Übersetzung ins Deutsche in Kurrentschrift für den  „Schwedentrank“.

Sieht man heute bei uns ins Internet, so gibt es eine große Zahl von „Schwedentrank“ – Präparaten zu kaufen (drei Beispiele, siehe Abbildung 2 unten).

Kommentar                                                                                                                 

Keiner der Patienten des Referenten (H.S.) hat ihm je darüber berichtet oder danach gefragt. Da H.S. beim 69. Deutschen Kongress   für Endokrinologie vom 11.-13. März in Weimar den Vorsitz der Sitzung „Longevity“ führen darf, interessierte ihn dieses Thema naturgemäß ganz besonders.

Die Periode von 1770 – 1820  war die Blütezeit von Elixieren für ein langes Leben. Sie wurden damals von „Kräuterhexen“ oder „Kräuterzauberinnen“ und „Weisen  Männern“ formuliert. Die Autoren der Publikation mit dem Erstautor Fabien Schultz schreiben jedoch, dass die Wirksamkeit von Germes` Rezept nicht auf Hexerei,  Magie oder Spiritualismus zu beruhen scheine, sondern tatsächlich auf medizinischen Eigenschaften der Ingredienzien mit präziser Reproduktion der Präparationen und Zubereitungsmethoden; ob es dennoch als Quacksalberei einzustufen sei, werde gegenwärtig noch im Laboratorium genau geprüft (1),  .

Das Autorenteam untersuchte  den „Schwedentrank“ von Germes genauer und fanden für einzelne Ingredienzien anti-inflammatorische und antibiotische Effekte.  Es werden des weiteren neurologische und neuroprotektive Wirkungen überprüft. Und es seien schon interessante Ergebnisse mit dem zugesetzten Rhabarber und Safran erzielt worden.

Hjalmar Fors und  Nils-Otto Ahnfelt prüfen jetzt auch die Wirksamkeit des wesentlich älteren schwedischen Rezepts für „Swedish Bitters“, das nicht wie der spätere „Schwedentrank“ für Langlebigkeit, sondern für vielfältige andere Beschwerden empfohlen wurde: Sie untersuchten das Elixier “Hiärnes Testamente“ von Dr. Urban Hiärne,  einem königlichen Arzt,. Wissenschaftler und Alchimisten (1641-1724) und dem Arzt Dr. Claus Samst, der auch wie Germes mehr  als 100 Jahre alt wurde. Die beiden waren von Theophrastus Bombastus Paracelsus beeinflusst, der seine Kräutermischungen bei sehr vielen Patienten offenbar erfolgreich angewendet hatte. Die  österreichische Herbalistin Maria Treben schildert dies in ihrem 1980 erschienenen Buch „Health Through God´s Pharmacy“. Fors und Ahnfelt wendeten bei ihren Versuchen über Swedish Bitters insbesondere Theriac an, eine Komponente aus 66 Bestandteilen, von denen sie 52 testen konnten, einschließlich Squill, dem „Blaustern“ aus der Familie der Spargelgewächse, sowie auch ein wenig Opium. Ahnfeld war begeistert von dem fantastischen Geruch der Pflanzenmischungen. Forscher in Wroclaw/Breslau untersuchten 2021 ebenfalls ein  Theriac -Rezept von 1630.

Insgesamt war man der Auffassung, dass die chemische Analyse  nicht die sensorischen Aspekte der frühen modernen Medizin erfassen kann. Fors und Ahnfelt schreiben, dass Geruch, Geschmack  und Textur von Medikamenten bedeutende  Auswirkungen darauf habe, wie der Körper auf  eine Substanz reagiert. Laut Fors sei dies in der frühen Medizin zwar noch von Bedeutung gewesen, spiele aber in der heutigen, modernen Pharmakologie nur eine geringe bis gar keine Rolle mehr.

Frage an die Leser: Wie ist Ihre Meinung zu diesem Punkt?

Helmut Schatz, Bochum

Literatur

(1) Fabien Schultz et al.: A potion for prolonged life? Germes´ recipe. A secret handwritten note from an 18th-century Swedish physician.
Journal of Ethnobiology and Ethnomedicine, Vol.21, article No. 68 (2025). Open access 22 October 2025.

(2) Sarah Amandalore: Centuries-Old Longevity Elixir Revials Gaps in Modern Medicine. 23 Jan. 2026.
https://www.medscape.com/viewarticle/centuries-old-longevity-elixir-reveals-gaps-in-modern-medicine

Posted on by Prof. Helmut Schatz
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2 Responses to Longevity: Verhilft der „Schwedentrank“, ein Kräuterelixier des schwedischen Arztes Germes aus dem 18. Jhdt. zu Langlebigkeit? Und „Swedish Bitters“?

  1. U.H. says:

    Diese Gedanken und Forschungen sind recht interessant, wenn man das Leben verbessern und verlängern kann.Die Kräuter haben immer schon zu Zeiten der Hildegard von Bingen eine große Rolle bei Heilung und Schmerzen gespielt. Heute gibt es außer natürlichen Heilmitteln, den Phytotherapeutika, ungeheueire Mengen an pharmazeutischen Zusammensetzungen als Medikamente. Glaubt man an reine Pflanzenmittel? Ist es nicht schwierig, mit chemischen Zusammensetzungen und „natürlichen Mitteln“ diese gewünschte Verlängerung des Lebens zu erzielen? Wir alle sind enorm vielen Belastungen ausgesetzt. Ich kann mir denken, dass reine Kräuterextrakte nicht diese Wirkung erzielen können. Dazu müssten Ruhe, Gelassenheit,
    Zufriedenheit, Bewegung kommen. Hilfsmittel sind Kräuter sicher, jedoch keine Wundermittel, um das Leben noch weiter zu verlängern. Und: Ist es überhaupt anstrebenswert,, uralt zu werden?

  2. J.T. says:

    Lieber Helmut,

    tja, ist vermutlich Quacksalberei, vermutlich müsste man wissen, wie die Ärzte sonst so gelebt haben, vielleicht mit intermittierendem Fasten, aber weniger Arbeit,

    beste Grüße,

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