Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

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Medizin und Kunst: Der Mensch in der Sicht eines malenden Klinikchefs


Bochum, 11. April 2015:

Am 22. Oktober 2014 berichtete Univ.-Prof. (emer.) Dr. med. Klaus Ehrenberger, langjähriger Direktor der Wiener Universitäts-HNO-Klinik und Hirnforscher im DGE-Blog über „Kunst als Therapie“, ein Beitrag, der lebhaft kommentiert wurde (1). Jetzt hat sich Klaus Ehrenberger, völlig überraschend für viele, auch wenn sie ihn gut zu kennen glaubten wie der Referent, im renommierten Wiener Künstlerhaus, einem prachtvollen „Ringstraßenbau“ zwischen der Wiener Staatsoper und dem Musikvereinsgebäude, als Maler präsentiert.

Am letzten Tag der Ausstellung bot sich dem Referenten die Gelegenheit, die Bilder im Beisein seines malenden Kollegen und Freundes zu besichtigen. Besonders beeindruckten ihn Ehrenbergers Darstellungen von Menschen – nicht verwunderlich bei einem Arzt, zu dessen Aufgaben es ein Leben lang gehört, sorgfältig und genau seine Patienten samt ihrer Körpersprache zu betrachten und auch dahinter zu schauen. Seine oft recht abstrahierten Landschaftsbilder verrieten ebenfalls eine hohe Meisterschaft, obwohl er nie speziellen Zeichen- oder Malunterricht bekommen hatte. In den Wiener Kritiken wurde er, in dieser Hinsicht auch „Dilettant“, mit Johann Wolfgang von Goethe oder Carl Friedrich Zelter verglichen: Goethe entdeckte als Nicht-Anatom den Zwischenkieferknochen, Carl Friedrich Zelter, wohl der einzige Duzfreund von Goethe, hatte das Maurerhandwerk erlernt und war dann Bauunternehmer, bevor er als Musiker der Lehrer von Felix Mendelssohn-Bartholdy und Leiter der Berliner Singakademie wurde (2).

Ärzte als ausübende, exzellente Musiker wie etwa Theodor Billroth gibt es sehr viele, und auch renommierte Komponisten: So wurde vor 1 Jahr in Wien, direkt neben dem Künstlerhaus im Brahmssaal des Wiener Musikvereins, das Violinkonzert von Alfred Huber aufgeführt, einem aus der Bruckner-Stadt Linz stammenden, in einer süddeutschen Stadt operativ tätigen Neurochirurgen. Ärzte als weitbekannte Maler sind hingegen nicht so geläufig, wenn auch beispielsweise in Sulzbach im Saarland oder Bad Klosterlausnitz in Thüringen regelmäßige Ausstellungen malender Ärzte aus der Region stattfinden.

Ehrenberger hat sich vor allem nach seiner Emeritierung intensiv mit der Malerei beschäftigt – ein Ansporn für alle, auch in diesem „dritten Lebensabschnitt“ Neues zu beginnen. Nach Paul Baltes, dem bekannten deutschen Altersforscher aus Berlin, kann man es auf den Punkt bringen: „LLL“, drei „L“ sind im Alter wichtig: Laufen, Lernen, Lieben!
Bewege dich, lerne stets Neues, und liebe die Welt, dein Umfeld, deine Mitmenschen – und, wie es schon in der Bibel steht: liebe dich selbst !

Helmut Schatz

 

Literatur

(1) Klaus Ehrenberger: Kunst als Therapie – „Creative Therapies“: Kunst verführt und diszipliniert.
DGE-Blogbeitrag vom 22. Oktober 2014

(2) www.k-haus.at/de/ausstellung/265/klaus-ehrenberger.html

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Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
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5 Antworten auf Medizin und Kunst: Der Mensch in der Sicht eines malenden Klinikchefs

  1. Irmgard Dietzel-Meyer sagt:

    Hier ist die Adresse der Homepage eines weiteren bildenden Künstlers, der als Emeritus nebenbei noch aktiver Epilepsieforscher und Physiologie-Lehrbuchautor ist. Man munkelt, dass er mit seinen Werken, im Konzert mit dem unermüdlichen Einsatz seiner Ehefrau in PR-Angelegenheiten, sogar eine Doktorandenstelle finanziert! Respekt!

    http://www.extraktekunst.de/index.php

  2. Dietrich Schneider sagt:

    Vielen Dank für diesen Beitrag zum Thema Medizin. Interessant, dass sich der Klinikchef so ausdrücken kann. Ich werde mich demnächst in eine chirurgische Vorsorge Untersuchung begeben.

  3. Elsa Horneke sagt:

    Hallo und danke für diesen interessanten Beitrag! Ich finde es toll, dass sich der Arzt in seinem „dritten Lebensabschnitt“ auf das Malen konzentrieren kann. Das erinnert mich an meinen Mann, der in der inneren Medizin tätigt ist.

    LG Elsa

  4. Marie Busch sagt:

    Mein Cousin möchte gerne einen Termin bei einer HNO Klinik vereinbaren. Da ist es doch schön zu hören, dass sogar Medizin und Kunst Schnittmengen aufweisen. Ich hoffe, dass er einen passenden Anbieter finden wird.

  5. Helmut Schatz sagt:

    Sehr geehrte Frau Busch, Prof. Ehrenberger ist schon weit über einem Jahrzehnt emeritiert (pensioniert). Wenn Ihr Sohn eine Assistentenstelle als Arzt sucht, muss er sich auf üblichem Weg an HNO-Kliniken/Abteilungen bewerben, wenn er als Patient HNO-Betreung sucht, soll ihn sein Hausarzt überweisen. Viel Erfolg für ihn, so oder so! Helmut Schatz

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