Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

MitoNEET, ein Eiweißkörper der Mitochondrien ist wichtig für die Insulinempfindlichkeit


Eine neue Arbeit in Nature Medicine (1) zeigt, dass im Tierexperiment Überexpression des Proteins „MitoNEET“ die zelluläre Aufnahme und Speicherung von Fett erhöht und dadurch die Fettgewebsmasse steigert, ohne die Insulinempfindlichkeit zu beeinträchtigen. Diese Konstellation entspricht der beim „Gesunden Dicken“, worüber im DGE-Blog-Beitrag vom 16. Juli 2012 berichtet wurde (2). Dieses Phänomen wurde schon im Jahre 2005 näher untersucht (3). In der neuen Arbeit wird jetzt umgekehrt auch gefunden, dass bei verminderter MitoNEET-Expression die Tiere unter fettreicher Diät zwar weniger an Gewicht zunehmen, sich die Glukosetoleranz aber verschlechtert.

MitoNEET ist ein Protein der Mitochondrien, welche die Verbrennung der Nahrung und damit die Energieproduktion besorgen. Es enthält eine der sieben „CDGSH-Eisen-Schwefel-Domänen“, die für den Eisenimport in die Mitochondrien und somit auch für die Funktion eisenhaltiger mitochondrialer Enzyme essentiell sind. Die wichtige Rolle mitochondrialer Enzyme für die Glukosetoleranz wurde bereits im DGE-Blog-Beitrag vom 25. Juni 2012 angesprochen (4).

Kommentar des Referenten:

Eine gestörte Mitochondrienfunktion ist beim Typ-2-Diabetes von großer pathophysiologischer Bedeutung (5). Die Verbesserung einer bei Typ-2-Diabetes herabgesetzten Insulinempfindlichkeit unter Thiazolidindion-Therapie wird durch PPARgamma-Bindung im Zellkern vermittelt: Es kommt zu einer gesteigerten Bildung und Translokation des Glukosetransporters GLUT-2. Thiazolidindione binden aber auch an MitoNEET (6). Für das Thiazolidinpräparat Pioglitazon wurde gezeigt, dass es mit ungefähr gleicher Affinität wie an PPARgamma auch an MitoNEET bindet (7). In Übereinstimmung mit den tierexperimentellen Ergebnissen der neuen Arbeit (1) steht, dass die Verbesserung der Insulinempfindlichkeit bei Diabetespatienten unter Thiazolidindionen mit einer unerwünschten Zunahme der Fettgewebsmasse einhergeht. Man darf gespannt die weiteren Ergebnisse der Forschungen auf diesem Gebiet erwarten, die für die klinische Grundlagenforschung, vor allem aber für die praktische Medizin große Bedeutung erlangen könnten.

Literatur:

(1) Christine M Kusminski et al.: MitoNEET-driven alterations in adipocyte mitochoindrial activity reveal a crucial adaptive process that preserves insulin sensitivity in obesity.
Nature Medicine, published online 9 September 2012; doi:10.1038/nm.2899

(2) Helmut Schatz: “Gesunde Dicke” – gibt es die wirklich?
DGE-Blog-Beitrag vom 16. Juli 2012

(3) A.D. Karelis et al.: The metabolically healthy but obese individual presents a favourable inflammation profile.
J Clin Endocrinol Metab 2005. 90:4145-4150

(4) Helmut Schatz: Muskel-Eiweiß bei Übergewicht und Diabetes verändert.
DGE-Blog-Beitrag vom 25. Juni 2012

(5) B.B. Lowell & G.I. Shulman: Mitochondrial dysfunction and type 2 diabetes.
2005. Science 307: 384-387

(6) J.R.Colca et al.: Identification of a novel mitochondrial protein (“mitoNEET”) cross-linked specifically by a thiazolidinedione photoprobe.
Am. J. Physiol. Endocrinol. Metab. 2004. 286: E52-60

(7) M.L. Paddock et al.: MitoNEET is a uniquely folded 2Fe 2S outer mitochondrial membrane protein stabilized by pioglitazone.
Proc. Natl. Acad. Sci. U.S.A. 2007. 104: 14342-7

Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
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