Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

Natriuretische Peptide haben ähnliche Effekte auf menschliche Muskelzellen wie Ausdauertraining: Ein neuer Therapieansatz bei Übergewicht und Diabetes?


Bochum, 31. Dezember 2012: Natriuretische Peptide erhöhen in den Mitochondrien des menschlichen Skelettmuskels den oxidativen Stoffwechsel und die Fettverbrennung, ähnlich wie ein achtwöchiges aerobes Ausdauertrainingsprogramm bei übergewichtigen Personen. Dies berichtet ein internationales Forscherteam aus Hannover, Berlin und Toulouse im Dezember 2012 im Journal of Clinical Investigation (1). Die Muskeln werden leistungsfähiger und das Fett wird besser verbrannt.

Die Autoren untersuchten in Primärkultur die Zellen aus Muskelbiopsien von 18 übergewichtigen Menschen, die sich einem Trainingsprogramm unterzogen hatten, sowie von Normalpersonen ohne Training. Nach dem Training wurden in den Muskelzellen der Übergewichtigen positive Stoffwechseleffekte und eine Zunahme der Rezeptoren für natriuretische Peptide beobachtet: Die Expression des Rezeptors Typ-A für natriuretische Peptide wurde, zusammen mit der von anderen Genen hochreguliert. An normalen Muskelzellen, die 72 Stunden mit atrialem natriuretischen Peptid (ANP, 1, 10 und 100 nM) kultiviert wurden, sah man die gleichen Stoffwechseleffekte. Somit sind die natriuretischen Peptide nicht nur als klassische „Herzhormone“ anzusehen, welche, wie ihr Name anzeigt, die Nierenfunktion beeinflussen, den Blutdruck senken und somit das Herz entlasten. Es wurde auch schon vorher gezeigt, dass natriuretische Peptide potente lipolytische Effekts an menschlichen Fettzellen aufweisen (2).

Kommentar:

Wunschtraum vieler Menschen ist es, sich nicht anzustrengen zu müssen und dennoch die positiven Auswirkungen eines körperlichen Trainings auf den Körper und den Stoffwechsel mit seinen Störungen durch ein Medikament erfahren zu können. Bisher ist dies nicht geglückt, trotz mancher hoffnungsvoller Ansätze aus der Grundlagenforschung. Vor etwa 1 Jahr weckte auch das neue Muskelhormon Irisin solche Erwartungen (3). Der Erstautor der Studie (1), Stefan Engeli von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) hofft, die neuen Erkenntnisse über ANP künftig im Klinischen Forschungszentrum der MHH bei Patienten mit Übergewicht und Typ-2-Diabetes erproben zu können. Wer wünscht sich nicht so eine „Wunderpille“ oder „magische Spritze“, die hartes Training ersetzen könnte?

Literatur:

(1) St. Engeli et al., Natriuretic peptides enhance the oxidative capacity of human sceletal muscle.
J. Clin. Invest. 2012. 122: 4675-4679
(2) M. Lafontan et al,: Control of lipolysis by natriuretic peptides and cyclic GMP.
Trends Endocrinol. Metab. 2008. 19:130-137
(3) H. Schatz: Irisin, ein neues Hormon aus dem Muskel zur Behandlung von Übergewicht und Zuckerstoffwechselstörungen?
DGE-Blog-Beitrag vom 17. März 2012

Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
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