Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

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Neues vom Europäischen Diabeteskongress 2022 in Stockholm, Teil 2


Ultralang wirkende Insuline

Helmut Schatz, Bochum

Bochum, 16. Oktober 2022:

Teil II des Berichts vom  Europäischen Diabeteskongress  2022 in Stockholm befasst sich mit ultralang wirkenden Insulinen.

Bereits 2014 behandelte der DGE-Blog ultralang wirkende Insuline, die damals von Analysten noch zurückhaltend  eingestuft wurden (1). Auf den beiden  ADA- und  EASD-Kongressen  2020 wurden die neuen Resultate mit Insulin Icodec von Novo Nordisk zur 1x wöchentlichen Injektion im Vergleich zu täglich Insulin Glargin bei Typ-2-Diabetes in einer Phase II-Studie referiert (2). Jetzt wurden auf dem ADA -2022 – Kongress weitere Resultate mit zwei ultralang wirkenden Insulinen vorgestellt. 1.) Insulin Icodec von Novo Nordisk: Dieses wirkt verzögert zufolge einer Bindung an Albumin über eine Fettsäurekette, die nach Austausch einiger Aminosäuren an das  Insulinmolekülangehängt wurde. 2.) die vergleichsweise zu Icodec  viel längere Wirkungsverzögerung des sehr großen Moleküls von Insulin  „BIF“ (Basal-Insulin- Fc)  beginnt schon im Subkutangewebe durch verzögerte Resorption und durch Reduktion der Affinität für den Insulinrezeptor zufolge des  Fc-Fragments von humanem IgF2-Immunglobulin G.

Beide Langzeitinsuline wurden in Phase II und Phase III – Studien bei Typ-2-Diabetespatienten geprüft. Es zeigten sich keine signifikanten HbA1c-Unterschiede zur Kontrollgruppe und auch keine signifikante Differenzen in den Hypoglykämieraten. Icodec wurde zusätzlich auch  bei Typ-1 Diabetes eingesetzt, wo es zu vermehrten Hypoglykämien führte.

In einer weiteren Untersuchung mit Icodec-Insulin prüfte man an 43 Typ-2-Diabetespatienten, die  unter Metformin standen, wie sich Basalinsulin mit Icodec vs. Glargin nach Erreichen eines steady state in  doppelter und dreifacher Überdosierung auf die Hypoglykämierate auswirkt. Die Patienten wurden im euglykämischen Clamp (100 mg/dl) unter i.v.-Glukosegabe untersucht. Mit der doppelten Dosis beobachtete man (Icodec vs. Glargin) in  40% vs. 36 %  eine Hypoglykämie unter 54 mg/dl p= 0.63, bei dreifacher Dosis (Icodec vs. Glargin) in 53 % vs. 70 %  p=0.14.

Es muß jetzt geprüft werden, wie sich die Unterzuckerungen in weiteren Studien verhalten und auch, welche Diabetespatienten von ultralang wirkenden Insulin , nur 1x wöchentlich injiziert, profitieren.

Helmut Schatz

Literatur

(1) Helmut Schatz: Insulin als Pille? Und zur Injektion nur 1x wöchentlich?
DGE-Blogbeitrag vom 28. Oktober 2014

(2) Helmut Schatz: Neues in der Diabetestherapie: Bericht vom virtuellen Kongress 2020 der Europäischen Diabetesgesellschaft EASD
DGE-Blogbeitrag vom 26. September 2020

Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
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