Medizinische Kurznachrichten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie
(Prof. Helmut Schatz, Bochum)

Neues zu den Osteoporose-Medikamenten Denusomab und Romosozumab


Bochum, 24. September 2020:

Im Sommer 2020 erschienen zwei Berichte zu den beiden Osteoporose-Medikmenten Denusomab und Romosozumab:

Denusomab (Handelsname Prolia, ein IgG2-anti-RANKL-Antikörper): In den Annals of Internal Medicine erscheint eine Publikation (1) über eine Untersuchung von Osteoporose-Patienten aus „THIN“ (The Health Improvement Network), einer elektronischen U.K.-Datenbank mit Berichten  über etwa 17 Millionen Patienten von 790 niedergelassenen praktischen Ärzten aus Großbritannien von 2010-2019. Darunter fanden sich 2594 Patienten, bei denen eine Therapie mit Denusomab nach dem 45. Lebensjahr begonnen worden war. Es wurde das Knochenbruch-Risiko während 6 Monaten errechnet: Es betrug  für alle Knochenbrüche zusammen (Composite fracture) bei zeitgerecht erfolgter Prolia-Gabe (innerhalb 4 Wochen)  27.3 von 1000, bei kurzer (4-16 Wochen) Verzögerung 32.2 und bei längerer (>16 Wochen) Verzögerung der Folgeinjektion 42.3 von 1000 (p für Trend 0.093).  Für Wirbelbrüche betrug die Hazard Ratio gegenüber zeitgerechter Injektion bei kurzer Verzögerung 1.48 (CI, 0.58-3.79). bei längerer Verzögerung 3.91 (CI, 1.62-9.45),  siehe Abbildung .

Abbildung (aus Lit. 1, Appendix Fig. 4)


Kommentar

Die Knochenbrüche nach Unterbrechung oder Absetzen von Denusomab betreffen, wie diese Studie zeigt, fast ausschließlich Wirbelkörper. Darüber wurde schon 2017 im DGE-Blog berichtet (2). Wenn eine Beendigung der Denusomab-Therapie nötig ist, so wird eine Fortsetzung mit Alendronat oder Zoledronat empfohlen. Ob diese Maßnahme langfristig nützt, ist zu hoffen, jedoch noch zu zeigen. Zu bedenken ist, dass in der vorliegenden Studie die Nachbeobachtungszeit nach der letzten Denusomabgabe nur 6 Monate betragen hat.

Romosozumab (Handelsname Evenity, ein Sklerostin-Antikörper,  jetzt trotz anfänglicher   kardialer Bedenken (3) auch in der EU zugelassen):  Nach einem Bericht in „Bone“ (4) erzielte  man mit diesem die besten Effekte bei bisher unbehandelten Osteoporose-Patienten. Original-Zitate aus der Publikation (4): “Conclusion: Early effects of Romosozumab on the increase in lumbar spine (LS) Bone Mineral Density (BMD) are significantly affected by the difference of prior treatment and are predicted by the early change in bone turnover markers. “Mini abstract: Early effects of Romosozumab on the increase in LS BMD at six months is significantly affected by the difference of prior treatment and also predicted by the early change of bone turnover markers in patients with postmenopausal osteoporosis”.

Kommentar

Dass man bei Beginn einer Osteoporose-Therapie mit dem knochenanabolen Romosozumab einen guten Effekt erzielt, zeigte sich in der FRAME-Studie (5). In einer randomisierten, kontrollierten crossover – Studie sollte man sehen, ob eine initial osteoanabole oder antiresorptive Behandlung mit anschließendem crossover langfristig vorteilhafter ist.

Helmut Schatz

Literatur

(1) Houchen Lyu et al.: Delayed Denusomab Injections and Fracture Risk Among Patients with Osteoporosis.
Ann. Intern. Med. 28. July 2020.
https://doi.org/10.7326/M20-0882

(2) Helmut Schatz: Prolia® (Denusomab): Rebound-Effekt mit multiplen Wirbelbrüchen nach Absetzen der Therapie.
DGE-Blogbeitrag vom 12. Februar 2017
doi: 10.1016/j.bone.2020.115574. Epub 2020 Aug 8.

(3) Helmut Schatz: Osteoporose-Medikament Romosozumab im Vergleich zu Alendronat: Weniger neue Knochenbrüche, aber signifikant mehr Herzkreislauf-Probleme.
DGE-Blogbeitrag vom 17. September 2017

(4) Kosuke Ebina et al.: Effects of prior osteoporosis treatment on early treatment response of romosozumab in patients with postmenopausal osteoporosis.
Bone 2020 doi:10.1016/j.bone2020.115574. Epub 2020 Aug.8

(5) Helmut Schatz: Romosozumab, ein Sklerostin-Antikörper erhöht rasch die Knochendichte und senkte in der FRAME-Studie in Sequenztherapie mit Denusomab (Prolia®) bei postmenopausalen Frauen ausgeprägt die Wirbelbrüche.
DGE-Blogbeitrag vom 2. Oktober 2016

Publiziert am von Prof. Helmut Schatz
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